"Einsteigerdroge": "Monitor"- Doku deckt Nähe von Hardcore-Christen zur AfD auf

Weihnachten ist bekanntlich das Fest der Liebe. Weihnachten ist natürlich auch das große christliche Fest. Wie wenig Liebe und Christentum miteinander zu tun haben müssen, zeigt das öffentlich-rechtliche Fernsehen mit seinem "Monitor"-Beitrag: "Radikale Christen in Deutschland: Kreuzzug von rechts". Das Wort "Kreuzzug" ist ziemlich hoch gegriffen. Immerhin sollen in der Zeit der echten Kreuzzüge vom 11. bis zum 13. Jahrhundert bis zu 22 Millionen Menschen gestorben sein. Wie gefährlich – oder gar: wie tödlich! - wird der aktuelle "Kreuzzug“?

Gloria von Thurn und Taxis beim alten Kreuzritter

Gleich zu Beginn klingt die ARD-Dokumentation nach Drohung. "Gott lässt sich nicht spotten", tönt es in Berlin Besuchern des Musicals "Jesus Christ Superstar" entgegen. Immerhin beten die Schreihälse "zur Wiedergutmachung für diese schreckliche Sünde" zeitgleich einen Rosenkranz. Zunächst klingt das nach Menschen, die ihre private Überzeugung öffentlich machen. Doch gibt die ARD dieser Aktion in der Hauptstadt auch eine politische Dimension.

Dafür reist das TV-Team nach Rom. Vor der Papstwahl trifft sich eine Geldelite in einem römischen Palazzo. Hier wird Geld gesammelt von einer US-Organisation, die sich nach Ludwig IX. benennt, der zwei Kreuzzüge gegen Muslime angeführt hat. Unter den Vertretern rechter Parteien aus Italien, Spanien, Kroatien findet sich auch Gloria von Thurn und Taxis. Und ein Deutscher, der später auch an der Seite des US-Präsidenten Donald Trump zu sehen sein wird.

Trump ruft: „Wo sind meine deutschen Freunde?“

"Gott hat mich gerettet, um Amerika wieder groß zu machen", hören wir nach dem Amtseid vom US-Präsidenten. In den Vereinigten Staaten ist Sendungsbewusstsein also schon politisches Prinzip geworden. In einer Feier zur Einführung Donald Trumps findet das "Monitor"-Team Beat Zirpel, den Mann aus Rom. "Er arbeitet nach unseren Informationen mit seiner Produktionsfirma für AfD-Abgeordnete", heißt es anklagend. Zusammen mit dem YouTube-"KetzerDerNeuzeit" ,Leonard Jäger, trifft Zirpel sich in Washington mit Beatrix von Storch, Trump-Berater Steve Bannon – bis hin zu einer Audienz bei Donald Trump. "Wo sind meine deutschen Freunde?", ruft der ihnen entgegen.

TV-Kolumne
"AfD-Medien" interviewen AfD-Vorsitzende: "Wir erziehen christlich", sagt Alice Weidel über sich und ihre Frau ARD

Christliche Influencer als "Einsteigerdroge"

Zurück nach Deutschland: Kundgebung gegen Schwangerschaftsabbrüche in Köln, September. Unter den Demonstranten findet das TV-Team auch den "Verein für Tradition, Familie und Privateigentum". Der Verein will Europa vor dem Zerfall retten, hören wir. "Niemand scheint sich daran zu stören: Abtreibungsgegner und extrem Rechte – Seite an Seite!", klagt ARD-"Monitor" an. Und die Dokumentation zeigt die Influencer Beat Zirpel und Leonard Jäger Seite an Seite im Gespräch: "Wir werden auch noch in ein, zwei, drei, vier, fünf Jahren Menschen in unser Lager holen", sagt Jäger, "weil die Menschen merken, wie bekloppt das alles hier läuft." Die beiden nennen sich die "Einsteigerdroge", klopfen sich auf die Schulter und lachen dazu.

Weidel und ihre Frau: „Wir erziehen unsere Kinder christlich!“

Kurz danach sehen wir Zirpel und Leonard beim AfD-Parteitag, wo sie einen Ausweis "AfD-Medien" tragen. "Meine Lebensgefährtin ist Christin", sagt AfD-Vorsitzende Weidel in Jägers Mikrofon, "unsere Kinder werden auch christlich erzogen – wir können uns gerne öfters unterhalten." Und er antwortet artig: "Ich drücke die Daumen, dass das etwas wird mit der Wahl!" 

Die ARD berichtet von einer internen Strategiesitzung der AfD, bei der die Partei großes Potenzial bei Christen ausfindig gemacht haben soll: 20 Prozent Zustimmung bei Protestanten, 18 Prozent bei Katholiken. „Bei diesen Wählern war die AfD schon bei der Bundestagswahl schon zweitstärkste Partei.“

„Wir ersetzen uns durch Menschen, die ihre Kinder nicht töten“

"Wir sind nicht nur berechtigt, wir sind verpflichtet zu verhindern, dass es in unserem Land eine muslimische Mehrheit gibt", sehen und hören wir von Beatrix von Storch, der stellvertretenden AfD-Fraktionsvorsitzenden im Bundestag. Sie hoffe, dass die christliche Bewegung aus den USA "rüberschwappt". Auf demselben Podium sitzt ein Pastor und Abtreibungsgegner, der den Satz mitbringt: "Wir schaffen uns selbst ab – und werden ersetzt durch Menschen aus Kulturen, die ihre Kinder nicht töten, sondern sich vermehren."