Eine Auswanderin, die in den vergangenen Jahren mehrfach ihren Wohnsitz zwischen Deutschland und Singapur wechselte, macht ihrem Frust über die deutschen Verhältnisse Luft. Katja Flann, aufgewachsen in Baden-Württemberg, zog 2009 mit ihrem Mann nach Singapur. Sie bekam Kinder, fühlte sich wohl, wie sie in einem Beitrag für „Welt“ beschreibt. Doch dann folgte die Scheidung, sie wollte zu ihrer kranken Mutter nach Deutschland.
Auswanderin über Deutschland: "In Hamsterrad 3,5 Jahre lang gefangen "
Mit drei Kindern zog sie 2021 nach Baden-Baden. Die folgenden dreieinhalb Jahre müssen für sie ein Horror gewesen sein. Das Gehalt sei wegen der viel höheren Steuern zusammengeschrumpft. Dazu kamen die Scheidungskosten. Eine zuverlässige Kinderbetreuung am Nachmittag habe sie nicht gefunden. Das sei, so stellt Flann in dem Text fest, „auf dem Land mehr Theorie als Realität. Kita-Plätze, Hort, Tagesmutter – überall Wartelisten“.
Die Folge: Sie findet sich in einem extrem anstrengenden Alltag wieder, in dem sie unter anderem auch mit der nicht-digitalisierten Bürokratie in Deutschland herumschlagen musste. „Ich war in diesem Hamsterrad 3,5 Jahre lang gefangen und um dem Burnout zu entgehen, schaute ich, wie der Staat mich unterstützen könnte, dem ich so viele Steuern zahlte.“ Ohne viel Erfolg offenbar.
"Was ist denn das für ein System, wo es sich nicht lohnt zu arbeiten?"
Auch stellte sie fest, dass es sich für sie gelohnt hätte, weniger zu arbeiten, um mehr Unterstützung zu bekommen und mehr Zeit für ihre Kinder zu haben. „Ich dachte mir: Was ist denn das für ein System, wo es sich nicht lohnt zu arbeiten?“ Die Alleinerziehende schlug sich mit Formularen herum und bekam mit, wie schlecht vorbereitet die Schulen auf die Corona-Lockdowns vorbereitet waren. „Deutschland fühlte sich für mich zwischenzeitlich nur noch nach Erschöpfung an. Ein System, das vorgibt, Familien zu schützen, aber sie im Alltag allein lässt. Ein System, das mich mit drei Kindern und einem Vollzeitjob in eine Dauerschleife aus Überlastung, Stress, Formularen und schlechtem Gewissen schickt.“
Die Folge: Nach 3,5 Jahren meldete sie sich arbeitslos und verließ dann im Sommer das Land wieder Richtung Singapur. Ihr Fazit: „Ich brauche verlässliche Strukturen und bezahlbare Unterstützung. In Singapur habe ich beides. Ich kann das System in Deutschland nicht ändern und kann nicht warten, bis sich dort etwas verändert, deshalb meine Entscheidung zum Umzug.“
Immer mehr Menschen wandern aus Deutschland aus
Klar ist: Singapur wird in einer aktuellen Rangliste der „Expat Insider“ auf Platz 32 von 46 Nationen geführt, lag aber auch schon mal in den Top Ten. Deutschland rangiert nur auf Platz 42. Nur Norwegen, Österreich, Tschechien und Kuwait schneiden noch schlechter ab. Zu den beliebtesten Ländern dagegen gehören Indonesien, Kolumbien und Mexiko. Für den „Expat Insider“-Bericht werden regelmäßig tausende Auswanderinnen und Auswanderer - auf Englisch „expats“ - zu ihrem Leben im Ausland befragt. Er zeigt, in welchen Ländern sie sich willkommen fühlen und wo sie sich leicht integrieren können.