„Ja, ja, es kommt kein Zug“: Funksprüche enthüllen dramatischen Irrtum bei Zugunglück in Spanien

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Blackbox-Aufzeichnungen offenbaren die Kommunikation zwischen Zugführer und Kontrollzentrum. Sie enthüllen dramatische Details über die letzten Sekuden vor der Kollision.

München – Die Nacht des 18. Januar 2026 markiert einen der dunkelsten Momente in der spanischen Eisenbahngeschichte. Um 19:45 Uhr kollidierten bei Adamuz in der Provinz Córdoba zwei Hochgeschwindigkeitszüge auf der Hauptverbindung Madrid-Sevilla. 42 Menschen verloren ihr Leben, 292 weitere wurden verletzt. Nun gewähren die Aufzeichnungen der Blackbox des Iryo-Zuges erschütternde Einblicke in die fatalen Minuten vor der Katastrophe – und offenbaren ein tragisches Missverständnis zwischen Lokführer und Kontrollzentrum.

Rettungskräfte am Ort des Zugunglücks in Spanien unweit von Córdoba (Andalusien). © Joaquin Corchero/dpa

Die Funksprüche zwischen dem Lokführer des achtwagigen Iryo 6189 und der Zentrale in Madrid-Atocha dokumentieren, wie sich aus einem scheinbar harmlosen technischen Problem binnen Sekunden eine Tragödie entwickelte. „Hallo Atocha, ich habe gerade einen Ruck auf der Höhe von Adamuz erlitten“, meldete der Lokführer um 19:45 Uhr mit noch ruhiger Stimme, wie elpais.com berichtet.

„Ja, ja, es kommt kein Zug“: Funk zwischen Lokführer und Kontrollzentrum bei Spanien-Unglück veröffentlicht

Was der Lokführer zu diesem Zeitpunkt offenbar als geringfügiges Problem einschätzte, war bereits der Beginn der Katastrophe: Die drei hinteren Waggons seines mit 200 Stundenkilometern fahrenden Zuges waren entgleist und beim Durchfahren der Weichen in den Gleisbereich der Gegenfahrbahn geraten.

Der Iryo 6189 war um 18.40 Uhr in Málaga gestartet und befand sich auf dem Weg nach Madrid, als das Unglück seinen Lauf nahm. Nur Augenblicke nach dem ersten Funkspruch folgte der zweite – diesmal laut Bericht mit unüberhörbarer Dringlichkeit in der Stimme: „Ich teile Ihnen mit, dass es eine Entgleisung ist und ich dringe in das angrenzende Gleis ein.“

Der Lokführer hatte die Tragweite der Situation erfasst und flehte förmlich: „Ich brauche, dass Sie den Verkehr auf den Gleisen dringend stoppen, bitte.“ Die Antwort des Kontrollzentrums sollte sich als folgenschwerer Irrtum erweisen: „Ja, ja, es kommt kein Zug.“

Zugunglück nahm fatalen Verlauf: Nur wenige Sekunden zwischen Entgleisung und Kollision

Doch genau in diesem Moment war die Katastrophe bereits Realität geworden: Der vierwagige Alvia 2384 von Madrid nach Huelva hatte die entgleisten Waggons des Iryo gerammt. Während das Kontrollzentrum noch Entwarnung gab, war die Kollision bereits geschehen. Der Renfe-Zug war um 18.05 Uhr in Madrid gestartet und mit etwa 100 Passagieren an Bord unterwegs, als er auf die entgleisten Waggons prallte.

Die Aufzeichnungen verdeutlichen das dramatische Zeitfenster: Zwischen der ersten Entgleisung und der Kollision lagen nur wenige Sekunden. In dieser kurzen Zeitspanne entstand das schwerste Zugunglück Spaniens seit der Katastrophe von Santiago de Compostela 2013 und das vierttödlichste Eisenbahnunglück der spanischen Geschichte.

Die vorderen beiden Waggons des Alvia-Zuges stürzten nach dem Aufprall eine vier Meter tiefe Böschung hinab – dort befanden sich die meisten der 42 Todesopfer und 292 Verletzten. Etwa 300 Passagiere waren zum Zeitpunkt des Unglücks im Iryo-Zug. ZIm zweiten Funkspruch war die Verzweiflung des Lokführers bereits greifbar: „Und ich habe auch ein Feuer, ich muss die Kabine verlassen, weil ich überprüfen muss.“ Er berichtete von einem brennenden Waggon und forderte Notdienste, Feuerwehr und Krankenwagen an. Nur drei Tage später kam es in Spanien erneut zu einem tödlichen Zugunglück.

Gewerkschaft warnte vor Zugunglück vor Streckenschäden

Die Strecke war erst im Mai 2025 renoviert worden und befand sich nach Angaben von Verkehrsminister Óscar Puente in einwandfreiem Zustand, wie der spanische öffentlich-rechtliche Sender RTVE berichtet. Der Iryo-Zug, Baujahr 2022, hatte erst am 15. Januar 2026 – nur drei Tage vor dem Unglück – seine letzte Sicherheitsinspektion bestanden.

Erste Untersuchungen deuten auf eine fehlerhafte Gleisschweißung als mögliche Unfallursache hin. Verkehrsminister Puente bezeichnete das Unglück als „außerordentlich seltsam“, da es sich auf einem geraden Streckenabschnitt ereignete, der als besonders sicher galt.

Besondere Brisanz erhält der Fall durch eine Warnung der Lokführergewerkschaft SEMAF, die bereits im August 2025 den Streckenbetreiber Adif vor starkem Verschleiß der Gleise gewarnt hatte – ausgerechnet in jenem Bereich, in dem sich die Tragödie ereignete. Quellen: elpais.com, RTVE (bk)

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Информация на этой странице взята из источника: https://www.merkur.de/welt/es-kommt-kein-zug-funksprueche-enthuellen-fatalen-irrtum-vor-spaniens-zugtragoedie-zr-94132737.html