Merz will Acht-Stunden-Tag schnell abschaffen – Änderungen für Millionen Arbeitnehmer

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Die Bundesregierung von Kanzler Merz plant offenbar die Einführung einer wöchentlichen Höchstarbeitszeit. Das würde auch das Ende des Acht-Stunden-Tags einleiten.

Berlin – Die schwarz-rote Bundesregierung von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) plant offenbar eine kleine Revolution auf dem Arbeitsmarkt. Zuletzt waren aus den Reihen der Union Forderungen nach einer Abschaffung des Rechts auf Teilzeit oder der telefonischen Krankschreibung laut geworden. Doch jetzt wendet sich die Bundesregierung wohl einem weiteren brisanten Thema zu: der täglichen Höchstarbeitszeit. Sollte die Merz-Regierung ihre Pläne umsetzen, wäre der Acht-Stunden-Tag Geschichte.

Bundeskanzler Friedrich Merz (l, CDU) und Jens Spahn (CDU), Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, unterhalten sich zu Beginn der Sitzung der Unions-Fraktion im Deutschen Bundestag.
Bundeskanzler Friedrich Merz (l, CDU) und Jens Spahn (CDU), Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, unterhalten sich zu Beginn der Sitzung der Unions-Fraktion im Deutschen Bundestag. © Bernd von Jutrczenka/dpa

Doch worum geht es genau? Die Regierung will im Rahmen der nationalen Tourismusstrategie auch „die Möglichkeit einer wöchentlichen anstatt einer täglichen Höchstarbeitszeit schaffen“. Das berichtet die Bild-Zeitung am Mittwochmorgen aus einem Papier, das dem Medium vorliegt. Die Acht-Stunden-Grenze pro Tag könnte somit einer wöchentlichen Höchstarbeitszeit weichen. Die CDU erhofft sich von der Änderung nicht nur Vorteile für mittelständische Unternehmen, sondern auch mehr Flexibilität für Arbeitnehmer. Eltern können unter anderem länger am Stück arbeiten und im Anschluss länger freihaben. CDU-Politiker Christoph Ploß sagte gegenüber der Bild-Zeitung, man strebe einen Beschluss „noch in diesem Jahr an“.

Merz-Regierung will Acht-Stunden-Tag kippen – diese Regeln gelten bislang

Bislang wird die Höchstarbeitszeit in Deutschland durch das Arbeitszeitgesetz geregelt. Dieses schreibt eine gesetzliche Regelarbeitszeit von acht Stunden pro Werktag vor. Vorübergehend kann die Grenze jedoch auf zehn Stunden pro Tag erhöht werden – etwa in besonders stressigen Phasen. Diese Regelung ist jedoch keine Dauerlösung und muss mittelfristig ausgeglichen werden, sodass die durchschnittliche Arbeitszeit in einem Zeitraum von sechs Monaten acht Stunden pro Tag nicht überschreitet. Weitere Ausnahmen gibt es auch für Tarifbeschäftigte mit Bereitschaftsdienst.

Bei einer wöchentlichen Höchstarbeitszeit könnten Arbeitnehmer am Tag deutlich mehr als acht oder sogar zehn Stunden arbeiten, solange sie auf die Woche gesehen eine gewisse Grenze an Stunden nicht überschreiten. Die EU-Arbeitszeitrichtlinie legt die maximale Wochenarbeitszeit derzeit auf 48 Stunden pro Woche fest.

Prestige-Thema für Merz – Bundesregierung will Acht-Stunden-Tag kippen

Der Union ist die fehlende Flexibilität durch die Regelung bereits seit längerem ein Dorn im Auge. Schon im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD hielten die Koalitionspartner fest: „Die Arbeitswelt ist im Wandel. Beschäftigte und Unternehmen wünschen sich mehr Flexibilität. Deshalb wollen wir im Einklang mit der europäischen Arbeitszeitrichtlinie die Möglichkeit einer wöchentlichen anstatt einer täglichen Höchstarbeitszeit schaffen – auch und gerade im Sinne einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf.“

Verbände und Gewerkschaften kritisieren die Abschaffung der täglichen Höchstarbeitszeit und warnen vor gesundheitlichen Schäden für Arbeitnehmer durch fehlende Regeneration. „Es brauche mehr Flexibilität, so die Begründung. Gemeint ist freilich nur die Flexibilität der Unternehmen, nicht die der Beschäftigten“, kritisierte die Gewerkschaft ver.di bereits im November 2025 die Forderung nach einer wöchentlichen Höchstarbeitszeit.

Welchen Stellenwert das Thema innerhalb der Union hat, zeigte sich auch vor knapp zwei Wochen auf dem Neujahresempfang der Wirtschaft in Halle. Dort wurde Kanzler Merz nach einem Gesetz gefragt, dass er gerne streichen würden, wenn er denn könnte. Die Antwort des CDU-Chefs: „Ich würde wahrscheinlich das Arbeitszeitgesetz streichen.“ CSU-Generalsekretär Martin Huber erhöhte kurz nach dem Auftritt des Kanzlers den Druck. „Die nötigen Reformen müssen wir in diesem Jahr auf den Weg bringen, damit sie wirken können“, sagte Huber der Augsburger Allgemeinen

Merz-Regierung will Arbeitszeitgesetz ändern – auch Steuererleichterungen geplant

Auch wenn die Arbeitszeit-Revolution im Rahmen der nationalen Tourismusstrategie festgehalten werden soll, würde eine entsprechende Änderung des Arbeitszeitgesetzes für alle Wirtschaftssektoren gelten. Wie die Bild-Zeitung weiter aus dem Papier zitiert, sollen im gleichen Atemzug auch weitere Anreize für Mehrarbeit geschaffen werden. „Als Anreiz wird der Bund Überstundenzuschläge steuerfrei stellen und einmalig gezahlte Prämien zur Ausweitung der Arbeitszeit bei Teilzeit steuerlich begünstigen“, heißt es in dem Papier weiter. Steuererleichterung für Überstunden war bereits im Wahlkampf eine Kernforderung der CDU und allen voran von Generalsekretär Carsten Linnemann. (Quellen: Bild, Augsburger Allgemeine, dpa, eigene Recherchen) (fdu)

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