Russland-Experte: Moskau hat noch Geld für 12 bis 18 Monate Krieg

Bereits vor seiner Wahl zum US-Präsidenten kündigte Donald Trump vollmundig an, den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine innerhalb von 24 Stunden zu beenden. Das ist nicht passiert, nun wird seit Wochen über einen möglichen Friedensdeal verhandelt. 

Der renommierte Experte für russische Außenpolitik Alexander Gabuew glaubt allerdings nicht, dass das in absehbarer Zeit Erfolg haben wird. Im Interview mit dem „Handelsblatt“ sagte Gabuew: „Russland und Präsident Putin bestehen weiterhin auf sehr weitreichenden Forderungen, von denen sie nicht abrücken wollen.“

Russland-Experte: Moskau kann den Krieg noch 12 bis 18 Monate finanzieren  

In den Friedensbemühungen der US-Administration werde Gabuew zufolge nicht ausreichend Druck auf den Kreml ausgeübt. So glaubten die Russen, „die Zeit arbeite für sie und die Verhandlungen können weiter hinausgezögert werden“.

Der Hintergrund: Die Finanzen. So habe Moskau strategisch derzeit noch kein Interesse an einem Waffenstillstand. Gabuews Schätzungen zufolge sei Russland finanziell befähigt, den Krieg noch 12 bis 18 Monate fortzusetzen. Weitere Sanktionen des Westens könnten diese Zeitspanne allerdings verringern, dazu müssten Sanktionsumgehungen konsequent verhindert werden.

Der Russland-Experte warnt außerdem vor der Verhandlungstaktik Putins. Sollte es tatsächlich zu einem Frieden in der seit fast vier Jahren kriegsgeplagten Ukraine kommen sollte, wäre dieser möglicherweise mehr Schein als Sein.

Jared Kushner und Steve Witkoff verhandeln auf Seite der USA über einen Frieden in der Ukraine.
Jared Kushner und Steve Witkoff verhandeln auf Seite der USA über einen Frieden in der Ukraine. picture alliance / ZUMAPRESS.com

US-Verhandler „keine Russland-Experten“

Der russische Präsident Putin könnte die Pause nutzen, seine Armee neu aufzustellen und in einigen Jahren erneut anzugreifen. Dabei drohe der Ukraine ohne glaubhafte Sicherheitsgarantien der Verlust der Souveränität.

Kritik übt Gabuev auch an den auf Seiten der USA beteiligten Akteure an den „Friedensverhandlungen“. Er sei sich nicht sicher, „ob Steve Witkoff und Trump-Schwiegersohn Jared Kushner genug Erfahrung mit Russland haben. Keiner von beiden ist Russland-Experte, keiner spricht die Sprache oder kennt die russische Seite gut genug, um ein Abkommen zu erreichen, das die Interessen Europas, des Westens und der Ukraine absichert.“

Generell sei die USA unter Führung von Donald Trump unberechenbar, so Gabuew. Europa müsse sich daher fragen, was es tun kann, sollten die USA sich komplett von der Unterstützung der Ukraine zurückziehen.