Bundeskanzler Friedrich Merz ruft beim CSU-Neujahrsempfang in Gut Kaltenbrunn zu Leistungsbereitschaft auf

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Standortbestimmung für Deutschland: Bundeskanzler Friedrich Merz hielt eine eindringliche Rede und forderte darin unter anderem mehr Leistungsbereitschaft. © Thomas Plettenberg

Beim Neujahrsempfang der Kreis-CSU auf Gut Kaltenbrunn sprach Bundeskanzler Friedrich Merz über Frieden, wirtschaftliche Stärke und die Notwendigkeit, sich als Gesellschaft wieder mehr zuzutrauen. Vor rund 900 Gästen warb er für Mut, Anstrengung und Zuversicht.

Landkreis – Das Schöne am Amt des Bundeskanzlers ist es, dass der Flieger nicht ohne einen startet. Disziplin braucht‘s freilich trotzdem, und so bleibt Friedrich Merz am Sonntag beim Neujahrsempfang der Kreis-CSU exakt im Zeitplan. Genau eine Stunde dauert sein Auftritt auf Gut Kaltenbrunn, dann muss der 70-Jährige weiter zum Flughafen. Handelsgespräche in Indien. Es ist das, was er kurz zuvor in seiner Rede „unsere Antwort auf die USA“ genannt hat.

Es ist alles so wie immer an diesem Sonntagvormittag und doch einiges anders. Die knapp 900 Besucher des Neujahrsempfangs haben sich strengen Zugangs- und Sicherheitskontrollen zu unterziehen. Hirschfänger, wie sie gerne mal zur Tracht gehören, müssen zu Hause bleiben. Die politische Lokalprominenz, die traditionell das Defilee abnimmt, bekommt diesmal Verstärkung. Zusätzlich müssen die Gäste an zwei Männern mit Metalldetektoren vorbei.

Zugangskontrolle: Die Besucher mussten sich in diesem Jahr vorab registrieren. Es wurde streng kontrolliert.
Zugangskontrolle: Die Besucher mussten sich in diesem Jahr vorab registrieren. Es wurde streng kontrolliert. © Thomas Plettenberg

Die Tenne füllt sich zügig, die Stimmung schwankt zwischen Ausgelassenheit und gespannter Erwartung. Als Merz schließlich pünktlich um 11 Uhr den Saal betritt, gibt es donnernden Applaus. Fast hätte die Indien-Reise den Auftritt nach der wahlkampfbedingten Absage im Vorjahr erneut gefährdet, doch dem CDU-Vorsitzenden sei es ein Anliegen gewesen, den Termin zu halten, sagt Kreisvorsitzender und Bundestagsabgeordneter Alexander Radwan. „Damit haben wir erstmals einen Bundeskanzler auf einem Neujahrsempfang“, betont er nicht ohne Stolz.

Der stramme Zeitplan des Regierungschefs schlägt erkennbar auf den Ablauf der Veranstaltung durch. Radwan und Landratskandidat Franz Schnitzenbaumer beschränken ihre Begrüßung und die einführenden Worte auf wenige Minuten, betonen angesichts der bevorstehenden Kommunalwahl die Bedeutung von Lokalpolitik. „Demokratie beginnt in den Kommunen“, weiß Radwan. Merz, der mit seiner Frau Charlotte am Bühnenrand neben Landtagspräsidentin Ilse Aigner sitzt, nickt zustimmend.

Er selbst kommt auch kurz auf die Kommunalwahl zu sprechen, wünscht den Kandidaten viel Glück. Seine Rede dreht sich aber um die großen Herausforderungen dieser Zeit. „Absolute Priorität hat für mich und damit auch für die Bundesregierung die Bewahrung von Frieden und Freiheit auf unserem Kontinent“, stellt der Bundeskanzler klar. Die aktuelle Lage nennt er „eine tiefe Zäsur und eine fundamentale Veränderung der politischen Ordnung auf der Welt“. Gesellschaft und Politik müssten sich die Frage stellen, wie sie mit dieser Veränderung umgehen.

Frieden und Freiheit zu gewährleisten, gelinge nur mit einer starken Volkswirtschaft. „Dieses Land muss raus aus seiner strukturellen Wachstumsschwäche“, fordert Merz deshalb. Zuvor gelte es aber, eine Grundsatzfrage zu klären: „Sind wir in unserer Gesellschaft bereit, uns dafür gemeinsam mehr anzustrengen?“

Die volkswirtschaftliche Leistung Deutschlands sei nicht gut genug. Allein mit Work-Life-Balance und einer Vier-Tage-Woche lasse sich Wohlstand nicht erarbeiten. „Wir müssen sehr viel besser werden, als wir es in den vergangenen Jahren waren“, sagt Merz und nimmt dabei auch Bezug auf den früheren Bundeskanzler Ludwig Erhard, der in Gmund begraben liegt: „Er wusste, dass man nur mit Leistung und Anstrengung im Wettbewerb ein Land wirtschaftlich stark machen kann.“ An den strukturellen Verwerfungen der vergangenen Jahre trage auch die Union eine Mitverantwortung, räumt der Parteivorsitzende selbstkritisch ein: „Jetzt müssen wir etwas aufholen, was andere schon längst getan haben.“

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Mit Blick aufs neue Jahr sei er dennoch zuversichtlich. „Nicht alle, aber die meisten Probleme unseres Landes können wir selbst lösen“, betont Merz. „Ein bisschen Mut und Zuversicht daraus zu ziehen, dass andere uns mehr zutrauen, als wir uns selbst zutrauen, ist doch eine tolle Aufgabe für das Jahr 2026.“

Nach der Rede gibt‘s lang anhaltenden Applaus, Radwan dankt dem 70-Jährigen für die Standortbestimmung. „Am Oberland soll‘s nicht liegen“, verspricht er. Auf der Bühne gibt‘s noch ein Gruppenfoto mit allen CSU-Bürgermeisterkandidaten, dann muss der Bundeskanzler los. Der Geschenkkorb mit den regionalen Schmankerln, die symbolisch für eine geführte Bergtour im Sommer stehen, bleibt zurück. Indien hat eigene Spezialitäten.

Geschenkkorb: Der Inhalt steht symbolisch für eine geführte Bergtour für Merz und seine Frau Charlotte (2.v.r.).
Geschenkkorb: Der Inhalt steht symbolisch für eine geführte Bergtour für Merz und seine Frau Charlotte (2.v.r.). © Thomas Plettenberg