Rund 15 Millionen Menschen in Deutschland besitzen eine Riester-Rente – doch viele von ihnen wissen nicht, ob ihr Vertrag überhaupt sinnvoll ist. Häufig sind die Kosten zu hoch, die Rendite zu gering oder die Vertragskonditionen unvorteilhaft.
Die gute Nachricht: Ein Anbieterwechsel ist in der Regel problemlos möglich – ohne den Verlust staatlicher Zulagen. Wann sich dieser Schritt lohnt, worauf Sie achten sollten und wie der Wechsel reibungslos funktioniert, erklärt Versicherungsexperte Bastian Kunkel.
Was ist die Riester-Rente überhaupt?
Die Riester-Rente ist eine staatlich geförderte private Altersvorsorge, die 2002 eingeführt wurde. Ziel war es, sinkende Leistungen der gesetzlichen Rente auszugleichen. Wer regelmäßig in einen zertifizierten Vertrag einzahlt, erhält Zulagen vom Staat und profitiert von steuerlichen Vorteilen.
Es gibt verschiedene Formen der Riester-Rente:
- Klassische oder fondsgebundene Versicherungsprodukte
- Riester-Banksparpläne
- Wohn-Riester zur Förderung von Wohneigentum
Vorteile der Riester-Rente im Überblick
- Staatliche Förderung: Jährlich bis zu 175 Euro Grundzulage, dazu Kinderzulagen von 185 beziehungsweise 300 Euro – je nach Geburtsjahr des Kindes.
- Steuerersparnis: Bis zu 2100 Euro jährlich können als Sonderausgaben abgesetzt werden.
- Beitragsgarantie: Zum Rentenbeginn gibt es mindestens die eingezahlten Beiträge plus Zulagen zurück.
- Breite Förderfähigkeit: Auch Ehepartner ohne eigenes Einkommen, Beamte oder Minijobber können riestern.
Die Kehrseite: Diese Nachteile haben viele Riester-Verträge
- Hohe Kosten: Insbesondere ältere Verträge belasten mit hohen Verwaltungs- und Abschlussgebühren die Rendite.
- Komplexe Regelungen: Fehler bei der Beitragszahlung oder Fördervoraussetzungen führen schnell zum Verlust der Zulagen.
- Geringe Renditen: Klassische Produkte mit Garantiezins bieten oft kaum Wachstumsmöglichkeiten.
- Intransparente Verträge: Klauseln wie der nicht garantierte Rentenfaktor oder die sogenannte Treuhänderklausel können zum Nachteil der Versicherten wirken.
Wenn einer oder mehrere dieser Punkte auf Ihren Vertrag zutreffen, kann ein Wechsel zu einem moderneren Anbieter eine deutliche Verbesserung bringen.
Ist ein Wechsel der Riester-Rente problemlos möglich?
In den meisten Fällen ja. Das angesparte Kapital und die staatlichen Zulagen können prämienunschädlich auf einen neuen Anbieter übertragen werden. Die Förderung bleibt also vollständig erhalten.
Dennoch sollten Sie zwei wichtige Punkte beachten:
- Wechselgebühren: Der bisherige Anbieter darf eine Gebühr verlangen, meist zwischen 50 und 150 Euro.
- Neue Abschlusskosten: Beim neuen Vertrag fallen oft erneut Abschlusskosten an. Diese relativieren sich jedoch, wenn das neue Produkt deutlich bessere Konditionen bietet.
Gründe, warum sich ein Riester-Wechsel lohnen kann
1. Zu hohe Kosten
Verträge mit hohen laufenden Kosten – etwa 2 Prozent jährlich – in Verbindung mit niedrigem Garantiezins bieten kaum reale Rendite, besonders nach Abzug der Inflation. Ein Wechsel zu einem kostengünstigen Anbieter schafft Abhilfe.
2. Zu geringe Rendite
Viele Riester-Verträge setzen auf „sichere“ Anlagen und verzichten auf ertragreiche Märkte wie Aktien oder ETFs. Moderne Riester-Produkte, insbesondere ETF-basierte Varianten, ermöglichen langfristig bessere Renditechancen.
3. Nicht garantierter Rentenfaktor
Der Rentenfaktor bestimmt die Höhe der monatlichen Rente. Ist dieser nicht garantiert, kann er vom Anbieter später gesenkt werden. Ein Anbieterwechsel zu einem Produkt mit garantiertem Rentenfaktor schafft hier Sicherheit.
4. Treuhänderklausel
Verträge mit versteckter Treuhänderklausel erlauben es Versicherern, vermeintlich garantierte Leistungen nachträglich anzupassen. Solche Regelungen sind oft schwer erkennbar und sollten vermieden werden.
So funktioniert der Anbieterwechsel Schritt für Schritt
- Vertrag analysieren lassen: Eine professionelle Prüfung zeigt, ob Ihr aktueller Vertrag Schwächen hat.
- Neuen Anbieter auswählen: Achten Sie auf niedrige Kosten, transparente Bedingungen und gute Renditechancen.
- Neuen Vertrag abschließen: Geben Sie beim Antrag an, dass es sich um einen Wechsel handelt.
- Kapitalübertragung: Der neue Anbieter übernimmt meist die Kommunikation mit dem bisherigen Anbieter.
- Kündigung des Altvertrags: Falls nötig, wird der alte Vertrag separat gekündigt – idealerweise vom neuen Anbieter.
Wechsel, Beitragsfreistellung oder Kündigung?
- Wechsel: Besonders empfehlenswert, wenn Sie noch mindestens 15 Jahre bis zur Rente haben und vom neuen Vertrag langfristig profitieren können.
- Beitragsfreistellung: Sinnvoll, wenn Sie keine weiteren Beiträge leisten möchten, aber die Förderung erhalten bleiben soll.
- Kündigung: In den meisten Fällen die schlechteste Option – alle staatlichen Zulagen und Steuervorteile müssen zurückgezahlt werden.
Fazit: Ein Wechsel kann Ihre Riester-Rente deutlich verbessern
Die Riester-Rente steht oft in der Kritik – dabei liegt das Problem meist nicht im Produkt selbst, sondern in der konkreten Ausgestaltung einzelner Verträge. Wer einen veralteten oder ungünstigen Vertrag besitzt, sollte nicht zögern, einen Wechsel zu prüfen.
Ein Anbieterwechsel kann zu besseren Konditionen, höherer Rendite und mehr Transparenz führen – und damit Ihre Altersvorsorge nachhaltig stärken. Eine professionelle Prüfung Ihres Vertrags hilft Ihnen, die richtige Entscheidung zu treffen – für mehr Sicherheit und Rentabilität im Alter.
Bastian Kunkel, Gründer von „Versicherungen mit Kopf“, ist ein führender Experte in der Versicherungsbranche mit über 850.000 Followern auf Social Media. Seine VMK Versicherungsmakler GmbH zählt zu den besten Maklern Deutschlands. Er ist Teil unseres EXPERTS Circle. Die Inhalte stellen seine persönliche Auffassung auf Basis seiner individuellen Expertise dar.