Landkreis Landsberg: Kein Geld für Jugendsuchtberatung?

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Die Mediensucht bei jugendlichen nimmt zu, immer mehr Jugendliche vapen. Ein Antrag der SPD und der FW im Landkreis Landsberg auf eine Jugendsuchtberatung hat aber wenig Erfolg. © dpa/Hauke-Christian Dittrich

Jugendliche, die am Handy hängen: Jeder vierte der zehn- bis 17-Jährigen weist in Bezug auf digitale Medien ein riskantes oder krankhaftes Verhalten auf, zeigt eine Studie von 2024 des Uniklinikums Eppendorf mit der DAK. Auch dem Vapen sind Jugendliche immer mehr zugetan. Die Kreistagsfraktion der Freien Wähler und der SPD beantragten deshalb, dass der Landkreis mit Hilfe des Vereins Condrobs eine neue Stelle „Jugendsuchtberatung“ schafft.

Landkreis Landsberg - Laut Antrag der SPD-Kreistagsfraktion berichteten Schulen, Jugendhilfeeinrichtungen und Fachkräfte vor Ort „zunehmend von problematischen Konsumverhalten, insbesondere in Zusammenhang mit Alkohol, Medien“ oder auch Cannabidoiden, Kokain, Amphetaminen oder opioidhaltige Stoffen. Die Polizei bestätige diese Berichte. Suchtberatung im Landkreis sei bisher aber nur auf Erwachsene ausgerichtet. Deshalb soll vom Landkreis eine Vollzeitstelle für Jugendsuchtberatung in Zusammenarbeit mit Condrobs finanziert werden. Dafür würden laut Antrag der Freien Wähler pro Jahr rund 85.000 Euro anfallen.

SPD und FW beantragen Jugendsuchtberatungsstelle im Landkreis Landsberg - fehlende Zahlen

Im vergangenen Jugendhilfeausschuss kritisierte Jugendamtsleiter Peter Rasch den Antrag vehement. „Ich lese viel von Gefühlen, mir fehlen aber Zahlen, Statistiken.“ So sei Cannabiskonsum rückläufig: Laut Erziehungsberatungsstelle des Jugendamtes hätten sich die Fallzahlen im letzten Jahr halbiert. Seitens der Koordinationsstelle Kinder- und Jugendschutz gebe es keine Meldungen über eine steigende Problematik, die sehe man auch nicht bei den Polizeimeldungen.

Zudem bestehe die Gefahr, Parallelstrukturen zu schaffen: Es gebe es im Landkreis zwar keine explizite Beratungsstelle für Suchtproblematik bei Jugendlichen – aber ausreichend Anlaufstellen für Jugendliche und deren Erziehungsberechtigte: „Wir haben JaS-Kräfte (Jugendsozialhilfe an Schulen, Anm. d. Red.) an fast jeder Schule, auch in der Koordinationsstelle Kinder- und Jugendschutz gibt es Beratungen.“ Die Schülerinnen und Schüler hätten Vertrauen zu ‚ihrer‘ JaS-Kraft vor Ort, die dafür auch qualifiziert sei. Denn „Beratung heißt Vermittlung, nicht Therapie.“ In die JaS-Kräfte investiere der Landkreis bereits Millionen. Eine entsprechende Beratung könne „eine zentrale Beratungsstelle gar nicht leisten“.

Zudem biete die Beratungsstelle des SOS-Kinderdorfes Möglichkeiten. Auch zur Prävention gebe es „ein umfassendes Angebot“ im Jugendamt. Und vom Gesundheitsamt aus gebe es das Präventions-Projekt MobiDIG. In „Anbetracht der finanziellen Situation ist das ein Antrag mit viel Emotionen, aber ohne Fakten“, schloss Rasch.

Dem finanziellen Argument schloss sich Landrat Thomas Eichinger (CSU) an. Die Kommunen seien komplett überlastet, auch aufgrund eines „überbordenden“ Sozialstaates. Finanziell gelte jetzt in allen Bereichen ein „Spardiktat“.

Jugendsuchtberatungsstelle im Landkreis Landsberg: Bedarf besteht

Natürlich müsse man Beratung anbieten, aber das finde ja statt, so Eichinger. Aber auch „ein Maximum an Kräften“ könne Sucht bei Jugendlichen nicht verhindern: „Der Staat kann nicht alles heilen, das ist die conditio humana.“ Für die Entwicklung von Suchterkrankungen seien „andere gesellschaftliche Kräfte“ wie Medien oder die Peergroups, der Freundeskreis der Jugendlichen, ausschlaggebend. Mediensucht entstehe auch im Elternhaus, in „disfunktionalen Familien. Das hat Kulturgründe.“

Margit Däubler (SPD) mahnte an, der Jugendhilfeausschuss sei nicht dazu da, über Eltern zu urteilen. Vielmehr müsse man das Problem sehen und angehen. Susanne Futterknecht (Grüne) stimmte Rasch zwar zu, dass die JaS-Kräfte ein gutes, niedrigschwelliges Angebot seien. Allerdings suchten viele Jugendliche einen Ansprechpartner, ohne dass die Eltern davon erfahren.

Dass im Landkreis generell Bedarf für eine Jugendsuchtberatung bestehe, bekräftigten abschließend Kreisjugendringsvorsitzender Stefan Ehle und Markus Dietl, Geschäftsführer der Caritas Landsberg. Die Beratungskräfte seien oft nicht spezialisiert genug, so Dietl. Projekte wie MobiDIG seien hervorragend. Aber Condrobs wolle „rausgehen“ und somit Beratung und Prävention an anderen Orten bieten, „nicht nur an Schulen“.

Einstimmig beschloss der Ausschuss, abweichend von den Anträgen, 25.000 Euro in den Haushalt 2026 einzustellen, „um der Jugendhilfeplanung die Möglichkeit zu geben, die Planung in dieser Sache in die Wege zu leiten.“

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Информация на этой странице взята из источника: https://www.merkur.de/lokales/landsberg-kreisbote/landkreis-landsberg-kein-geld-fuer-jugendsuchtberatung-94035735.html