Die Sorge vor Altersarmut wächst – und das Vertrauen in die gesetzliche Rente sinkt. Viele Deutsche haben deshalb eine private Rentenversicherung abgeschlossen, um im Alter finanziell unabhängig zu bleiben. Doch nicht jeder Vertrag überzeugt: Niedrige Zinsen, hohe Kosten und unflexible Bedingungen mindern oft die Rendite.
Die entscheidende Frage lautet: Wann lohnt sich ein Wechsel Ihrer privaten Rentenversicherung – und wann schadet er mehr, als er nützt?
Wann sich ein Wechsel der privaten Rentenversicherung lohnen kann
Ein Vertragswechsel kann Vorteile bringen – vor allem, wenn Ihr aktueller Vertrag veraltete oder ungünstige Konditionen hat. Besonders Policen aus den 2000er-Jahren sollten regelmäßig überprüft werden.
1. Zu niedriger Garantiezins
Der Garantiezins liegt seit 2025 bei nur noch 1 Prozent. Neuere Verträge mit diesem Zinssatz bieten kaum Rendite – zumal die Inflation häufig doppelt so hoch ist.
Altverträge mit 4 Prozent Garantiezins dagegen sind Gold wert und sollten in der Regel behalten werden. Diese Konditionen sind heute kaum mehr zu finden.
2. Schwacher oder unsicherer Rentenfaktor
Der Rentenfaktor bestimmt, wie hoch Ihre spätere Monatsrente ausfällt. Ein hoher und garantierter Rentenfaktor ist ein Qualitätsmerkmal.
Achtung: Manche Versicherer garantieren nur einen Teil oder können ihn über eine Treuhänderklausel nachträglich senken. In solchen Fällen kann ein Wechsel zu einem Anbieter mit stabilem, garantiertem Rentenfaktor sinnvoll sein.
3. Hohe laufende Kosten
Viele ältere Policen sind teuer. Abschlussprovisionen, Verwaltungsgebühren und Fonds-Kosten schmälern die Rendite erheblich.
Neue, moderne Tarife kommen oft mit Effektivkosten unter 1 Prozent aus – das kann über Jahrzehnte einen massiven Unterschied machen.
4. Schwache Fonds-Performance
Bei fondsgebundenen Policen entscheidet die Anlagequalität über den Ertrag. Eine breit gestreute ETF-Strategie (zum Beispiel auf den MSCI World) ist meist rentabler als enge oder aktiv gemanagte Fonds.
Fehlt diese Streuung, verschenken Sie langfristig Renditechancen – ein Wechsel kann hier lohnend sein.
5. Kein Ablaufmanagement
Ein gutes Ablaufmanagement schützt Ihr Kapital vor Kursverlusten kurz vor Rentenbeginn, indem es automatisch in sichere Anlagen umschichtet. Fehlt diese Funktion, kann ein neuer Vertrag Ihre Altersvorsorge robuster machen.
Wann Sie lieber beim bestehenden Vertrag bleiben sollten
Nicht jeder Wechsel ist klug. Vor allem, wenn Sie kurz vor dem Renteneintritt stehen, rechnen sich neue Abschlusskosten kaum noch.
Auch Altverträge mit hohen Garantiezinsen oder steuerlichen Vorteilen sollten unbedingt behalten werden. Besonders Policen, die vor 2005 abgeschlossen wurden, sind in der Auszahlungsphase oft steuerfrei – ein enormer Vorteil, den kein Neuvertrag ersetzen kann.
Alternativen zum Wechsel: Bestehende Verträge clever optimieren
Ein kompletter Wechsel ist nicht immer nötig. Oft lässt sich Ihre Altersvorsorge auch ohne Vertragsauflösung verbessern.
1. Beitragsfreistellung
Sie können Ihre Police beitragsfrei stellen. Das bedeutet: keine neuen Einzahlungen, aber Erhalt des bisherigen Guthabens. Ihre spätere Rente fällt zwar niedriger aus, doch Sie vermeiden Verluste durch Kündigung.
2. Vertrag pausieren (ruhend stellen)
Bei vorübergehenden Engpässen können Sie Zahlungen aussetzen und später fortsetzen. So bleibt der Zinseszinseffekt erhalten, ohne dass Sie kündigen müssen.
3. Bestehenden Vertrag ergänzen
Statt zu kündigen, können Sie Ihre Altersvorsorge mit einer zusätzlichen modernen Police aufstocken – etwa einer fondsgebundenen Rentenversicherung mit ETF-Beteiligung.
Das ist besonders sinnvoll, wenn Ihr Altvertrag steuerlich begünstigt, aber renditeschwach ist.
Kündigung: Nur als letzter Schritt
Eine Kündigung sollte wirklich der letzte Ausweg sein. Wer kündigt, bekommt nur den Rückkaufswert – meist deutlich weniger als die eingezahlten Beiträge. In den ersten Jahren fließen viele Zahlungen in Provisionen und Verwaltungskosten.
Zudem gilt: Bei fondsgebundenen Verträgen sind auf Gewinne 25 Prozent Abgeltungssteuer fällig. Dadurch geht ein erheblicher Teil der Rendite verloren.
So gehen Sie bei einem Wechsel richtig vor
Ein Wechsel sollte gut geplant und professionell begleitet sein:
- Vertrag prüfen lassen: Lassen Sie Ihre Police von einem unabhängigen Experten oder Makler analysieren.
- Konditionen vergleichen: Nur wenn der neue Vertrag nachweislich bessere Bedingungen bietet (Rentenfaktor, Kosten, Fondsrendite), ist ein Wechsel sinnvoll.
- Neue Police zuerst abschließen: Kündigen Sie den alten Vertrag erst, wenn die neue Police aktiv ist – so vermeiden Sie Versicherungslücken.
- Kosten berücksichtigen: Neue Verträge haben immer Abschlussgebühren. Diese müssen durch langfristig bessere Erträge wieder ausgeglichen werden.
Fazit: Wechsel ja – aber mit klarer Strategie
Ob sich ein Wechsel Ihrer privaten Rentenversicherung lohnt, hängt von mehreren Faktoren ab: Garantiezins, Rentenfaktor, Kostenstruktur und Restlaufzeit.
In vielen Fällen ist eine Anpassung sinnvoll, wenn der Vertrag keine der folgenden „7 Must-Haves“ erfüllt:
- Hoher, garantierter Rentenfaktor ohne Treuhänderklausel
- Besserstellungsklausel bei positiver Entwicklung
- Finanzstarker Versicherer
- Niedrige Kosten
- Breite Fondsstreuung
- Attraktive Verzinsung
- Automatisches Ablaufmanagement
Fehlt eines dieser Merkmale, kann ein Wechsel oder eine Ergänzung Ihrer Vorsorge langfristig bares Geld wert sein.
Doch überstürztes Handeln ist gefährlich – lassen Sie sich beraten, prüfen Sie Alternativen und entscheiden Sie strategisch, nicht emotional.
Denn: Ihre Rente verdient Planung, nicht Zufall.
Bastian Kunkel, Gründer von „Versicherungen mit Kopf“, ist ein führender Experte in der Versicherungsbranche mit über 850.000 Followern auf Social Media. Seine VMK Versicherungsmakler GmbH zählt zu den besten Maklern Deutschlands. Er ist Teil unseres EXPERTS Circle. Die Inhalte stellen seine persönliche Auffassung auf Basis seiner individuellen Expertise dar.