Dr. Patrick Lechner (48) setzt als FDP-Bürgermeisterkandidat auf neue Arbeitsplätze in Wolfratshausen und fordert Alternativen zur geplanten S-Bahn-Verlängerung nach Geretsried.
Wolfratshausen – 2020 zog Dr. Patrick Lechner erstmals in den Stadtrat ein, als einziger Vertreter der FDP bildet er mit den vier SPD-Räten eine Fraktionsgemeinschaft. Bei den Kommunalwahlen am 8. März geht der promivierte Mathematiker aufs Ganze, er will Bürgermeister von Wolfratshausen werden. Sechs von sechs Stimmberechtigten hoben den promovierten Mathematiker am Donnerstagabend im Landhauscafé auf den Schild. Vielleicht ein wenig vermessen sprach Lechner davon, „dass wir gemeinsam Geschichte schreiben“.
Wolfratshausen „an einem Wendepunkt“
Der 48-Jährige sieht die Loisachstadt „an einem Wendepunkt“. Man könne weiter zusehen, wie sich andere Städte entwickeln – oder das Heft in die Hand nehmen und „mutig die Richtung selbst bestimmen“. An der Rathausspitze dürfe nicht länger nur reagiert, sondern es müsse „gestaltet werden“. Lechners Wahlkampfslogan: „Modern – Menschlich – Miteinander.“
Anders als Amtsinhaber Klaus Heilinglechner habe er, Lechner, eine Vision, wie sich die Flößerstadt entwickeln könnte, die „Vision Wolfratshausen 2032“. Der FDP-Politiker skizzierte in seiner rund zehnminütigen Vorstellungsrede mehrere Handlungsfelder. Mit Blick auf die Wirtschaft hat er das Ziel, in den nächsten sechs Jahren mindestens 1000 neue Arbeitsplätze zu schaffen und er will ein Gründerzentrum in Wolfratshausen etablieren. Die Schulen müssen nach seiner Auffassung besser ausgestattet werden – „auch einen Hochschulstandort hier halte ich für durchaus realistisch“ – und der Tourismus müsse „neu gedacht werden“. Kurzum: „Wolfratshausen muss wieder ein Magnet im Oberland werden.“ Ein weiteres wichtiges Thema sei die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum, „damit junge Familien bleiben und ältere Menschen hier gut leben können“.
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Kandidaten stehen Rede und Antwort
Zur Podiumsdiskussion mit den Bürgermeisterkandidaten lädt die Unternehmervereinigung Wirtschaftsraum Wolfratshausen (UWW) für Montag, 10. November, in die Loisachhalle ein. Einlass um 18 Uhr, Beginn 18.30 Uhr. Auf dem Podium sitzen die Kandidaten Klaus Heilinglechner (Bürgervereinigung Wolfratshausen/BVW), Dr. Patrick Lechner (FDP), Günther Eibl (CSU), René Beysel (Bündnis 90/Die Grünen) sowie Dr. Manfred Fleischer (Wolfratshauser Liste). Darüber hinaus hat Renato Wittstadt seine Bereitschaft zur Kandidatur erklärt, er ist vom SPD-Ortsverein aber noch nicht nominiert worden. Geplant ist eine zirka 90-minütige Podiumsdebatte, die sich um vier Themenfelder dreht: Wirtschaft/Finanzen, Infrastruktur/bezahlbarer Wohnraum, Klimawandel/Energiewende und Zukunftsstrategien. Anschließend haben die Besucher die Gelegenheit, den Bürgermeisterkandidaten Fragen zu stellen. Die Podiumsdiskussion moderiert Carl-Christian Eick, Redaktionsleiter des Isar-Loisachboten/Geretsrieder Merkur.
Mehr Geld müsse in den Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehr investiert werden. Erneut stellte Lechner die geplante S-Bahn-Verlängerung von Wolfratshausen nach Geretsried in Frage. Die Wirtschaftlichkeit des 433-Millionen-Euro-Projekts ist nach Meinung des Mathematikers schöngerechnet, die Flächenversiegelung nicht zu verantworten. Es müsse über „bessere Alternativen“ zur S-Bahn nachgedacht werden. Beispiele: Elektrobusse oder die sogenannte Ottobahn. Es mache keinen Sinn, den Gleisweg zu verlängern, bevor nicht die latenten Probleme auf der bestehenden Strecke behoben seien.
Deutlich digitaler – und damit bürgerfreundlicher – möchte Lechner die Stadtverwaltung ausrichten. 100 Prozent aller Leistungen sollen die Bürgerinnen und Bürger online in Anspruch nehmen können. „Ich will‘s nicht erzwingen“, betonte Lechner, wer digital nicht trittsicher sei, könne weiterhin auf analogem Weg mit dem Rathaus kommunizieren.
Wichtig ist dem 48-Jährigen das Miteinander, wie er mehrfach unterstrich: „Jeder soll mitgestalten, jeder darf sich einbringen, wie Wolfratshausen sich entwickeln soll.“ Er wolle einen „echten Wirtschaftsdialog“ und „echte Bürgerbeteiligung“ statt „Pseudo-Diskussionsrunden“.
„Wir glauben an Eigenverantwortung, Freiheit und Mut“
Hinter den „Schlagworten“ stehe „etwas Größeres“, sagte der FDP-Politiker: „Die Idee einer Stadt, die Zukunft gestaltet ohne ihre Seele zu verlieren.“ Eine Stadt, „in der Innovation und Menschlichkeit kein Widerspruch sind“. Liberalismus „ist für mich mehr als eine politische Richtung, es ist für mich eine Haltung zum Leben. Wir glauben an die Kraft jedes Einzelnen, wir glauben an Eigenverantwortung, Freiheit und Mut. Wir glauben, dass Vielfalt keine Bedrohung ist, sondern eine Stärke.“
„TeamWORk!“ ist das Wahlkampfmotto der FDP: „Anpacken mit Kopf, Herz und Mut.“ Ausdrücklich dankte Lechner seiner Ehefrau Stefanie: „Du bist mein Rückhalt und manchmal auch meine ehrlichste Kritikerin.“ (cce)