Lieber früh starten: Wie der richtige Start der Hormontherapie Leben retten kann

Hitzewallungen, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen – Millionen Frauen erleben in den Wechseljahren, wie ihr Körper auf den sinkenden Hormonspiegel reagiert. Viele fragen sich: Soll ich Hormone nehmen – und wenn ja, wann ist der richtige Zeitpunkt?

Eine neue Studie der Menopause Society gibt darauf eine überraschende Antwort: Der Zeitpunkt der Östrogentherapie könnte entscheidender sein als bisher gedacht – und darüber mitbestimmen, ob die Behandlung schützt oder schadet.

Dr. Katharina Merker, Fachärztin für Chirurgie, vereint in ihrer Privatpraxis in Aschaffenburg medizinisches Know-how mit ästhetischem Feingefühl für natürliche und individuell stimmige Ergebnisse. Sie ist Teil unseres Experts Circle. Die Inhalte stellen ihre persönliche Auffassung auf Basis ihrer individuellen Expertise dar.

Der natürliche Übergang – was passiert in der Menopause?

Die Menopause ist keine Krankheit, sondern ein natürlicher biologischer Prozess. Sie markiert das Ende der fruchtbaren Lebensphase einer Frau und wird definiert, wenn über zwölf Monate hinweg keine Regelblutung mehr auftritt. Ursache ist das Nachlassen der Eierstockfunktion: Die Zahl der Eizellen nimmt ab, die Produktion der Geschlechtshormone – vor allem Östrogen und Progesteron – sinkt deutlich.

Hormone im Gleichgewicht – und was passiert, wenn es verloren geht

Östrogen, das wichtigste weibliche Geschlechtshormon, steuert nicht nur den Zyklus, sondern schützt auch Herz, Knochen, Gehirn und Haut. Es beeinflusst Stimmung, Energie, Gedächtnis und Temperaturregulation.

Progesteron wirkt vor allem nach dem Eisprung, bereitet die Gebärmutter auf eine mögliche Schwangerschaft vor und sorgt für hormonelle Balance.

Sinken diese Hormone, gerät der Körper aus dem Gleichgewicht – mit weitreichenden Folgen.

Wenn der Körper rebelliert – typische Symptome

Der Übergang zur Menopause (Perimenopause) kann sich über mehrere Jahre erstrecken. In dieser Phase treten häufig Beschwerden auf:

  1. Hitzewallungen und Nachtschweiß
  2. Schlafstörungen
  3. Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit oder depressive Verstimmungen
  4. Konzentrationsprobleme („Brain Fog“)
  5. Vaginale Trockenheit und Libidoverlust
  6. Zunahme von Bauchfett, Knochendichteverlust und Herz-Kreislauf-Veränderungen

Wie stark die Symptome ausgeprägt sind, variiert individuell – manche Frauen spüren kaum Veränderungen, andere leiden über Jahre hinweg unter massiven Beschwerden.

Neue Erkenntnisse: Der Zeitpunkt der Östrogentherapie macht den Unterschied

Eine neue groß angelegte Analyse der Menopause Society „When Women Initiate Estrogen Therapy Matters“ hat Gesundheitsdaten von über 120 Millionen Frauen ausgewertet. Ziel war zu klären, ob der Zeitpunkt des Therapiebeginns – also während der Perimenopause oder erst nach der Menopausedas Risiko für schwere Erkrankungen beeinflusst.

Früh starten – besser geschützt

Das Ergebnis ist eindeutig: Frauen, die frühzeitig, also bereits in der Perimenopause, eine Östrogentherapie begannen, hatten im Vergleich zu jenen, die später starteten oder gar keine Therapie erhielten, deutlich geringere Risiken für schwere Erkrankungen.

Laut der Studie war bei diesen Frauen das Risiko für

  1. Herzinfarkt,
  2. Schlaganfall und
  3. Brustkrebs

um bis zu 60 Prozent niedriger.

Frauen, die erst nach der Menopause mit der Hormontherapie begannen, zeigten zwar weiterhin ein geringeres Risiko für Herzinfarkt und Brustkrebs, allerdings auch ein leicht erhöhtes Schlaganfallrisiko von rund 4,9 Prozent.

Zeitfenster entscheidet über Nutzen

Die Forschenden schließen daraus: Der Zeitpunkt der Therapieeinleitung ist entscheidend. Wird Östrogen bereits um den Zeitpunkt der letzten Regelblutung oder kurz davor eingesetzt, könnten die positiven Effekte auf Herz- und Gefäßgesundheit stärker sein, während späte Therapieeintritte weniger Nutzen bringen – und etwas mehr Risiken.

Fazit: Eine neue Perspektive auf ein altes Thema

Die Menopause betrifft jede Frau – doch wie sie erlebt wird, hängt stark von biologischen, psychischen und sozialen Faktoren ab.

Die neue Studie zeigt: Nicht nur ob, sondern wann eine Östrogentherapie begonnen wird, kann einen Unterschied machen.

Für Frauen, die unter starken Beschwerden leiden, könnte das neue Hoffnung bedeuten – vorausgesetzt, die Entscheidung wird gemeinsam mit einer erfahrenen Ärztin oder einem Arzt und nach sorgfältiger Abwägung getroffen.