Winterwetter kann den Alltag gehörig durcheinanderbringen. Eisregen, Schneefall und Frost machen Straßen und Gehwege zur Rutschbahn. Wer sich vorbereitet und die wichtigsten Regeln kennt, kommt deutlich entspannter durch die kalte Jahreszeit.
Warum Eis und Schnee so gefährlich sind
Gefrierender Regen und niedrige Temperaturen verwandeln Straßen in Eisbahnen. Das Problem: Dünne Eisschichten sehen Sie oft nicht. Glatteis ist mit bloßem Auge kaum zu erkennen und macht jeden Schritt zum Risiko. Für Fußgänger und Autofahrer steigt die Unfallgefahr massiv.
Der sichere Weg zur Arbeit und zur Schule
Planen Sie mehr Zeit ein. Bei Schnee dauert jeder Weg länger. Rechnen Sie mindestens 20 Minuten extra für Eiskratzen, stockenden Verkehr und verspätete Bahnen. Prüfen Sie morgens kurz die Wetter-Apps. Bei amtlichen Unwetterwarnungen sollten Sie Ihre Route überdenken.
Öffentliche Verkehrsmittel sind oft die bessere Wahl. Züge und Busse fahren auch bei winterlichen Bedingungen sicherer als das eigene Auto. Klären Sie mit Ihrem Arbeitgeber, ob Homeoffice möglich ist. Das spart Ihnen im Zweifelsfall den gefährlichen Weg.
Bei extremem Glatteis dürfen Eltern selbst entscheiden, ob der Schulweg zu riskant ist. Sie tragen die Verantwortung für die Sicherheit Ihrer Kinder. Informieren Sie die Schule aber sofort über das Fernbleiben. Viele Schulen haben eigene Regelungen für solche Ausnahmefälle.
Was die Unfallversicherung zahlt
Rutschen Sie auf dem Weg zur Arbeit aus und verletzen sich, greift meist die gesetzliche Unfallversicherung. Das gilt für den direkten Weg zwischen Wohnung und Arbeitsplatz. Die Versicherung übernimmt Behandlungskosten und zahlt gegebenenfalls Verletztengeld.
Achtung: Schäden am Auto sind nicht abgedeckt. Wenn Sie mit dem Wagen auf Glatteis ins Schleudern geraten, zahlt nur Ihre Kaskoversicherung. Und selbst die zahlt nicht immer voll, wenn Sie bei extremem Wetter unterwegs waren.
Ihre Räum- und Streupflicht im Winter
In Deutschland müssen Grundstückseigentümer und oft auch Mieter die Gehwege räumen und streuen. Je nach Mietvertrag kann diese Pflicht auf Sie übertragen sein. Prüfen Sie Ihren Vertrag.
Die wichtigsten Regeln: An Werktagen müssen Gehwege meist ab 7 Uhr morgens geräumt sein. An Sonn- und Feiertagen gilt oft eine spätere Frist, zwischen 8 und 9 Uhr. Streuen Sie mit Sand, Splitt oder Granulat. Streusalz ist für Privatpersonen in fast allen Kommunen verboten. Bei Verstößen drohen Bußgelder.
Räumen Sie nicht ordentlich und stürzt jemand vor Ihrer Tür, wird es teuer. Geschädigte können Schadenersatz fordern. Sie müssen dann nachweisen, dass Sie Ihre Pflicht nicht verletzt haben. Das ist oft schwierig, aber nicht unmöglich. Im Zweifel organisieren Sie einen Räumdienst oder fragen Nachbarn, wenn Sie selbst nicht vor Ort sind.
Wann Sie das Auto besser stehen lassen
Bei starkem Schneefall oder Glatteis ist die klügste Entscheidung oft: Auto in der Garage lassen. Falls Sie trotzdem fahren müssen, beachten Sie diese Punkte:
- Montieren Sie Winterreifen mit Alpine-Symbol. Das ist Pflicht und wird kontrolliert.
- Befreien Sie Ihr Auto komplett von Schnee und Eis. Auch das Dach muss frei sein. Ein kleines Guckloch in der Windschutzscheibe reicht nicht. Das kann ein Bußgeld kosten.
- Fahren Sie langsam und vorausschauend. Halten Sie großen Abstand zum Vordermann.
- Vermeiden Sie abrupte Lenkmanöver und starkes Bremsen. Beides kann auf Eis zum Kontrollverlust führen.
Vorsicht bei Räumfahrzeugen
Räumfahrzeuge haben Sonderrechte im Straßenverkehr. Sie dürfen langsam fahren, mehrspurig unterwegs sein und müssen nicht immer rechts fahren. Überholen Sie diese Fahrzeuge nur mit äußerster Vorsicht. Respektieren Sie ihre Arbeit. Sie sorgen dafür, dass die Straßen wieder befahrbar werden.
Ihre Winter-Checkliste fürs Auto
Legen Sie sich eine Notfall-Box ins Auto. Packen Sie Enteiser-Spray, eine warme Decke, eine Taschenlampe und eine kleine Schaufel ein. Bei einem Stau im Schneegestöber sind Sie dann gewappnet. Prüfen Sie, ob Ihr Wischwasser frostsicher ist. Gefrorene Scheiben können Sie sonst während der Fahrt nicht reinigen.
Was Sie sonst noch beachten sollten
Beobachten Sie die Wetterlage. Achten Sie auf Warnungen von NINA, KATWARN oder dem Deutschen Wetterdienst. Tragen Sie warme Kleidung und rutschfeste Schuhe. Bei extremen Verhältnissen vermeiden Sie unnötige Wege.
Wenn der Verkehr zusammenbricht, informieren Sie Ihren Chef frühzeitig. Rechtlich tragen Sie das Wegerisiko. Kommen Sie zu spät, haben Sie keinen Anspruch auf vollen Lohn. Das klingt hart, ist aber die Rechtslage.
Ein letzter Tipp: Dokumentieren Sie Unfälle auf dem Arbeitsweg genau. Notieren Sie Ort, Zeit und Umstände. Das brauchen Sie für die Meldung bei der Berufsgenossenschaft. So sichern Sie Ihre Ansprüche.
Mit guter Vorbereitung und gesundem Menschenverstand kommen Sie sicher durch den Winter. Nehmen Sie das Wetter ernst, aber geraten Sie nicht in Panik. Die kalte Jahreszeit hat auch ihre schönen Seiten.
Der FOCUS-online-Check: Sicher durch den Winter-Morgen
1. Vor dem Losgehen: Der Zeit-Check
- [ ] Zeitpuffer eingebaut? Rechnen Sie mit mindestens 20 Minuten extra (Eiskratzen, langsamer Verkehr, Bahn-Verspätungen).
- [ ] Wetter-Update: Kurzer Blick in die Warn-App (NINA, KATWARN oder Wetter-Dienst). Besteht eine amtliche Unwetterwarnung?
- [ ] Schule klären: Bei extremem Glatteis entscheiden Sie als Eltern über den Schulweg. Bei Fernbleiben: Schule sofort informieren!
2. Rund ums Haus: Die Räumpflicht-Checkliste
- [ ] Gereinigt & Gestreut? Werktags muss meist ab 7:00 Uhr (Sonn-/Feiertags ab 8:00/9:00 Uhr) geräumt sein.
- [ ] Das richtige Material: Sand, Splitt oder Granulat verwenden. Achtung: Streusalz ist für Privatpersonen in fast allen Kommunen verboten (Bußgeldgefahr!).
- [ ] Haftungs-Check: Ein Sturz vor Ihrer Tür kann teuer werden. Im Zweifel: Nachbarn oder Räumdienst organisieren, wenn Sie nicht da sind.
3. Auf der Straße: Sicher am Ziel
- [ ] Auto-Check: Sind Reifen mit dem Alpine-Symbol montiert? Ist das Wischwasser frostsicher?
- [ ] Sicht-Check: Das Auto muss komplett von Schnee und Eis befreit sein (auch das Dach!). Ein „Guckloch“ in der Windschutzscheibe reicht rechtlich nicht aus.
- [ ] Fahrweise: Sanft bremsen, großer Abstand, keine abrupten Lenkmanöver. Wenn es nicht geht: Auto stehen lassen – die Versicherung zahlt Blechschäden bei Glatteis oft nur teilweise (Vollkasko), aber Ihr Leben ist unersetzlich.
4. Arbeit & Versicherung
- [ ] Chef informiert? Wenn der Verkehr kollabiert, geben Sie frühzeitig Bescheid. Rechtlich tragen Sie das Wegerisiko (kein Lohnanspruch bei Verspätung).
- [ ] Unfall-Schutz: Ein Sturz auf dem direkten Weg zur Arbeit ist ein Wegeunfall. Dokumentieren Sie Ort und Zeit genau für die Berufsgenossenschaft.