Zurück zu den Wurzeln: US-Band „Calexico“ im Landsberger Stadttheater

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Vom Trio zum Quartett: Zu Calexico mit Sänger Joey Burns, Drummer John Convertino sowie Martin Wenk, hier an der Gitarre, kommt Dreiviertelblut-Musiker Luke Cyrus Götze an der Lap Steel. © Greiner

Wie hat alles angefangen? Natürlich mit Joey Burns und John Convertino, den Urgesteinen von Calexico. Und wo hat die US-Band das Licht der Welt erblickt? Natürlich in Landsberg. Jetzt hat Calexico – in Trio-Quartett-Form – wieder ihre ‚kreative Wiege‘ besucht. Ein begeisternder, gefühlvoller und politischer Abend im Stadttheater.

Landsberg – Calexico im beschaulichen Landsberg, gleich zweimal hintereinander, und das bei den raren Auftritten der Band in Deutschland. Wie kommt‘s? Ein ‚Schuldiger‘ ist Musikplaner des Stadttheaters Edmund Epple. Der lernt die Calexico-Gründer Joey Burns und John Convertino Anfang der 1990er kennen, weil er deren vorherige Band Giant Sands zu Konzerten in die Lechstadt lockt: unter anderem ins ‚Spektakulum‘, dem heutigen Kratzerkeller.

Gleich zwei „Calexico“-Konzerte in Landsberg - die Folgen der „Hausmusik“

Weil Landsberg klein war (und ist), setzt sich eine Kettenreaktion in Gang: Die Musiker lernen Wolfgang Petters kennen, den Gründer des Labels „Hausmusik“ (das vor drei Jahren sein Revival mit dem Festival „: machen 1 – zurück an die Zukunft!“ feierte, zwei Hausmusik-Festivals folgten). Und sie veröffentlichen bei Hausmusik ihr erstes Album „Spoke“ – eigentlich der Bandname, nach Einspruch einer anderen „Spoke“ wechseln Burns und Convertino den Albumnamen zu Spoke – und werden zu „Calexico“. Die Legende ist geboren und feiert einen der ersten Auftritte in der „Quere“, dem kurzzeitigen freien Kulturraum in der ehemaligen Saarburgkaserne. Offenbar sind diese Bänder nie gekappt worden.

Der zweite Grund dafür, dass die weltweit bekannte US-Band in Landsberg Unterschlupf findet, liegt an der Unterstützung des Auftritts durch den Stadttheater-Förderverein Till und dessen Förderer, der Delo-Herold-Stiftung. Und ja, es mag wohl auch hilfreich gewesen sein, dass diese Calexico-Trio-Formation gerade im Volkstheater Wien bei Tennessee Williams „Camino Real“ die Live-Musik beisteuert: ein Stück über gestrandete Figuren am Ende der Welt – da passt der ins Melancholische gedrehte Mariachi-Sound von Calexico bestens.

Melancholie pulst auch bei den Konzerten im Stadttheater. Und bei der Vorband, den zumindest textlich nicht rosigbunten ‚Hausmusik-All-Stars‘, ein „loses Kollektiv von Musikbegeisterten“, wie Epple es nennt: mit Wolfgang Petters an Gitarre und Gesang, Matthias Götze an der Posaune, Marion Epp am Bass, Martin Lickleder an Geige, Trompete und Mundharmonika oder auch Klaus Patzak, dem Mann hinter „Broken Radio“. Zu hören: nicht in Schubladen steckbare Musik von Petters Projekten wie „Fred Is Dead“ oder „A Million Mercies“ mit vertonten Gedichten von Franz Dobler, Wortspiel-Songs wie „Hill Bill Kill“, samt Cajun-Anklang durch Banjo und Mundharmonika, ein Song über Landsberg, die Stadt, in der „fast alle, die keine Musik machen, schon weggezogen sind.“

„Calexico“ mit „Dreiviertelblut“ in Landsberg: Aus dem Trio wird ein Quartett

Dann kommt Calexico, gleich mit einer kleinen Hommage an Landsberg: zwei Songs aus „Spoke“, ihrem ersten Album – weil das hier irgendwie auch „wie die Rückkehr zu einer großen Familie“ ist. Dazu gibt‘s aber noch vieles mehr: harte Rhythmen, Mariachi-Sound, melancholische Folk-Melodien, ein bisschen Punk, eine Prise Rock, gerne bombastisch. Dazu Texte mit teils politischem Inhalt wie eine Textimpro über den Mann im Weißen Haus, den „Clown“, von dem man nur eines hören will: „He has gone.“

Zum unverwechselbaren Sound tragen auch die Musiker bei: Burns mit Gitarre und leicht rauchiger, aber auch glasklarer Stimme, Convertino unbestechlich präzise an den Drums und Martin Wenk glänzend an der Trompete mit klarem Ton, mit großartiger Mundharmonika und Bass-Einsatz.

Wenk greift auch zur Lap Steel, der ‚Hawaiigitarre‘ mit dem typisch schleifend-singenden Sound. Und dann weitet sich das Trio zum Quartett – wozu es schon wieder eine Geschichte gibt: Der neue ‚Lap Steeler‘ ist Luke Cyrus Götze von Dreiviertelblut, der auch Internettutorials für Lap Steel gibt. Durch die fällt er Burns und Convertino auf, die spontane Einladung zum Konzert nach Landsberg geht raus. Und resultiert im bislang einzigen Auftritt dieser Formation, wiederholt am zweiten Calexico-Abend einen Tag später. Mit Cover-Songs wie „Sleepwalk“ oder auch „Fear“ vom ersten Hausmusik-Sampler.

Die Melancholie ist immer da, unterschwellig, aber eben auch richtig gute Stimmung, die das Publikum im mit Stehplätzen restlos ausverkauften Stadttheater mit mindestens zuckenden Beinen quittiert. Als Zugabe gibt‘s dann noch eine Premiere: das ‚Calexico-Quartett‘ zusammen mit den Hausmusik-All-Stars und einem Cover des rotzig-treibenden „Passengers“. Auch das melancholisch, aber mit Tanzlaune – trotz oder gerade wegen dieses unsäglichen Clowns im Weißen Haus.

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