Nach Feststellung der Notzeit: Landratsamt kritisiert Fütterungspraxis in Rottach-Egern

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Von einer dicken Schneehaube waren die Heuhaufen an dieser Futterstelle in Rottach-Egern am Sonntag (11. Januar) bedeckt. Das Wild hatte sich offenbar noch nicht genähert. © Christine Miller

Zur Erleichterung vieler Tierfreunde hatte das Landratsamt durchgegriffen und eine Fütterung des Rotwilds in Rottach-Egern angeordnet. Doch für eine Entwarnung ist es zu früh: Die Fütterungspraxis wird massiv kritisiert.

Rottach-Egern – Futterstellen in tief verschneiter Landschaft, Heuhaufen, die ebenfalls dick mit Schnee bedeckt und offenbar unberührt sind: Christine Miller, Vorsitzende des Vereins Wildes Bayern, hat den Zustand der Fütterungsplätze im Revier Rottach-Egern am zurückliegenden Wochenende genau dokumentiert. Sie sagt klipp und klar: Eine „sachgerechte Fütterung“ sei dies nicht. Die abgelegten Futtermittel seien zum Teil unbrauchbar, die Standorte verwaist, da das Rotwild sich mittlerweile in weiter entfernten Einständen aufhalte und im Sinne der Lenkungsfunktion erst wieder angelockt werden müsste. Ihre Haltung hat Miller gegenüber Gemeinde und Behörden in mehreren zornigen E-Mails deutlich gemacht.

Die Untere Jagdbehörde (UJB) des Landratsamtes hatte am vergangenen Donnerstag (8. Januar) nach längerem Zögern eine Notzeit fürs Wild ausgerufen. Damit war der Rottacher Jagdvorstand, der eine grundsätzliche Winterfütterung in seinem Revier hartnäckig verweigert, aufgefordert, das Wild nun doch mit Futter zu versorgen. Daraufhin wurde tatsächlich Heu ausgebracht.

Als zuständige Behörde hatte das Landratsamt am Wochenende ein Auge drauf – und erklärte am Montag (12. Januar) auf Nachfrage: „Die bestehende Fütterung ist in der aktuellen Form nur eingeschränkt wirksam.“ Das ausgebrachte Heu sei zwar zunächst geeignet gewesen, durch den zwischenzeitlichen Neuschnee sei es nun aber nicht mehr tierschutzgerecht. „Es muss daher von den Revierinhabern ausgetauscht werden“, erklärt eine Sprecherin. „Nach vorliegenden Erkenntnissen sind einzelne Heuballen aufgrund eines muffigen und modrigen Geruchs teilweise nicht mehr als Futtermittel geeignet“, schob das Landratsamt am Nachmittag hinterher.

Noch am Montag (12. Januar) habe die Untere Jagdbehörde den Jagdvorstand kontaktiert und darauf hingewiesen, dass „keine missbräuchliche Fütterung“ erfolgen dürfe. Auch habe die UJB die Zuständigen dringend aufgefordert, auf die Hygiene zu achten, die Fütterungsplätze sauber zu halten und anfallende Losungen zu beseitigen. Laut Landratsamt wurde festgestellt, „dass Fütterungsanlagen nicht durchgängig ordnungsgemäß unterhalten werden“.

Grundsätzlich, so das Landratsamt, kämen die Jagdgenossen ihrer Pflicht zwar nach, das Rotwild während der Notzeit zu füttern. „Allerdings zeigt die Praxis vor Ort, dass das Wild nur schwer zu den Futterstellen zu bewegen ist.“ Um eine wirksame Fütterung sicherzustellen, wäre auch nach Ansicht der Fachleute am Landratsamt „ein Anfüttern mit Futterschleppen erforderlich“. Das Landratsamt prüft derzeit, welche Möglichkeiten es hier gibt.

Johanna Ecker-Schotte, die als Vorsitzende des Tierschutzvereins Tegernseer Tal bereits im Dezember 2024 die fehlende Wildfütterung in Rottach-Egern beklagt und damit den Stein ins Rollen gebracht hatte, ist froh darüber, „dass das Landratsamt endlich Farbe bekennt und klar eingeschritten ist“. Es sei lange genug nichts passiert.

Nachdem die Emotionen zuletzt wieder hochgekocht seien und das Thema „Winterfütterung“ die Bürger im Tal gespalten habe, hoffe sie, dass nun im Sinne des Wildes Ruhe einkehre und die Vernunft obsiege. Auch eine Forderung formuliert Ecker-Schotte: „Die Bejagung sollte jetzt komplett eingestellt werden, um weitere Schäden zu verhindern.“

Mit der Feststellung der Notzeit hat das Landratsamt Miesbach einen entscheidenden Schritt getan, um die Fütterung in Gang zu setzen. Ob es bei der Fütterung selbst noch eingreifen muss – Stichwort „Ersatzvornahme“ – wird sich zeigen.

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„Keine Notzeit“

Die beiden Jagdvorsteher Quirin Berghammer und Lorenz Kandlinger äußerten am Montag (12. Januar) in einer E-Mail an unsere Zeitung ihr Unverständnis über die Haltung des Landratsamtes. Es sei mitnichten der Fall, dass Heuballen wegen Nässe ausgetauscht werden müssten, ließen sie wissen. Sollte die Behörde bei ihrer Einschätzung bleiben, gehe man als Jagdvorstand davon aus, „dass man uns eine behördliche Aufforderung zum Ballenaustausch zukommen lässt“. Gleiches gelte für die Anfütterung mit Futterschleppern. Auch über deren Sinnhaftigkeit könne man nur rätseln, teilen die Jagdvorsteher mit. Für sie steht weiterhin fest: „Wir haben derzeit keine Notzeit!“ Man gehe davon aus, heißt es in der E-Mail, dass die Anordnung wieder zurückgenommen werde.