Glitzernde Auftritte, volle Hallen, ein Leben auf der Bühne: Viele Menschen verbinden die Stars der Schlager- und Unterhaltungsszene automatisch mit finanzieller Sicherheit. Doch immer wieder beklagen die Schlagerstars in Interviews kleine Renten. Woran liegt das?
Erfolgreich – und dennoch nur eine Mini-Rente
G.G. Anderson, mit bürgerlichem Namen Gerd Günther Grabowski, zählt zu den bekanntesten Komponisten und Sängern der deutschen Schlagerszene. Zu seinen bekanntesten Titeln gehören Mama Lorraine und Sommernacht in Rom. Zudem schrieb er über 1000 Songs für Stars wie Roland Kaiser, Boney M. oder Karel Gott.
Trotz dieser erfolgreichen Karriere fällt seine gesetzliche Rente gering aus. Im Gespräch mit „Schlager.de“ erklärte er:
„Ich bekomme eigentlich 36 Euro Rente.“ Erst nach einer freiwillligen Nachzahlung habe sich der Betrag erhöht: „Ich musste aber dann 650 Euro einbezahlen, um jetzt 43 Euro zu bekommen."
Das Vermögen von G.G. Anderson wird allerdings auf rund 1,2 Millionen Euro geschätzt.
Jahrzehnte im Rampenlicht – aber nur 750 Euro Rente
Dagmar Frederic, geborene Dagmar Elke Schulz, steht mit 80 Jahren noch auf der Bühne. Sie ist eines der prägenden Gesichter der ostdeutschen Unterhaltungsszene, feierte große Bühnenerfolge. Bekannt wurde sie unter anderem durch ihr Lied Du hast gelacht, das Eiskunstläuferin Gaby Seyfert 1969 bei der WM in den USA zu Gold begleitete. 1971 spielte Frederic zudem in Halle (Saale) die Hauptrolle im Musical Andrea.
Bereits 2017 erklärte sie gegenüber der „Bild“: „Meine Rente beträgt monatlich nur 750 Euro. Davon allein kann ich nicht leben.“
Freiwillige Beiträge sichern Rente
Uschi Bauer, geborene Renate Slovik, gilt als „die schnellste Jodlerin der Welt“. Einer ihrer größten Erfolge war 1988 Die kleine Bergkirche (Ave Maria). Ihre Rentensituation beschreibt sie so: „Meine Rente von der Deutschen Rentenversicherung beträgt 1300,57 Euro. Davon gehen ca. 620 Euro ab für die private Krankenkasse.”
Dass Uschi Bauer überhaupt eine Rente in dieser Höhe erhält, verdankt sie ihrer langfristigen Vorsorge, in Form von freiwilligen Einzahlungen:
„Ich habe, seit es die KSK (Künstlersozialkasse, Anm. d. Red.) gibt, jahrzehntelang in diese freiwillig eingezahlt. Auch in die Pensionskasse für freie Mitarbeiter bei Funk und Fernsehen habe ich jahrzehntelang eingezahlt und freue mich jeden Monat über meine Rente.”
Warum viele Künstler im Alter mit Mini-Renten dastehen
Die niedrigen Renten vieler Unterhaltungskünstler sind kein Zufall, sondern haben historische und strukturelle Gründe. Bis Anfang der 1980er Jahre konnten selbstständige Künstler völlig frei entscheiden, ob sie in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Viele verzichteten aus Kostengründen oder, weil ihre Engagements projektbezogen und kurzfristig waren. Wer in dieser Zeit wenig oder gar nicht einzahlt, sammelt kaum oder keine Rentenpunkte – und bekommt damit später auch keine gesetzliche Rente.
Mit dem Künstlersozialversicherungsgesetz (KSVG) von 1983 kam der große Umbruch: Seitdem sind freischaffende Künstler versicherungspflichtig und in der Regel über die Künstlersozialkasse (KSK) abgesichert. Diese übernimmt – ähnlich wie ein Arbeitgeber – die Hälfte der Beiträge zur Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung.
Doch das System hat einen entscheidenden Haken: Die Rentenhöhe hängt auch hier direkt vom Einkommen ab. Gerade in der Musik- und Entertainmentbranche arbeiten viele auf selbstständiger oder Honorarbasis, mit schwankenden Einkünften und häufigen Pausen zwischen den Projekten.
Konkret bedeutet das:
- Viele Jahre ohne Pflichtbeiträge – vor 1983 zahlten viele Künstler entweder gar nicht, nur sporadisch oder in zu niedriger Höhe ein.
- Sehr geringe oder unregelmäßige Einkommen – schwankende und projektbezogene Gagen führen über Jahrzehnte hinweg nur zu wenigen Rentenpunkten.
Dazu kommt, dass Selbstständige im Alter niemanden haben, mit dem sie sich die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung teilen können. Während für normale Rentner die Rentenversicherung die Hälfte der Beiträge übernimmt, müssen Selbstständige den vollen Beitrag selbst bezahlen. Und das können gerade in der privaten Krankenversicherung schnell über tausend Euro sein.
Für viele Künstler, selbst für bekannte Namen, wird eine stabile Altersvorsorge dadurch zu einer echten Herausforderung. Wer auf der Bühne steht, muss noch stärker privat vorsorgen als normale Arbeitnehmer, um später finanziell abgesichert zu sein.