Nach dem Flammen-Inferno in Crans-Montana gibt es Kritik. Schweizer Anwälte äußern Unverständnis darüber, dass die Barbetreiber auf freiem Fuß sind.
Crans-Montana – 40 Tote und 119 Verletzte hat die Brand-Katastrophe in der Silvesternacht gefordert. Viele der Überlebenden kämpfen nach dem Feuer in Crans-Montana weiter um ihr Leben. Vor allem junge Menschen und auch Minderjährige sind betroffen. Das jüngste Opfer: Eine 14-Jährige aus der Schweiz. Dabei stellt sich zunehmend die Frage: Wer übernimmt die Verantwortung für die Tragödie in der Bar „Le Constellation“?
Gegen das französische Betreiber-Paar wird wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung sowie fahrlässiger Verursachung einer Feuersbrunst ermittelt. Es wird unter anderem untersucht, ob die Brandschutzvorschriften eingehalten wurden, die Deckenabdeckung regelkonform war und es genügend Notausgänge gab. Zuletzt kamen diesbezüglich schwere Vorwürfe auf.
Barbetreiber nach Brand-Katastrophe in der Schweiz auf freiem Fuß – Anwalt spricht von „Skandal“
Die Betreiber sind derzeit auf freiem Fuß. Voraussetzungen für eine Untersuchungshaft gebe es aktuell nicht, teilte die Kantonspolizei Wallis mit. Es bestehe keine Fluchtgefahr. Zudem weisen die Ermittler darauf hin, dass bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung die Unschuldsvermutung gilt.
„Es überrascht mich, dass die Barbetreiber nicht hinter Gittern stecken“, sagte ein Anwalt aus Zürich, der anonym bleiben wollte, dem Nachrichtenportal Blick. „Das Walliser Vorgehen ist unverständlich, ein Skandal“, ließ sich ein weiterer Strafrecht-Anwalt zitieren. „Bei diesem Ausmaß an Toten und Verletzten führt normalerweise kein Weg um die Festnahme.“ Der Züricher Jurist befürchtet zudem, dass sich die Tatverdächtigen absprechen könnten.
Silvester-Unglück in Schweizer Bar: Gemeinde könnte in den Fokus der Ermittlungen rücken
Bei den Ermittlungen könnte die Gemeinde selbst in den Fokus rücken. Es wird geprüft, ob die Brandschutzvorschriften jährlich kontrolliert worden sind. „Wir wurden in zehn Jahren dreimal kontrolliert“, sagte Betreiber Jacques Moretti zu 24heures. Auch der italienische Botschafter Gian Lorenzo Cornado wurde im Gespräch mit dem Corriere della Serra deutlich: „Dieser Nachtclub war illegal.“
Gemeindepräsident Nicolas Féraud dementierte die Vorwürfe beim Westschweizer Radiosender RTS. „Bei der Kontrolle von Bars gab es bei der Gemeinde Crans-Montana keine lasche Haltung“, hieß es. Dabei will sich Crans-Montana selbst als Zivilpartei im Strafverfahren gegen das Betreiber-Paar beteiligen.
Was geschah in der Silvesternacht?
In der Bar „Le Constellation“ im Schweizer Nobelskiort Crans-Montana brach ein verheerendes Feuer aus. Nach bisherigen Ermittlungen wurde dieses durch eine funkensprühende Partyfontäne ausgelöst. Der Schaumstoff an der Decke geriet in Flammen. Das Feuer breitete sich in sekundenschnelle aus. Die Schweizer Behörden sprechen von einem sogenannten „Flashover“.
Unabhängig davon, wie das Strafverfahren endet, fordert der Berner Rechtsanwalt Rolf Steinegger beim SRF: Die Opfer sollen entschädigt werden. Er schlägt einen Entschädigungsfonds vor, an dem sich die Barbetreiber, deren Versicherungen sowie die Gemeinde und der Kanton beteiligen sollen. Das Schweizer Bundesamt für Justiz will zunächst das Ergebnis des Strafverfahrens abwarten, ehe über die Opferhilfe entschieden wird. (Quellen: dpa, Polizei, Blick, RTS, 24heures, SRF, Corriere della Serra) (kas)