In der frisch renovierten Wallfahrtskirche am Reutberg feierte Kardinal Reinhard Marx am Samstag den Gottesdienst zur Wiedereröffnung.
Sachsenkam/Reutberg – Welches Lied würde besser zu diesem Anlass passen? „Ein Haus voll Glorie schauet weit über alle Land“ ertönte bei der Wiedereröffnung der Reutberger Kloster- und Wallfahrtskirche am Samstag zum Einzug der Geistlichkeit in das vollbesetzte Gotteshaus. Mit Kardinal Reinhard Marx war der Oberhirte des Erzbistums München und Freising nach Sachsenkam gekommen, um hier nach mehrjährigen umfangreichen Sanierungsmaßnahmen den feierlichen Einstands-Gottesdienst zu zelebrieren.
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Auch Handwerker, Künstler und Spender sind eingeladen
Nicht nur Sachsenkamer Bürger, sondern auch Reutberg-Freunde von außerhalb nahmen Anteil an diesem besonderen Ereignis. Kloster-Spiritual Markus Gottswinter begrüßte im Namen der Schwestern vor allem auch alle Handwerker, Künstler und Spender, die sich bei der Sanierung der Kirche eingebracht haben. Die „offizielle“ Begrüßung namens der in Rom zuständigen Kongregation für das Ordensleben überbrachte Pater Clemens Gutberlet, der dort längere Zeit tätig war. Dieser Tag markiere eine Erneuerung – nicht nur des Gebäudes aus Stein, sondern auch des geistlichen Lebens, das am Reutberg schon seit Jahrhunderten gepflegt werde, so die Ausführungen des Grußworts.
Kloster stand kurz vor der Auflösung
Besonders bemerkenswert sei überdies die Erneuerung, die die Ordensgemeinschaft nach schwierigen Jahren kurz vor der Auflösung durch einige Neuzugänge erfahren habe. „Das ist ein Zeichen der Hoffnung für den Reutberg und die Gläubigen“, hieß es in der Botschaft aus Rom. Die Franziskanerinnen würden durch Armut, Demut und den Dienst am Nächsten die Werte des heiligen Franziskus weitertragen. Die „wunderbar renovierte“ Reutberger Wallfahrtskirche bleibe ein Ort der Besinnung, des Gebets und der Begegnung mit Gott und den Menschen.
Neue Pracht vor allem den Kirchensteuer-Zahlern zu verdanken
In ähnlicher Weise ging auch Kardinal Marx auf die Bedeutung der Kirche ein, deren Altarraum der Loretokirche in Italien nachempfunden ist. Marx predigte aufgrund körperlicher Beschwerden im Sitzen. Er übermittelte „zu diesem schönen Tag“ Grüße des neuen Papstes Leo XIV., dessen Wahl der Kirche neue Aufmerksamkeit gebracht habe. „Diese Aufmerksamkeit kann aber schnell wieder vergehen“, resümierte er.
Das Loreto-Haus sei ein meditatives Haus und eine Einladung zum Christ-Sein. Es könne Menschen und Familien geistliche Impulse geben – zur Stärkung oder für einen Neubeginn. Marx merkte aber auch an, dass die neue Pracht der Mariä-Verkündigungskirche insbesondere den Kirchensteuer-Zahlern zu verdanken sei, deren Anzahl schwinde.
Fahnenabordnungen an den Seitenaltären
Für die hervorragende musikalische Gestaltung des Gottesdienstes sorgten Alexander Pointner an der Orgel und der Sachsenkamer Frauenchor „Chorella“ unter Leitung von Peter Szeles, der auch als Solist mitwirkte, mit einer Messe von Joseph Gabriel Rheinberger. Vor den Seitenaltären hatten die Fahnenabordnungen der Ortsvereine und der Katholischen Deutschen Studentenverbindung Aenania aus München Aufstellung genommen. Bei Letzterer ist Spiritual Gottswinter als Mitglied eingetragen.
Zum Schluss trat Oberin Schwester Benedicta Tschugg ans Mikrofon, um ihren Dank an alle an den Sanierungsarbeiten Beteiligten und alle Mitfeiernden auszusprechen. Besonderen Dank richtete sie an Kardinal Marx für die finanzielle Unterstützung durch das Ordinariat, ohne die die Maßnahmen nicht möglich gewesen wären. Dankbar seien die Schwestern auch dafür, dass ihnen mit Pfarrer Markus Gottswinter ein Spiritual „mit viel Liebe, Frömmigkeit und Kompetenz“ zur Seite gestellt worden sei. Die Besucher bekräftigten dies mit Applaus.
Schwester Benedicta: „Herrscht wieder Frieden am Reutberg“
„Durch ihre Zugewandtheit herrscht heute am Reutberg Frieden“, wandte sich die Klosterleiterin an Marx, „denn, wie ein Bibelwort sagt, der Wolf und das Lamm weiden wieder miteinander.“ Schwester Benedicta spielte damit auf die Diskrepanzen an, die aufgetreten waren, als das Ordinariat das Kloster wegen mangelndem Nachwuchs aufzulösen gedachte. Als letzter Ausweg erschien den Klosterfreunden damals, in Rom vorzusprechen, obwohl dort schon früher das Aus am Reutberg programmiert schien. Dennoch fanden die Sachsenkamer und ihr Bittgesuch dann mit Pater Clemens einen wohlwollenden Ansprechpartner und letztlich Gehör: Als Folge wurde der Konvent 2018 der erzbischöflichen Aufsicht entzogen und mit Schwester Benedicta als Apostolischer Kommissarin Rom zugeordnet. Spätere finanzielle Hilfen vom Ordinariat standen somit infrage.
Dass mittlerweile wieder Frieden herrscht zwischen Kloster Reutberg und Ordinariat, zeigte sich beim weltlichen Teil des Festtages, der in großer geselliger Runde bei Sommerwetter, Speis und Trank und Blasmusik im Klosterhof gefeiert wurde. (Rosi Bauer)