Hohe Gesundheitskosten: So könnten Regierung und Kassen Milliarden sparen – und Versicherte schonen

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Die Gesundheitskosten sind hoch, Millionen Versicherte müssen 2026 mehr zahlen. Viele Ideen werden diskutiert. Dabei gibt es Einsparpotentiale in Milliardenhöhe, die nicht wehtun.

Berlin – Das deutsche Gesundheitssystem muss reformiert werden – darüber sind sich alle Beteiligten eigentlich einig. Aber über das Wie gehen die Vorstellungen auseinander. Fest steht immerhin: Das Gesundheitssystem ist zu teuer, dieses Jahr steigen für viele Versicherte wieder die Kosten.

Hohe Gesundheitskosten: Merz-Regierung will mit Sparpaketen dagegen vorgehen

Als kurzfristige Maßnahme zum 1. Januar 2026 brachte Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) in letzter Minute ein Sparpaket durch, das die Ausgaben vor allem bei den Kliniken um bis zu zwei Milliarden Euro drücken soll. Mehrere Kassen erhöhten die Zusatzbeiträge für 2026 trotzdem – Millionen Versicherte müssen nun mehr zahlen. Hintergrund ist auch, dass Reserven aufgefüllt werden müssen. Insgesamt wird 2026 mit Ausgaben von 370 Milliarden Euro gerechnet, 23 Milliarden mehr als 2025. Für 2027 erwartet die Ministerin dann eine Finanzlücke im zweistelligen Milliardenbereich, die zu schließen sein wird.

Hausarzt lädt Dokumente in eine elektronische Patientenakte
Krankenkassen könnten laut einer Studie Milliarden mit Digitalisierung sparen. (Archivbild) © Daniel Karmann/dpa/dpa-tmn

Bei Union und SPD kursieren viele unterschiedliche Ideen, wie Kosten reduziert werden könnten. Eine Expertenkommission soll sich deshalb damit auseinandersetzen und bis März Vorschläge zur Stabilisierung ab 2027 vorlegen. Bis Ende 2026 sollen dann weitergehende Reformvorschläge folgen. Gesundheitsministerin Warken hatte deutlich gemacht, dass es um mehr Effizienz und Steuerung gehen soll. Alle Einnahmen und Ausgaben sollen auf den Prüfstand. Es werde Veränderungen „für alle“ geben, sagte sie.

Mehr aus eigener Tasche zahlen? Diese Vorschläge werden diskutiert

Eine gezieltere Steuerung zu Facharztterminen strebt Warken bereits an. Laut Koalitionsvertrag wollen Union und SPD ein verbindliches „Primärarztsystem“ einführen, bei dem Patienten primär in eine Hausarztpraxis gehen, die sie bei Bedarf – mit einem Termin in einem bestimmten Zeitraum – an Fachärztinnen und Fachärzte überweist. Klappt das nicht in einer Praxis, soll man auch zu Fachärzten in Kliniken gehen können. Das soll eine „Termingarantie“ darstellen.

Neue oder höhere Zahlungen aus eigener Tasche sind auch in der Diskussion. Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände schlägt etwa vor, die seit 2004 unveränderten Zuzahlungen zu Medikamenten von mindestens 5 Euro und höchstens 10 Euro anzuheben. Gemäß der Preissteigerung ergäbe sich eine Anhebung der Beträge auf 7,50 Euro und 15 Euro. Im Gespräch ist auch eine Gebühr, wenn man direkt zum Facharzt will. Warken zeigte sich offen für „Steuerungselemente“, will aber keine neue allgemeine Praxisgebühr.

Krankenkassen und andere Verbände fordern außerdem seit Langem mehr Geld aus dem Bundeshaushalt über den regulären Jahreszuschuss von 14,5 Milliarden Euro hinaus. Die Kassen monieren etwa, dass sie für grundsätzlich gesetzlich versicherte Bürgergeldbezieher zu wenig bekommen – nämlich jährlich zehn Milliarden Euro. Sie ziehen deswegen nun auch gegen den Bund vor Gericht. Zuletzt gab der Bund schon eine extra Finanzspritze, aber nur als Darlehen.

Hohe Gesundheitskosten: Strukturreformen bergen großes Einsparpotential

Der GKV-Spitzenverband erklärte aber auch, es brauche keine zusätzlichen Einnahmen, sondern Strukturreformen, „die den extremen Ausgabenanstieg sinnvoll bremsen“. Eine Möglichkeit wäre beispielsweise eine konsequente Digitalisierung der Gesundheit.

Jens Baas, Chef der Techniker, der größten Krankenkasse Deutschlands, sagte dazu in einer Mitteilung: „Durch Digitalisierung können wir den Service für unsere Versicherten verbessern, Wartezeiten auf Termine reduzieren und Kosten einsparen.“ Der Gesetzgeber sei jetzt gefragt, die richtigen Schritte einzuleiten und die Digitalisierung im Gesundheitssystem weiter konsequent voranzutreiben. Denn: „Dafür reicht es aber nicht, nur neue Tools ins bestehende System einzufügen, sondern wir müssen das System neu denken“, sagt Baas laut Wirtschaftswoche zum Thema Digitalisierung.

Kassen könnten laut Studie Milliarden mit Digitalisierung sparen

Bis zu 13 Milliarden Euro jährlich könnten die gesetzlichen Krankenkassen einsparen, wenn sie eine konsequente Digitalisierung, automatisierte Prüfungen und die Einbindung Künstlicher Intelligenz (KI) umsetzen. Das stellt eine Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte fest, die dem Handelsblatt vorliegt. Vor allem bei medizinischen Leistungen, Medikamenten und Krankenhausaufenthalten gebe es demnach enormes Einsparpotenzial. Und vor allem: Diese Sparmaßnahmen würden den Versicherten nicht wehtun. Voraussetzung dafür wäre aber auch, dass Digitalangebote wie die digitale Patientenakte (ePA) eine breitere Anwendung und Nutzung erfahren. Quellen: dpa, AFP, Wirtschaftswoche, Handelsblatt, Mitteilung der TK