Ermittlungen nach der Feuer-Katastrophe in Crans-Montana: Die Deckenverkleidung könnte eine entscheidende Rolle bei der Brandentwicklung in der Bar gespielt haben.
Crans-Montana – Die Nacht sollte ein Fest werden. Stattdessen endete sie in einer Tragödie, die 40 Menschen das Leben kostete und viele Verletzte forderte. In der Bar „Le Constellation“ in Crans-Montana entzündeten Funken von Feuerwerkskörpern die Deckenverkleidung – gezackte Schallschutzmatten aus Schaumstoff, wie sie in jedem Schweizer Baumarkt zu kaufen sind.
Diese Deckenverkleidung hat vermutlich zu der schnellen Brandentwicklung beigetragen, bei den Ermittlungen legt die Staatsanwaltschaft den Fokus aktuell genau darauf: Billige Matten aus Polyurethan-Schaumstoff entzünden sich bereits bei kurzem Kontakt mit offenen Flammen. Sie brennen rasend schnell, schmelzen und entwickeln schwarzen, beißenden Rauch. Dabei tropft glühendes Material ab – genau wie in den Videos aus der Katastrophennacht zu sehen war.
Feuer-Inferno in Schweizer Bar – Deckenverkleidung im „Le Constellation“ offenbar leicht entzündlich
Die NZZ am Sonntag hatte den Test gemacht und dabei festgestellt, wie leicht entzündlich und gefährlich die Matten sind. Im Baumarkt, in dem das Testmaterial gekauft wurde, wurde erst auf Nachfrage bestätigt, dass die Matten schnell brennbar seien. Hinweise an den Regalen habe es nicht gegeben. Dadurch konnte es womöglich zum verheerenden „Flashover“ in der Schweizer Bar kommen.
Im Kanton Wallis gibt es keine verpflichtende staatliche Gebäudeversicherung, wie Axa berichtet. Trotzdem müssen regelmäßige Brandschutzkontrollen durchgeführt werden. Im Kanton Wallis werden laut der Brandschutzverordnung öffentlich zugängliche Gebäude einmal im Jahr geprüft. Im Widerspruch dazu steht die Aussage von Betreiber Jacques Moretti (49), dass die Bar „in den letzten zehn Jahren dreimal“ kontrolliert worden sei und alles „vorschriftsmäßig“ war, so 24heures. Der italienische Botschafter Cornado bezeichnete den Betrieb der Schweizer Bar „Le Constellation“ sogar als „illegal“.
Laut dem Brandschutz-Ratgeber vs.heureka werden Baustoffe in der Schweiz in die Stufen RF1 (kein Brandbeitrag) bis RF4 (unzulässiger Brandbeitrag) eingeteilt (RF – réaction au feu: Brandverhalten). Material für Innenräume, also Wände, Treppen, Decken etc., muss mindestens der Stufe RF3 entsprechen. Die leicht entzündlichen Schaumstoffmatten würden der Kategorie RF4 zugeordnet werden. Sie hätten mit Materialien der Stufe RF1 gekapselt werden müssen, das heißt, sie müssten vollständig von nicht brennbaren Baustoffen umgeben sein. (Quellen: NZZ am Sonntag, Axa, 24heures, vs.heureka) (resa)
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