Der Bürgermeister als Influencer: Auch in Wiessee setzen Kommunalpolitiker auf Social Media

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Einsatz für Social Media: Der Wiesseer Bürgermeister Robert Kühn filmt sich regelmäßig, um Beiträge zu posten. Hier vor dem neuen Gasthof zur Post. © Thomas Plettenberg

Social Media ist in der Kommunalpolitik unverzichtbar geworden. Auch in Bad Wiessee nutzen die Parteien und Gruppierungen das Portal. Die Nase vorn hat zweifellos Bürgermeister Robert Kühn (SPD).

Bad Wiessee – Robert auf der Seegut-Baustelle, Robert beim Verteilen von Schoko-Weihnachtsmännern, Robert bei der morgendlichen Sportroutine oder beim Schneeräumen vor dem Haus der Mama: Es sind teils sehr persönliche Einblicke, die der Wiesseer Rathauschef seinen Followern auf den Social-Media-Kanälen gewährt. „Ich will den Alltag abbilden“, sagt Kühn. „Die Leute interessiert, wer der Mensch hinter dem Bürgermeister ist.“ Damit könnte er recht haben: Auf Instagram hat der 43-Jährige inzwischen rund 3650 Follower.

„Das ist harte Arbeit“, sagt Kühn. Fast täglich setzt er auf Social Media seine Posts ab. Die Ideen dazu kämen ihm meistens spontan. Egal ob bei privaten Ausflügen oder offiziellen Terminen: Die Handykamera fürs nächste Video hat der Bürgermeister immer im Anschlag. Für Kühn sind die Auftritte auf Social Media aber auch ein wichtiges Instrument, um Informationen aus erster Hand an die Bürger und Wähler zu transportieren: „Das ist ein nicht zu unterschätzendes Sprachrohr nach außen.“

Gerade jetzt, in Zeiten des Wahlkampfes, wird dieses Sprachrohr von vielen Parteien und Gruppierungen besonders intensiv genutzt. Um die eigenen Kandidaten vorzustellen beispielsweise, oder um Veranstaltungen zu bewerben. Auch die CSU Bad Wiessee ist auf Facebook (gut 600 Follower) und Instagram (rund 320 Follower) aktiv, formuliert hier unter anderem ihre Ziele und das Erreichte oder wünscht ihren Freunden auch einfach nur mal einen schönen Feiertag.

Für Florian Sareiter, den stellvertretenden Ortsvorsitzenden und Fraktionssprecher im Gemeinderat, ist Social Media aus der Kommunalpolitik nicht mehr wegzudenken. „Das ist ein geeigneter Weg, um in Bild und Ton Botschaften zu transportieren“, findet auch er. Allerdings sei es schwieriger geworden, die gewünschten Zielgruppen zu erreichen, seit der US-Konzern Meta im Oktober entschieden hat, keine bezahlte politische Werbung auf seinen Plattformen mehr zuzulassen, bedauert Sareiter. Im Wahlkampf setze die CSU auf eine „gesunde Mischung“: Online sei man über Social Media, WhatsApp und die Homepage präsent, analog auf Wahlplakaten oder beim klassischen Wahlinfostand.

Dass Insta und Facebook wichtige Plattformen sind, um die Menschen zu erreichen, habe man schon bei der Wahl vor sechs Jahren erkannt, sagt Birgit Trinkl von der Freien Wählergemeinschaft Wiesseer Block. Allerdings habe es bislang an der Motivation gefehlt, die Kanäle auch regelmäßig zu bespielen. „Es ist kaum etwas passiert“, räumt die Vize-Bürgermeisterin ein. Bis jetzt. Denn mit der neuen Gemeinderatskandidatin Bettina Prestel habe sich endlich jemand gefunden, der das Thema in die Hand genommen hat.

„Das ist ein Fulltime-Job“, sagt Prestel selbst und lacht. Mithilfe eines Redaktionsplans legt sie fest, wann was und wo erscheinen soll. Kurz, prägnant und authentisch sollen die Beiträge auf Social Media sein, drei Posts in der Woche habe sie sich zum Ziel gesetzt, sagt die Wiesseer Familienbeauftragte, die mit „betzivorort“ auch einen eigenen Insta-Kanal betreibt. Sie will mit den Auftritten des Wiesseer Blocks nicht nur Diskussionen anregen, sondern auch Aufklärung betreiben: über die Pflichtaufgaben der Gemeinde etwa oder über die Wahlmodalitäten. Das sei bisher gut angekommen, sagt Prestel: „Dafür haben wir viele Likes bekommen.“

Die Grünen sind in erster Linie als Ortsverband Tegernseer Tal auf Social Media vertreten und haben auf Instagram immerhin 920 Follower. Thomas Tomaschek, Vorsitzender des Ortsverbands und Landratskandidat, ist überzeugt, auf diese Weise viele Menschen zu erreichen. Neben dem Auftritt der Grünen pflegt der 50-Jährige auch einen persönlichen Kanal. Das jüngste Kurzvideo, in dem er seine Bergschuhe aufpoliert und seinen Fußmarsch durch die Landkreisgemeinden bewirbt, hätten bereits 2000 Leute gesehen, berichtet er. „Die Leute wollen sich ein Bild von dem Menschen machen“, glaubt auch Tomaschek. Mit Hasskommentaren, wie sie Grünen-Politiker häufig auf Social Media ernten, habe er es bislang – überraschenderweise – nicht zu tun bekommen, erklärt der Landratskandidat.

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