CDU-Politiker wollen Recht auf Teilzeit abschaffen - „Wer mehr arbeiten kann, sollte mehr arbeiten“

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Immer mehr Menschen in Deutschland arbeiten in Teilzeit. Der Wirtschaftsflügel der CDU will den Rechtsanspruch auf Teilzeit nun stark einschränken.

Berlin – Die Deutschen müssen mehr arbeiten, findet Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). Seine Parteikollegen vom CDU-Wirtschaftsflügel haben dazu einen neuen Vorschlag, um dies durchzusetzen: Nach einem Bericht des Stern am Sonntag (25. Januar) wollen sie den bisher geltenden Rechtsanspruch auf Teilzeitarbeit in Deutschland stark einschränken.

„Wer mehr arbeiten kann, sollte mehr arbeiten“, begründet die Vorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT), Gitta Connemann, den Vorstoß gegenüber dem Magazin. Hintergrund ist der nach Ansicht der MIT „dramatische Fachkräftemangel“ in Deutschland.

Wer holt die Kinder dann von der Schule ab? Der Wirtschaftsflügel der CDU unter Gitta Connemann will den Rechtsanspruch auf Teilzeit kippen. (Montage) © Montage/Imago/Funke Foto Services/Political-Moments

„Kein Lifestyle“: CDU-Wirtschaftsflügel will Teilzeitarbeit stark einschränken

Wie der Stern weiter berichtet, bereitet die Wirtschaftsunion für den CDU-Bundesparteitag Ende Februar einen entsprechenden Antrag vor. Das Papier mit dem Titel „Kein Rechtsanspruch auf Lifestyle-Teilzeit“ liegt dem Magazin bereits vor. Darin fordert die MIT, dass für den Anspruch auf Teilzeit künftig eine „besondere Begründung“ vorliegen muss.

Als akzeptable Gründe für reduzierte Arbeitszeiten gelten laut dem Antrag etwa die Betreuung von Kindern, die Pflege von Angehörigen oder berufliche Weiterbildungen. Die sogenannte „freiwillige Teilzeit aus Gründen der individuellen Lebensgestaltung“ soll hingegen nicht mehr möglich sein, wenn es nach den Plänen der Wirtschaftsunion geht.

Immer mehr Deutsche arbeiten in Teilzeit – Kanzler Merz ist das ein Dorn im Auge

Bislang haben Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland grundsätzlich das Recht, ihre Arbeitszeit zu reduzieren – ohne dafür besondere Gründe angeben zu müssen. Diese Regelung würde bei einer Umsetzung der MIT-Forderungen erheblich eingeschränkt werden.

2024 haben laut Statistischem Bundesamt in Wiesbaden 29 Prozent der Deutschen in Teilzeit gearbeitet – mehr als je zuvor. Demnach arbeitete mit 49 Prozent fast jede zweite Frau in Teilzeit, bei den Männern waren es zwölf Prozent. Damit gehört Deutschland zu den Spitzenreitern in Europa, berichtet die Tagesschau. Die meisten Frauen arbeiten allerdings in Teilzeit, um sich um Kinder oder Angehörige zu kümmern.

Beim Kanzler könnte der CDU-Wirtschaftsflügel trotzdem auf offene Ohren stoßen: „Wir müssen in diesem Land wieder mehr und vor allem effizienter arbeiten“, sagte Merz vergangenes Frühjahr. Er setzt sich für eine grundlegende Reform des Arbeitszeitgesetzes ein, um die Flexibilität zu erhöhen. Dabei soll die tägliche Höchstarbeitszeit abgeschafft und durch eine Wochenarbeitszeit ersetzt werden. Zudem forderte der Kanzler jüngst, die telefonische Krankschreibung abzuschaffen. (Quellen: AFP, Stern, Tagesschau)