Wärmepumpen-Posse am Dachauer Klinikum

  1. Startseite
  2. Lokales
  3. Dachau
  4. Dachau

Kommentare

Ein Baum weniger, ein Pumpen-Häusl dazu: So wie in unserer Fotomontage dargestellt könnte es an der Hochstraße 27 aussehen, wenn es nach dem Hauseigentümer geht. © Norbert Habschied/Münchner Merkur

Wärmepumpen gelten als Schlüssel der Energiewende. Doch die Stadt Dachau lehnt den Einbau einer Pumpe in einem Klinik-Nebengebäude ab – sie störe das Straßenbild.

Direkt im Umgriff des Dachauer Klinikums, an der Adresse Hochstraße 27, gibt es ein funktionales Gebäude, das eine Tagesklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, das Amper-MVZ, ein onkologisches Zentrum sowie eine Kindertagesstätte beherbergt. Das Gebäude wurde bislang mittels Nahwärmeleitung vom benachbarten Klinikum versorgt, wobei dieser Wärmeliefervertrag versorgerseitig zum 1. Januar 2025 gekündigt wurde. Die Eigentümerin der Hochstraße 27, die Münchner 7280 Property Management GmbH, musste sich also Gedanken machen, wie sie die Liegenschaft künftig beheizen soll – nach Möglichkeit günstig und nachhaltig.

Das Ergebnis dieses Gedankenspiels lag nun dem Bau- und Planungsausschuss des Stadtrats zur Behandlung vor. Die 7280 Property Management GmbH will die Wärmeversorgung über eine Wärmepumpe lösen und beantragte dafür den Bau einer „Energiezentrale in Form eines Containermoduls“. Dieses 11,29 Meter lange, 2,30 Meter breite und 2,70 Meter hohe Modul sollte auf dem Grundstück an der Hochstraße, vor dem Gebäude platziert werden, da laut der 7280 Property Management GmbH innerhalb des Fachärztezentrums „keine Möglichkeit besteht, einen erneuerbaren Wärmeerzeuger zu verorten“.

Optische Störung: Wärmepumpe bleibt ein Wunsch

Bei der Stadt beziehungsweise in deren Bauamt, wo man ansonsten der Wärme- und Energiewende äußerst offen gegenüber steht, winkt man aber ab. Die Einhausung der Wärmepumpe sei „städtebaulich nicht vertretbar, weil sich der Standort innerhalb der städtebaulich angestrebten, dreiecksförmigen Aufweitung der baulichen Kanten hin zum Eingangsbereich des Klinikums und des Kreißsaals befinden würde“. Das Bauamt sieht in der Einhausung daher eine „optische Störung des freizuhaltenden Sichtfelds insbesondere auf den Eingangsbereich des Klinikgebäudes auf dem benachbarten Flurstück, das stadtweite Bedeutung hat“.

Und damit nicht genug: Weil für den geplanten rund 70 Kubikmeter großen Würfel auch noch eine Hainbuche mit einem Stammumfang von 119 Zentimetern gefällt werden müsste, ist laut Bauamt der Antrag in Gänze abzulehnen.

Optisch ungestört ist der Bereich zwischen Amper-MVZ, Klinikeingang und Klinikparkhaus. Nach dem Willen der Stadt soll es so auch bleiben.
Optisch ungestört ist der Bereich zwischen Amper-MVZ, Klinikeingang und Klinikparkhaus. Nach dem Willen der Stadt soll es so auch bleiben. © Norbert Habschied

Die Stadträte widersprachen nicht. Einzig Gertrud Schmidt-Podolsky (CSU) merkte leise an, dass das Wärmepumpen-Häusl ja nun „städtebaulich nicht so wahnsinnig relevant“ sei und „wenn man es schön einhaust“, die Sache dann vielleicht „gar nicht so doof“ sei. Überhaupt, fragte sie, laufe die Ablehnung der Wärmepumpen-Einhausung nicht der Wärmewende zuwider? Kurz: Sei das Ganze nicht „ein Witz hoch 10“?

Doch Bauamtsleiter Moritz Reinhold wiegelte ab: Das Gebäude an der Hochstraße 27 sei ja an das Nahwärmenetz der Klinik angeschlossen gewesen, nun wolle der Inhaber aber „eine Insellösung“ schaffen und damit „eigene Brötchen backen“. Dies sei „schade, aber offensichtlich die Geschäftspolitik eines Privatunternehmens“.

Die können die Kinder doch nicht im Kalten sitzen lassen! Wegen eines Baums!

Oberbürgermeister Florian Hartmann betonte in diesem Zusammenhang, dass die Ablehnung sich allein auf baurechtliche Fragen bezogen habe und damit nicht unternehmerische Entscheidungen bewerte. Abgesehen davon habe die Stadt ja einen Alternativstandort für die Einhausung im nördlichen Teil des Grundstücks angeboten, der aber abgelehnt worden sei.

Claudia Weise, bei der 7280 Property Management GmbH zuständig für die Dachauer Liegenschaft, kann und will diese Argumentation so nicht stehen lassen. Der von der Stadt vorgeschlagene Alternativstandort bedeute einen „viel größeren Leitungs- und Kostenaufwand, da sprechen wir von einer fünfstelligen Summe“! Zudem hätte sie eine „hochwertige Ersatzbepflanzung“ für den zu fällenden Baum vorgeschlagen und der Stadt auch versprochen, die geplante Einhausung hübsch mit Holz zu verkleiden. Apropos hübsch: Das Argument der gestörten Optik will Weise gar nicht einleuchten. „Da ist ein Parkhaus gegenüber! Was für eine Optik sollen wir denn da zerstören!“

Dass die Stadt aus diesen Gründen ein MVZ und eine Kita lieber frieren lassen will, ist für Weise einfach „unglaublich“ und „nicht nachzuvollziehen“. Der ganze Vorgang, findet sie, „kann doch eigentlich gar nicht sein“!

Auch interessant

Kommentare

Информация на этой странице взята из источника: https://www.merkur.de/lokales/dachau/dachau-ort28553/waermepumpen-posse-am-dachauer-klinikum-93519144.html