15 Jahre Condrobs Landsberg - „Substitution ist kein Luxus“

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Bei der Feier zum 15-Jährigen von Condrobs Landsberg im Olympia-Kino dabei waren auch (v.l.) Carolin Schorer, Catherine Axiomakarou, Stefan Wenger (Abteilungsleiter Sucht und Jugendhilfe) und Margit Däubler (Referentin für städt. Schulen, in Vertretung von OBin Baumgartl). © Condrobs

2010 ist in Landsberg der Startschuss zur Suchtberatung samt ambulanter Medikation für substituierte Suchterkrankter von Condrobs gefallen. 15 Jahre später steht die Substitution auf der Kippe. Der Grund: Es mangelt an Ärzten.

Landsberg - Condrobs Landsberg berät nicht nur und unterstützt bei der Substitution. Die Einrichtung leistet Nachsorge nach Reha-Maßnahmen und hilft seit 2012 auch Menschen im betreuten Wohnen in Kaufering, ohne ihre Suchtmittel zu leben. 2013 übernahm Condrobs gemeinsam mit dem Landkreis und der hiesigen – einzigen –Substitutionsärztin Dr. Birgit Ablaßmaier die Aufgabe der Substitution. Seit 2023 bietet Condrobs Suchtberatung in der JVA Landsberg an, seit Ende 2024 ambulante Erziehungshilfe im betreuten Wohnen in Kaufering.

Condrobs Landsberg feiert 15-Jähriges - Suchtberatung immer wichtiger

„Sucht ist kein Randphänomen“, stellte Margit Däubler auf der Condrobs-Feier zum 15-Jährigen in Landsberg fest. „Und Sucht ist eine Krankheit, keine Frage von Willensstärke.“ Zudem betreffe Sucht nicht nur die jeweilige Einzelperson, sondern dessen gesamtes soziales Umfeld, insbesondere Familie und Arbeit. Deshalb sei Hilfe für Suchtkranke auch eine gesellschaftliche Investition. In Deutschland sei jeder fünfte im Alter bis 17 Jahre psychisch auffällig. „Auf Therapieplätze muss man aber rund fünf Monate warten.“ Und es gibt ein weiteres Problem: Zahlreiche Therapien fordern die Abstinenz des Suchterkrankten.

Bei der Veranstaltung zum 15-Jährigen berichteten auch die Condrobs-Landsberg-Mitarbeiterinnen Carolin Schorer von easyContact family und dem betreuten Einzelwohnen (BEW) in Kaufering sowie Catherine Axiomakarou, stellvertretende Abteilungsleitung Sucht- und Jugendhilfe. Wichtig sei eine Beratung auf Augenhöhe, sagte Schorer. Und auch die Anpassung auf die Entwicklungen in der Sucht. Standen früher die Suchtmittel Alkohol und Tabak im Vordergrund, seien es heute Opiate, Cannabis und auch Medien. „Der Cannabis-Konsum darf nicht als unproblematisch gesehen werden.“ Der Medienkonsum steige auch bei Kindern massiv an. Durch andere Belastungen steigere das deren Suchtgefahr. „Aufklärung ist hier geboten.“

Die finde beispielsweise durch Präventionsarbeit an Schulen statt, berichtet Schorer. Condrobs biete Sprechstunden im Schulgebäude an, denn „eine Anfrage beim Jugendamt wird oft als zu große Hürde angesehen“. Der Kontakt zu den Sozialarbeitern sei dabei oft ein „Türöffner zur langfristigen Therapie“. Ein weiteres wichtiges Instrument seien digitale Angebote wie DigiSucht, ein vom Gesundheitsministerium gefördertes Portal, auf dem Fachkräfte kostenlos, unverbindlich und vor allem anonym beraten. So könne man auch im ländlichen Bereich Hilfe bieten, ist Schorer überzeugt. Die Finanzierung sei weiterhin schwierig. Weshalb Schorer Suchtberatung „als Teil der Gesundheitsversorgung“ anregt.

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Axiomakarou kam auf die Substitution und deren Probleme im Landkreis zu sprechen. Der Bedarf steige wegen der Gefahr durch immer zahlreicher werdende synthetische Opioden massiv. Das Problem: Die hiesige Substitutionsärztin Dr. Ablaßmaier ist bereits über 70 Jahre alt. „Sie wird ihre Praxis irgendwann schließen. Und dann sind über 100 Patienten ohne ärztliche Betreuung“, mahnt Axiomakarou. Denn andere Ärzte, die die Substitution übernehmen würden, gibt es hier nicht. Eine Unterbrechung einer Substitution bedeute aber auch, dass Menschen durch einen Rückfall in den illegalen Drogenkonsum wieder aus ihrem Leben mit Arbeit und Familie gerissen werden können. Was auch zu höhren Kosten im Gesundheitssystem oder auch im Bereich öffentliche Sicherheit führe.

„Diese Versorgungslücke muss geschlossen werden“, mahnt Axiomakarou. Sie hoffe, dass der Landkreis Landsberg sich um mögliche Substitutionsärzte bemühe. Es brauche „mobile Strukturen für wohnortnahe Betreuung, psychische Ambulanzen und die Einbindung der Hausärzte“. Ihr Wunsch: eine Klinikberatung Außenstelle für Substitution zusammen mit der kbo Landsberg. „In Ergänzung mit Apotheken und niedergelassenen Ärzten. Substitution ist kein Luxus.“

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