Totgeglaubte Petra nach 31 Jahren wieder da: "Darauf hätte ich verzichten können"

Bis vor einigen Jahren nannte sie sich noch Susanne Schneider. Dann, am 11. September 2015, änderte sich ihr Leben schlagartig - zum zweiten Mal in 31 Jahren. Denn Susanne Schneider heißt in Wahrheit Petra Pazsitka. Sie verschwand 1984 aus ihrem Studentenwohnheim in Braunschweig. 

Jahrelang fehlte von der Informatik-Studentin jede Spur. Die Polizei suchte nach ihr, auch bei "Aktenzeichen XY... Ungelöst" war das Verschwinden der jungen Frau Thema. Zwischenzeitlich wurde die heute 66-Jährige sogar für tot erklärt. 

"Auf diesen Tag hätte ich verzichten können" 

Tatsächlich war Pazsitka am Leben. Sie tauchte als "Susanne Schneider" unter. RTL sagte sie in einem Interview im vergangenen Jahr, sie habe sich so unauffällig wie möglich verhalten. "Ich bin nicht zum Arzt gegangen", so die heute 66-Jährige. 

Die Miete habe sie in bar bezahlt, statt mit dem Auto sei sie Straßenbahn gefahren. Ihren Lebensunterhalt finanzierte sie mit Nachhilfe, Putzen und Schwarzarbeit, wie in mehreren Medienberichten zu lesen ist.

Als im September 2015 in Pazsitkas Wohnhaus in Düsseldorf eingebrochen wurde, änderte sich alles. Die Polizei fragte sie nach ihrem Ausweis. Weil die frühere Studentin keine falschen Papiere besaß, räumte sie ihre wahre Identität ein. Ein DNA-Test bestätigte, was Pazsitka der Polizei erzählte. 

"Auf diesen Tag hätte ich verzichten können. Nein, das war kein schöner Tag", erzählt die ehemalige Informatik-Studentin nun in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" (SZ). Auch wenn sich ihre Einstellung inzwischen geändert hat: "Es ist gut so, dass ich gefunden worden bin."

Ein Mann gestand sogar den Mord an Petra Pazsitka

Pazsitkas Geschichte ist deswegen so bemerkenswert, weil es ihr gelang, 31 Jahre lang unterzutauchen. Die Polizei glaubte an ein Verbrechen. Zwischenzeitlich postulierte ein Mann sogar, die ehemalige Studentin umgebracht zu haben.

Der Tischlerlehrling Günther K., der für den Mord an einer 14-Jährigen zu acht Jahren Haft verurteilt wurde, wollte sie getötet haben. Wie es zu der Behauptung kam, ist bis heute unklar. Dass er Pazsitka nicht ermordet haben kann, steht inzwischen fest. 

Warum die 66-Jährige ihrem alten Leben so radikal den Rücken kehrte, kann sie bis heute nicht stichhaltig erklären. "Vielleicht lag es an meiner Krebserkrankung. Ich war 24 und hatte eine Behandlung wegen Gebärmutterhalskrebs hinter mir. Die Erkrankung hat mich aus der Bahn geworfen", sagte sie der "SZ".

"Das wäre vielleicht der einfachere Weg gewesen"

Das Verhältnis zu ihren Angehörigen soll schwierig gewesen sein. "In meiner Familie fühlte ich mich nicht geborgen. Es gab keine Umarmungen, kein 'Du schaffst das'. Ich fühlte mich alleingelassen", so Pazsitka im Gespräch mit dem Blatt.

Sie erzählte auch, dass das Versteckspiel über die Jahre immer schwieriger wurde: "Irgendwann durfte man keine Überweisungen mehr machen, ohne ein Konto zu haben oder seinen Personalausweis zu zeigen." Ihr Untertauchen scheint Pazsitka inzwischen kritisch zu sehen.

Im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" berichtet sie von einer Situation bei ihrem Psychiater, die darauf hindeutet. Er fragte sie eigenen Angaben zufolge, warum sie ihrer Familie nicht einfach erklärte, dass sie nichts mehr mit ihren Angehörigen zu tun haben wolle. Pazsitka: "Ja, vielleicht wäre das der einfachere Weg gewesen."