Die Mitfahrbankerl des DAV stehen seit Kurzem auf beliebten Wanderparkplätzen im Oberland. Sie stammen aus der Werkstatt von Josef Danner in der Jachenau.
Jachenau – Mit ihrer leuchtend grünen Farbe stechen sie unmittelbar ins Auge: An etlichen beliebten Wanderparkplätzen im ganzen Oberland stehen seit Kurzem die neuen Mitfahrbankerl des Deutschen Alpenvereins. Was nicht jeder weiß: Bei den Bänken handelt es sich um echte Handarbeit aus der Jachenau. Zimmerermeister Josef Danner hat die Sitzgelegenheiten der besonderen Art entworfen und fertigt sie gemeinsam mit seinem 16-jährigen Sohn Seppi an.
Bank für Gleisenhütte in Scharnitz gebaut
Bänke gehören eigentlich nicht ins berufliche Metier von Danner, der sonst Dachstühle baut oder auch an anspruchsvollen Kirchensanierungen mitwirkt. Dass er zum Schöpfer der DAV-Mitfahrbankerl wurde, das gehe auf einen Zufall zurück, berichtet er. Der „Gleisen-Sigi“, Wirt der Gleisenhütte in Scharnitz, sei ein Spezl von ihm. Als Gäste aus dem Bayerischen Wald dem Hüttenwirt zum Jubiläum eine Bank stiften wollten, da entwarf Danner zu diesem Anlass „etwas Besonderes“, sagt er. „Es ist keine normale Holzbank.“ Eisensockel, ein Granitstein und verschieden breite Latten machen Danners Kreation zu etwas Ungewöhnlichem.
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Das stach dann auf der Gleisenhütte einer Vertreterin des Lenggrieser Alpenvereins ins Auge. „Wir sind ins Gespräch gekommen, und sie hat mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, solche Bänke für den Alpenverein zu machen“, sagt Danner. Die geplanten Mitfahrbänke sollten ganz genau so aussehen wie das Modell in Scharnitz – mit einem entscheidenden Unterschied: nicht in Naturholz, sondern in knallgrüner Farbe sollten sie gehalten sein.
Probesitzen in der Jachenauer Werkstatt
Danner stellte zunächst einen Prototyp her, ergänzt um ein Schild, das die Bestimmung der Sitzgelegenheit als Mitfahrbank anzeigt. Vier Vertreterinnen des Alpenvereins kamen in die Jachenauer Werkstatt zum Probesitzen und befanden die Kreation nicht nur für schön, sondern auch für ausgesprochen bequem. Der Prototyp wurde bei einer DAV-Podiumsdiskussion in München vorgestellt und vergangenes Jahr dann am Ettaler Sattel aufgestellt.
Die DAV-Sektion München & Oberland bereitete nun die Einführung der Mitfahrerbänke in den Landkreisen Bad Tölz-Wolfratshausen, Garmisch-Partenkirchen, Miesbach, Rosenheim und Traunstein vor. Die Idee dahinter: Die Bänke sollen Wanderern den Heimweg nach ihrer Tour erleichtern. Sind sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs, können sie sich auf ein grünes Bankerl setzen und von anderen Bergfreunden zum Beispiel zum nächsten Bahnhof mitnehmen lassen. Oder auch zurück zu ihrem Auto, wenn das Ziel ihrer Wanderung nicht derselbe Ort ist wie der Startpunkt, an dem sie geparkt haben.
Jachenauer liefert Mitfahrbänke selbst aus
Der DAV schloss sich mit Gemeinden, Forst und Grundstückseigentümern zusammen, um geeignete Standorte festzulegen. Bisher vier davon befinden sich im Landkreis, nämlich in Fall, Vorderriß, am Brauneck und am Jachenauer „Schützenhaus“.
Danner stand weiter als Produzent zur Verfügung. 34 Stück habe er bisher zusammen mit seinem Sohn angefertigt. Und damit nicht genug: „Ich möchte auch jede selber aufstellen.“ Das beinhaltet auch vorab eine Besichtigung des Standorts mit dem jeweiligen Grundbesitzer. Danner nimmt die teils weiten Anfahrten gerne in Kauf. „Es ist nett, weil man dabei viele Leute kennenlernt – Förster, Forstarbeiter, Bürgermeister oder Bauhof-Mitarbeiter“, findet er. Und auf der Reise muss er schmunzeln, wenn auf der Autobahn sein Anhänger mit fünf leuchtend grünen Bänken das Gschau hat.
Produktion in Jachenau geht weiter
„So etwas muss eine Herzenssache sein, sonst macht man es nicht“, sagt der Zimmerer, der in der Jachenau auch das Amt des Zweiten Bürgermeisters bekleidet. Dass das Konzept sich bewährt, davon ist Danner überzeugt. Im Gegensatz zu konventionellen Mitfahrerbänken, wie es sie in vielen Gemeinden im Landkreis schon länger gibt, treffe man bei den grünen DAV-Stationen nicht zufällig auf Fremde, sondern auf gleichgesinnte Bergsteiger, die einen mitnehmen können. Und selbst wenn nicht: „Die Wanderer können sich auch einfach auf die Bänke setzen und eine Brotzeit machen.“
Bei Danner läuft die Produktion jedenfalls schon weiter. „Demnächst werde ich drei weitere am Kesselberg aufstellen“, sagt er. „Wenn die Bänke gut angenommen werden, können es auch 100 werden.“ Der Jachenauer steht jedenfalls bereit. (ast)