Eine der beliebtesten Inselgruppen steht auf der „No List“. Gestiegene Preise, Abwasser und Verkehrschaos zerstören langsam das Urlaubsparadies.
Santa Cruz de Tenerife – Immer mehr beliebte Reiseziele weltweit stehen vor einem Dilemma: Der Tourismus, der einst Wohlstand und Entwicklung brachte, wird zur existenziellen Bedrohung. Überfüllte Sehenswürdigkeiten, kollabierende Infrastruktur und verzweifelte Einheimische, die sich ihre eigene Heimat nicht mehr leisten können – was früher Einzelfälle waren, entwickelt sich zum globalen Phänomen. Verantwortungsvolle Reisende stehen vor der Frage: Wo schadet mein Urlaub mehr, als er nützt?
Eine Antwort darauf liefert jährlich das Reisemagazin Fodor‘s Travel mit seiner „No List“ – einer Aufstellung von Destinationen, die dringend eine Tourismuspause benötigen. Diese Liste ist bewusst kein Boykottaufruf, sondern ein Weckruf für nachhaltiges Reisen. Während bekannte Problemzonen wie Venedig oder Barcelona diesmal nicht auf der Liste zu finden sind – um den Fokus auf andere gefährdete Hotspots zu lenken –, steht ein anderes beliebtes Reiseziel im Zentrum der Aufmerksamkeit: die Kanarischen Inseln.
„Reisewarnung“ 2026: Kanarische Inseln am Limit
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Allein in der ersten Jahreshälfte 2025 begrüßten die Kanaren laut Fodor‘s Travel etwa 7,8 Millionen Besucher. Über das gesamte Jahr 2025 kamen mehr als 14 Millionen internationale Touristen auf die Inseln, wie Teneriffa News berichtet. Hinzu kommen mehrere Millionen spanische Urlauber, die die Inseln für Wochenendtrips nutzen.
Die Folgen sind dramatisch: Tausende Einheimische gingen unter dem Motto „Canarias tiene un límite“ („Die Kanaren haben ein Limit“) auf die Straße. John Dale Beckley, Gründer der Nachhaltigkeitsplattform CanaryGreen.org, beschreibt die Situation gegenüber Fodor‘s Travel drastisch: „Der Verkehr ist eines der größten Probleme. Was früher eine 40-minütige Fahrt aus dem Norden war, dauert jetzt weit über eine Stunde pro Strecke.“ Eine kroatische Stadt löst das Verkehrsproblem, indem sie die Innenstadt für Touristen-Autos sperrt.
Die Infrastruktur der beliebten Inseln Teneriffa und Gran Canaria ist an ihre Grenzen gestoßen. Täglich fließen 100 Millionen Liter unbehandeltes oder kaum behandeltes Abwasser ins Meer. Strände müssen häufiger wegen Verschmutzung geschlossen werden.
Besonders dramatisch entwickelt sich laut Teneriffa News der Wohnungsmarkt. Viele Vermieter wandelten ihre Wohnungen aufgrund der spanischen Mietpreisbremse in Ferienwohnungen um. Die Folge: Junge Einheimische können sich kaum noch Wohnraum leisten. Wegen der gestiegenen Preise essen die Bewohner der Kanarischen Inseln ihren eigenen Fisch nicht mehr.
Die Kanaren befinden sich in illusterer Gesellschaft auf Fodor‘s Liste der zu meidenden Reiseziele. Auch die Antarktis, der Glacier-Nationalpark in Montana, Mexiko-Stadt, Mombasa in Kenia und der Pariser Montmartre sollen 2026 gemieden werden. (Quellen: Fodor‘s Travel, Teneriffa News) (resa)
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