Da die Menschen immer länger leben, steigt die Zahl der Menschen mit Demenz weiter an. Doch können wir uns dafür schützen? Die Kommission Demenz des Fachblatts Lancet hat vor einiger Zeit etliche Risikofaktoren zusammengestellt, die es lohnt, sehr frühzeitig zu vermeiden. In ihrem aktuellen Bericht kommen zwei weitere Risikofaktoren dazu: zum einen Sehverlust, der nicht ausgeglichen wird, etwa starke Kurzsichtigkeit ohne Brille oder ein unbehandelter grauer Star, und zum anderen ein hoher LDL-Cholesterinspiegel, der nicht therapiert wird.
Nina Ruge, Biologin und TV-Expertin, blickt auf über 30 Jahre Medienkarriere zurück. Sie ist Bestsellerautorin und Podcasterin im Bereich Zellbiologie des Alterns, engagiert sich für "Healthy Longevity". Sie ist Teil unseres EXPERTS Circle. Die Inhalte stellen ihre persönliche Auffassung auf Basis ihrer individuellen Expertise dar.
Zwei zusätzliche Faktoren im Fokus
Die neu aufgeführten Risikofaktoren unterstreichen die Bedeutung einer umfassenden Vorsorge. Ein nicht ausgeglichener Sehverlust kann dazu führen, dass wichtige Alltagskompetenzen eingeschränkt werden. Ebenso riskant ist ein überhöhter LDL-Cholesterinspiegel, wenn er unkontrolliert bleibt. Beide Faktoren gelten als vermeidbar, sofern sie rechtzeitig erkannt und behandelt werden.
45 Prozent der Demenzfälle vermeidbar
Die Kommission schätzt, dass 45 Prozent der Demenzfälle verhindert werden könnten, wenn alle 14 Risikofaktoren eliminiert würden. Neben Sehverlust und LDL-Cholesterin gehören dazu bereits anerkannte Risiken wie Bluthochdruck, Diabetes, Rauchen, Bewegungsmangel und soziale Isolation – sowie noch weitere. Wer diese Faktoren frühzeitig in den Griff bekommt, kann das eigene Risiko spürbar senken.
Demenzrate sinkt in mehreren Ländern
Ein gesunder Lebensstil scheint bereits Wirkung zu zeigen: Die Demenzrate nimmt in vielen Ländern, auch in Deutschland, seit Jahren ab. Gleichzeitig ist jedoch zu bedenken, dass die Lebenserwartung bis vor Kurzem stetig anstieg. Dadurch erhöhte sich die Gesamtzahl der Menschen mit Demenz dennoch leicht, weil mehr Menschen ein Alter erreichen, in dem Demenz häufiger auftritt.
Lebenserwartung im Jahr 2023 gesunken
Laut OECD liegt die durchschnittliche Lebenserwartung in Deutschland 2023 unter dem europäischen Mittelwert, konkret bei 81,2 Jahren. Damit ist Deutschland 2,6 bis 3 Jahre hinter Spanien, Italien und der Schweiz zurückgefallen. Dies geschieht trotz eines Gesundheitssystems, das in Europa zu den teuersten zählt. Die Entwicklung zeigt, dass hohe Ausgaben allein nicht automatisch zu steigender Lebenserwartung führen.
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Bildquelle: Nina Ruge
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