Jetzt, da die Sommerferien vor der Tür stehen, wünscht sich mancher Erwachsene zurück in die Schulzeit und träumt von sechs Wochen unbeschwerter Freizeit. Die weniger schönen Momente sind meist längst vergessen. Nicht so für viele Kinder und Jugendliche, die jeden Tag mit Bauchschmerzen zur Schule gehen. Genau für diese Schüler gibt es Hilfe und Unterstützung: in der JaS.
Oberland/Fuchstal - JaS. Dieses Kürzel steht für „Jugendsozialarbeit an Schulen“ und ist in Bayern seit 2002 als Teil der Jugendhilfe ein Schwerpunkt der Kinder- und Jugendpolitik. Ziel der JaS ist es, sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche bei ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu unterstützen und ihre Chancen auf Teilhabe und eigenverantwortliche Lebensgestaltung zu verbessern.
Was so abstrakt klingt, wird durch Sozialpädagogen mit Leben erfüllt, die direkt in den Schulen als Ansprechpartner zur Verfügung stehen und stets ein offenes Ohr für die Schüler haben, um ihnen Hilfestellungen bei der Bewältigung ihrer Probleme zu geben.
Ein Rückzugsort in der Schule
Auch an der Johann-Baptist-Baader-Mittelschule Fuchstal ist die JaS präsent. Sandra Senger und Claudia Gangkofner, die den Standort Rott betreut, sind Sozialpädagoginnen und Angehörige des Jugendamts des Landratsamts Landsberg. Sie haben ihr Beratungszimmer im Erdgeschoss der Mittelschule, nicht weit vom Haupteingang entfernt. In dem Raum, dessen Tür fast immer offen steht, dominieren helle, warme Farben, und er strahlt nicht zuletzt durch das Sofa mit seinen Kissen eine angenehme, einladende Atmosphäre aus.
„Es soll ein Wohlfühlort sein, wo die Kinder gern herkommen“, sagt Claudia Gangkofner. „Ein Rückzugsort“, ergänzt Sandra Senger, „wo sie ihr Herz ausschütten können und wissen, dass wir niemandem etwas sagen.“ Die Mitarbeiter des JaS unterliegen der Schweigepflicht, und alle sind sehr darauf bedacht, diese einzuhalten. Nur so können sie dem Vertrauen, das die Schüler ihnen entgegenbringen, gerecht werden. Natürlich hat die Schweigepflicht auch ihre Grenzen, zum Beispiel dann, wenn das Wohl eines Kindes gefährdet ist. „Wenn ich tatsächlich einmal etwas weitergeben muss“, sagt Gangkofner, „dann ist der Schüler der Erste, der es von mir erfährt.“
Die Probleme, mit denen die Kinder zu den JaS-Fachkräften kommen, sind vielfältig: Trennung oder Scheidung der Eltern, massive Schwierigkeiten zuhause, Ausgrenzung oder Mobbing, aber auch Ängste und psychische Probleme wie Depressionen oder psychische Krisen im Allgemeinen. „Wir müssen ganz oft Krisenintervention leisten und sehen uns da als eine Art Feuerwehr“, erzählt Senger.
Umso wichtiger ist es, dass die beiden Frauen mittlerweile „ein Teil der Schulfamilie“ sind, wie sie es beschreiben. Wie sehr sich die JaS an der Mittelschule Fuchstal etabliert hat, zeigt die Tatsache, dass die Kinder und Jugendlichen entweder von sich aus auf Senger und Gangkofner zukommen oder andere Schüler ihnen raten, sich an die beiden Sozialpädagoginnen zu wenden. „Ich denke, das hat ganz viel damit zu tun, dass wir einfach da sind“, sagt Gangkofner, „dass wir den Schülern gegenüber wertschätzend auftreten, sie ernst nehmen, zuhören und Verständnis zeigen.“
Bei der Begleitung gebe immer der Schüler das Tempo vor, betonen beide. Hin und wieder käme es auch mal vor, dass Kinder oder Jugendliche nicht mehr zu den Terminen kommen möchten. „Das können wir gut akzeptieren“, sagt Gangkofner. Die Tür bleibe dennoch auch für diese Schüler stets geöffnet.
Gegenseitige Unterstützung
„JaS kann helfen, Wege aufzuzeigen“, bestätigt Yasemin Pertl, JaS-Teamleitung des Teams Süd/Ost des Landratsamts Landsberg. „Gehen müssen die Schüler diese Wege aber selbst. Die Lösungsverantwortung liegt immer bei den Kindern und ihren Eltern.“
Hilfe bei ihrer nicht immer leichten Arbeit finden die JaS-Fachkräfte sowohl in der regelmäßigen Supervision als auch in der gegenseitigen Unterstützung. „Wir profitieren sehr davon, dass wir regelmäßig im Team zusammenkommen“, sagt Senger. „Allein zu wissen, dass ich es rauslassen kann, wenn ich bei einem Fall gerade nicht sicher bin, was das Richtige ist, hilft ungemein.“
Obwohl sie den ganzen Tag mit Problemen zu tun haben, sei es eine ungemein schöne und bereichernde Arbeit, betont Gangkofner. „Allein wenn ein Kind auf dich zukommt und sagt: ‚Schön, dass Sie da sind!‘ Das gibt einem so viel.“
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