FDP-Politiker Christian Lindner hat sich durch seine Tochter „eher noch radikalisiert“

Christian Lindner hat sich nach seinem Rückzug aus der aktiven Politik neu sortiert. Der frühere FDP-Chef und Bundesfinanzminister verließ die politische Bühne, um sich beruflich neu aufzustellen. Heute arbeitet er in mehreren Funktionen in der Wirtschaft – ein Hauptjob, dazu Aufsichtsratsmandate. Doch die größte Veränderung seines Lebens kam nicht durch den Karrierewechsel, sondern privat: 2025 wurde Christian Lindner Vater.

Christian Lindner nach dem Politik-Aus: Ein neues Leben zwischen Familie und Wirtschaft

Die Geburt seiner Tochter markiert für ihn eine klare Zäsur. Im Interview mit ntv beschreibt er das vergangene Jahr als einen Wendepunkt, der seine Sicht auf das Leben grundlegend verändert habe. „Fast trivial zu sagen: Alles wurde in diesem Jahr ab April anders“, sagt Lindner. Vater zu werden bedeute, Dinge neu zu sehen – und anderes überhaupt erst wahrzunehmen. 

„Man lebt nicht mehr nur für sich selbst“

Mit der Elternschaft habe sich sein Alltag verschoben, erzählt er ntv. Entscheidungen würden nicht mehr ausschließlich aus der eigenen Perspektive getroffen. „Im Alltag denkt man die Tochter immer mit“, beschreibt Lindner den Wandel. Man lebe nicht länger als „Endverbraucher der eigenen Lebenschancen“, sondern trage Verantwortung für einen kleinen Menschen, der an allem mit hänge.

Vatersein und Politik: Lindners langfristige Blick wird schärfer

Diese neue Perspektive zeigt sich für ihn auch in scheinbar banalen Momenten. Etwa dann, wenn Autos mit hohem Tempo an einem Spielplatz vorbeifahren. Dinge, die früher kaum aufgefallen seien, bekämen plötzlich ein anderes Gewicht. Für Lindner ist das mehr als nur eine emotionale Veränderung – es sei ein grundsätzlicher Perspektivwechsel.

Mit Blick auf langfristige Fragen habe ihn die Vaterrolle sogar „eher noch radikalisiert“, wie er selbst sagt. Gemeint sind Themen wie Staatsverschuldung und nachhaltiges Haushalten. Die Verantwortung gegenüber der nächsten Generation verleihe diesen Fragen aus seiner Sicht zusätzliche Dringlichkeit.

Weiterer Job für Ex-FDP-Chef: Christian Lindner geht in die Autobranche.

Christian Lindner und Ehefrau Franca Lehfeldt
Christian Lindner und Ehefrau Franca Lehfeldt. IMAGO / STEINSIEK.CH

„Der schönste Moment ist, sie zum Lachen zu bringen“

Über seine Tochter spricht Lindner sichtbar mit Wärme. Es gehe ihr „ausgezeichnet“, sagt er, und nennt sie „zauberhaft“. Der schönste Moment im Alltag sei für ihn, sie zum Lachen zu bringen – dann gehe ihm „das Herz auf“. Große Worte, die man aus dem politischen Kontext von ihm bislang kaum kannte.

Trotz der jungen Vaterrolle ist Lindner beruflich nicht kürzergetreten. Auf die Frage, ob ihn Familie und neue Jobs nicht überfordern, verweist er gegenüber ntv auf seine Grundhaltung: So wie er früher mit voller Energie Politik gemacht habe, investiere er diese Energie nun in seine neuen beruflichen Aufgaben.

Die Organisation der Familie tragen er und seine Frau gemeinsam. Beide wollten ihre jeweiligen Karrieren voll ausüben. Seine Frau sei als Journalistin und Unternehmerin ebenfalls stark gefordert. Eine klassische Rollenaufteilung gebe es nicht: „Wir haben beide dieselben Freiheiten und dieselben Aufgaben.“

Lindner verklärt Alltag nicht: „Es ist eine ständige Herausforderung“

Gleichzeitig verklärt Lindner das Familienleben nicht. Der Alltag mit einem kleinen Kind sei anspruchsvoll und kaum planbar. Wer behaupte, das gehe leicht von der Hand, erwecke einen falschen Eindruck. Kleine Kinder seien nicht organisiert, ihre Bedürfnisse änderten sich ständig – und seien nicht immer sofort zu entschlüsseln. Schlechte Laune, Zahnen oder Bauchschmerzen: Oft müsse man erst herausfinden, was gerade los ist.