Vom Glück des Sehens: „Stadt. Land. Fluss“ in der Zedergalerie Landsberg

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Die drei Kunstschaffenden, die ihre Arbeiten in der Ausstellung „Stadt. Land. Fluss“ in der Zedergalerie zeigen (v.l.) Reinhard Fritz, Annunciata Foresti und Hans Panschar. © Greiner

Drei Kunstschaffende hat der Landsberger Galerieverein zu seiner aktuellen Ausstellung „Stadt. Land. Fluss“, inzwischen bereits seiner 26. in der Zedergalerie, vereint: Annunciata Foresti, Reinhard Fritz und Hans Panschar. Eine Auseinandersetzung mit der Welt - und mit sich selbst.

Landsberg – Wer bei „Stadt, Land, Fluss“ an das ermüdende Spiel für Besserwisser denkt, kann seine Gehirnbahnen jetzt neu verknüpfen: Der Galerieverein Landsberg hat drei Kunstschaffende in die Zedergalerie geholt, zur Ausstellung „Stadt. Land. Fluss“. Annunciata Foresti aus Dießen präsentiert ihre Hortensiengemälde, Reinhard Fritz aus München zeigt abstrakte Gemälde in lasierendem Acryl und Hans Panschar aus Berg stellt seine Holz-Skulpturen zum Thema Sehnsucht-Sesshaftigkeit aus. Ein sehenswertes Gemisch. Und alles andere als ermüdend.

„Stadt. Land. Fluss“ in Landsbergs Zedergalerie: Viel mehr als nur Betrachten

Drei Worte, drei Kunstschaffende: Die Versuchung, jeden in eine Schublade zu stecken, ist unwiderstehlich. Da sind Forestis leuchtende, lebendig in lila-blau-rosa strotzende Hortensienbilder in Öl und Acryl, in enger Zusammenarbeit mit dem Garten um ihr Atelier im Dießener Stellwerk entstanden. Erde, geerdet, Natur – eindeutig Land. Panschar könnte den Stadt-Part übernehmen: Er zeigt oft Häuser, auch „Stadträder“ wie die Skyline von New York, ausgesägt und zum Kreis verbunden, gefasst in einem Holzkreis. Und Fritz‘ fast Aquarellen ähnelnde abstrakte Arbeiten spielen mit Leerraum und Farbfläche, ein Fließen irgendwie. Da ist er, der Fluss.

Hans Panschars „Hausberg“ in der Landsberger Zedergalerie
Hans Panschars „Hausberg“ in der Landsberger Zedergalerie © Greiner

Eine 1:1-Zuordnung, wunderbar, abgehakt. Aber halt. Ganz so eindeutig ist nichts, vor allem nicht in der Kunst. Sie lebt von Vieldeutigkeit – und das ist auch bei „Stadt. Land. Fluss“ so. Je länger man sich den Werken aussetzt, umso mehr sprengen sie die starren Begriffs-Namen-Paare, Assoziationen zerschießen die Eindeutigkeit. Denn Kunst ist stets das Zusammenspiel zwischen Betrachter und Betrachtetem. Kunsthistorikerin Birgit Kremer zitiert dazu in ihrer Einführung aus Henry David Thoreaus „Walden“: „Es kommt nicht darauf an, was man betrachtet, sondern was man sieht.“

Sehen kann man in Forestis Arbeiten von Nahem nur ein expressionistisches Farbenspiel, starker Pinselstrich, pastoser Farbauftrag. Erst im Abstand zeigen sich die Rispenhortensien in ihrer Pracht – beim nächsten Windhauch scheinen erste Blüten abzufallen, so lebendig schimmern die Farben. „Die Bilder stammen aus dem letzten Jahr“, erzählt Foresti. Aus dem Sommer, als die Hortensien im Ateliergarten explodierten: „Sie blühen erst weiß, dann kommt ein rosaner Schimmer und erst zum Ende hin werden sie dunkel. Da hab ich mein Herz verloren.“ Gartenarbeit erde sie, sagt die Dießenerin – damit sie dann beim Malen ihren inneren Bildern die Fantasie einhauchen kann, die sie so strahlend macht.

Rispenhortensien von Annunciata Foresti
Rispenhortensien von Annunciata Foresti © Foresti

Neue Ausstellung in der Zedergalerie Landsberg: Sehen im Abstrakten

Bei den mit stark verdünnter Acrylfarbe auf trockenen Papier mehrschichtig gemalten, grafischen Elementen in klaren Kanten und Farben von Fritz ist das Sehen besonders von Bedeutung: Abstraktes fordert Assoziationen. Das menschliche Hirn ordnet Formen zu. Und so sieht einer geografische Karten, eine andere den Fischschwarm – oder doch eine Häuserstruktur, einen Kompass? Wichtig sind Fritz die weißen Flächen, die Leerstellen, denen er mit hineinragenden Tentakeln aus dem Farbigen „etwas Wesenhaftes“ gibt, wie er sagt. Formen, die ohne Plan entstehen: „Ich lasse der Fantasie freien Lauf.“ Eine Freiheit, die er auch dem Betrachter lässt – mit einer Einschränkung: Titel wie „Drohnen-Blick auf die Landschaft“ geben Hilfestellung. Aber andere, wie „Ein paar Fragen“, werfen ihren Wortlaut gerade erst auf: Fragen.

Reinhard Fritz, „Drohnen-Blick auf die Landschaft“.
Reinhard Fritz, „Drohnen-Blick auf die Landschaft“. © Fritz

Eindeutiger ist das Sehen bei Panschars rau gearbeiteten Skulpturen: Häuser, Skylines, Berge – die Spuren der Werkzeuge sichtbar, die Ausarbeitung teils grob, teils ziseliert – prägen die Werke aus Eiche oder auch Seekiefer. Arbeiten, denen man zutraut, dass sie sich selbst aus dem Holzblock herausgewunden haben, so organisch wirken sie. Dabei bezieht der in Berg lebende Künstler auch von Menschen Gemachtes ein: stellt den Menschen dar, ohne ihn zu zeigen. Sein „Großes Stadtrad“ umschließt eine alte Holzradfelge. Der „Schlittenberg“, ein ‚riesiges‘ Gebirge mit einem winzigen, gold-glänzenden Häuschen, ruht auf einem alten Metallschlitten. Daneben der „Hausberg“, das winzige Häuschen im zerklüfteten Holzfelsen – aber ohne Schlitten. Da ist auch Humor zu erkennen, ein Spielen mit Begrifflichkeiten. Und da ist ein Sehnen: „Die Häuser auf diesen Bergen sind für mich Sehnsuchtsorte, wie ein I-Tüpfelchen thronen sie dort. Und wenn die Sonne scheint, glänzen von Weitem die Dächer der kleinen Hütten wie Gold.“

Zuordnungen helfen, den Alltag zu kartieren. Diese Enge kann die Kunst sprengen. Wer Urlaub vom strukturierten Alltag machen will: Die Ausstellung „Stadt. Land. Fluss“ läuft noch bis zum 28. Juni. Geöffnet ist mittwochs von 15 bis 17 Uhr, donnerstags und freitags von 14 bis 17 Uhr und jeden ersten Samstag im Monat von 12 bis 15 Uhr. Wer mag, kann auch nur einen Kurztripp machen – und einfach die Augen beim Gang durch die Zedergalerie schweifen lassen.

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