Gelsenkirchen: Direkt neben Sparkasse wirbt Laden für Tresor-Versicherungen

Die Ironie ist unverkennbar – und eigentlich gar nicht gewollt. Gleich neben der ausgeraubten Sparkasse in Gelsenkirchen-Buer betreibt Joachim Möllers Familie seit Jahrzehnten ein Geschäft für Sicherheitstechnik. Im Schaufenster bewirbt er als „Wertschutz für Zuhause“ Tresore; versicherbar bis eine Million Euro.

Einen solchen Schutz könnten Tausende Gelsenkirchener jetzt gut gebrauchen. Im Glauben, dass ihre Wertobjekte wie Goldschmuck und Bargeld in einem Schließfach im Tresorraum der Sparkasse gut aufgehoben sind, haben sie sich beim Geldhaus ihres Vertrauens eingemietet. Jetzt können sie mit maximal 10.300 Euro Entschädigung rechnen, wenn sie Nachweise über die gestohlenen Besitztümer vorlegen. „Viele Kunden von mir sind betroffen. Sie haben keine Fotos als Beleg, das ist bitter“, sagt Möller im Gespräch mit FOCUS online.

Joachim Möller
Joachim Möllers Geschäft für Sicherheitstechnik liegt gleich neben der Sparkasse. Niklas Golitschek

"Die Wand ist eine andere Baustelle"

Der Händler und Berater für Sicherheitstechnik hat der Sparkasse selbst vertraut. Für eine pflegebedürftige Person in der Familie habe er zwischenzeitlich ein Schließfach gehabt. Immerhin sei ihm das Gebäude von innen vertraut. „Ich kenne die Örtlichkeit. Ich habe die Schließanlage eingebaut“, sagt Möller. Zu seinen Kunden zähle auch die Sparkasse. „Das war alles gut abgesichert“, betont der Fachmann. Rückblickend weiß er allerdings auch: „Die Wand ist eine andere Baustelle.“

Genau diese Schwachstelle haben die Täter offenbar ausgenutzt. Die Alarmsensorik beschränke sich auf Türen und gegebenenfalls Fenster, sagt Möller. Dass jemand einen Kernbohrer nutzt, um die Wand zu durchbrechen, erschien in den Abwägungen offenbar als zu unrealistisch. „Wer kommt auf so eine Idee? Das ist einen Film wert“, staunt Möller und meint ernst: „Da gehört eine Menge kriminelle Energie dazu.“

Wobei genau das nicht zum ersten Mal passiert. Bereits 2013 waren in Berlin in einer Volksbank-Filiale mehr als 200 Schließfächer nach jahrelanger Vorarbeit geknackt worden. 2023 ereilte die Hamburger Sparkasse in Norderstedt das gleiche Schicksal bei etwa 650 Schließfächern. Im Vorjahr kam es in der Filiale der Deutschen Bank in Lübeck zu einem Einbruch, bei dem mehr als 300 Schließfächer aufgebrochen wurden.

Angesichts der Dimension zeigt Möller Verständnis, dass die Sparkasse Gelsenkirchen die Schließfächer „nur“ auf 10.300 Euro versichert hat. Bei mehr als 3000 Schließfächern gehe es um eine Versicherungssumme von mehr als 30 Millionen Euro, die das Geldhaus abschließen müsse. „Da bleibt für jedes einzelne Fach nicht viel über“, kommentiert er.

Heimtresor für 3000 Euro

Grundsätzlich hält Möller die Schließfächer weiterhin für sicher. „Die Bank ist schon ein sicherer Ort zum Aufbewahren“, sagt er. Der Tresor-Coup in der Nachbarschaft bringt ihn allerdings ins Grübeln: „Nach dem Einbruch denke ich anders. Wenn man einen guten Tresor zu Hause hat, dann ist der Aufwand zum Öffnen sehr groß.“

Einen Markentresor, wie Möller sie vertreibt, beziffert der Händler auf 2000 bis 2500 Euro. Für den Einbau werden dann noch einmal 300 bis 400 Euro fällig. Das bedeute dafür dann auch: Sicherheitsvorkehrungen vor Ort, zum Beispiel eine Verankerung in Boden und Wand. Das dürfte zumindest ausreichen, um Gelegenheitseinbrecher vor große Herausforderungen zu stellen. „Ich habe meinen Tresor zu Hause“, merkt Möller an.

Komplizierter wird es bei der Versicherung, die Möller mit einem Wertschutz von bis zu einer Million Euro bewirbt. Hier seien die Konditionen zu verschieden, um allgemeine Aussagen zu treffen. So verlangten manche Anbieter auch Vorkehrungen wie einen verankerten Tresor, um überhaupt eine solche Police aufzusetzen.

Immerhin eins hat der Händler für Sicherheitstechnik dem benachbarten Geldhaus nun voraus. „Hier ist noch keiner eingebrochen“, sagt Möller. Im kommenden Jahr feiert der Betrieb sein 65-jähriges Bestehen. So mancher Gelsenkirchener dürfte nun bereuen, auf der Suche nach Schutz für die Wertobjekte nicht durch seine Tür gegangen zu sein.