Kleinod: Beliebte Wallfahrtskirche in Oberbayern erstrahlt in neuem Glanz

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Freuen sich über das Ende der Renovierungsarbeiten: (v.li.) Architekt Hermann Thurner, Projektleiter Hans-Jürgen Dennemarck, Schwester Benedicta Tschugg und Spiritual Markus Gottswinter. © Arndt Pröhl

Die Reutberger Klosterkirche ist ein Kleinod. Jetzt ist die vierjährige Sanierung abgeschlossen. Am 14. Juni wird Wiedereröffnung gefeiert.

Sachsenkam/Reutberg – Vier Jahre Bauzeit und knapp drei Millionen investierte Euro liegen hinter Projektleiter Hans-Jürgen Dennemarck und Architekt Hermann Thurner. In diesen Tagen werden noch Restarbeiten erledigt, dann erstrahlt die Reutberger Klosterkirche in neuem Glanz. Am kommenden Samstag, 14. Juni, wird die Wiedereröffnung mit einem Festgottesdienst gefeiert. Dazu kommt Kardinal Reinhard Marx. Im Anschluss gibt es ein Mittagessen im Klosterhof. „Der Klosterochse ist schon geschlachtet“, berichtet Schwester Benedicta Tschugg, die das Kloster seit 2018 leitet. Zudem gibt es Bier, Eis sowie Kaffee und Kuchen. Damit alle Platz finden, wird der gesamte Klosterhof bestuhlt. Dorthin wird auch bereits der Gottesdienst in Ton und Bild übertragen. Denn die Kirche fasst nur rund 120 Besucher. Etwa 300 Plätze gibt es im Innenhof.

Sechs Schwestern leben mittlerweile wieder am Reutberg

Die ersten Arbeiten an der Wallfahrtskirche begannen bereits 2012. Kirchturm und Dachstuhl wiesen gravierende Schäden auf, Notsicherungen waren notwendig. In den Jahren danach folgten eingehende Untersuchungen – auch des Kircheninnenraums. Gutachten wurden erstellt, Maßnahmen diskutiert und mit den Vertretern des Landesamts für Denkmalpflege abgesprochen. Allerdings war zu dieser Zeit die Zukunft des Klosters unklar, sogar die Auflösung stand im Raum. Zwischenzeitlich lebten nur noch zwei Franziskanerinnen in den Räumlichkeiten. Mittlerweile ist das Kloster wieder Heimat für sechs Schwestern, berichtet Schwester Benedicta. Seit vergangenen Herbst gibt es mit Markus Gottswinter auch wieder einen Spiritual.

Instandsetzung des Turms, Sanierung des Dachstuhls

Die eigentlichen Arbeiten des ersten Bauabschnitts begannen im Frühjahr 2021. An die Außeninstandsetzung des Turms schloss sich die im Inneren an. In diesem Zuge wurde auch der Dachstuhl über der Kirche saniert. Mit dem Denkmalschutz war alles geklärt. „Doch dann hat sich das Landratsamt gemeldet und gesagt, dass wir doch eine Baugenehmigung brauchen, weil der Eingriff zu massiv ist“, sagt Dennemarck. Der eng getaktete Zeitplan drohte, ins Wanken zu geraten. „Es war ja auch noch in der Coronazeit. Das heißt: Wir konnten uns nicht mal schnell zusammensetzen.“ Doch nach einigen Diskussionen konnte auch diese Klippe umschifft werden.

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Die umfangreichsten Arbeiten standen dann bei der Innenrenovierung der Kirche ab dem Frühjahr 2023 an. Dafür musste das Gotteshaus geschlossen werden. Die Gläubigen zogen ins frisch sanierte Salettl am Klostergarten um. Das Angebot sei gut angenommen worden, sagt Schwester Benedicta. „Einigen war es aber auch zu eng.“

Die Renovierung der Klosterkirche Reutberg ist beendet (Foto: Arndt Pröhl)
Die Decken- und Wandgemälde wurden mittels Lasertechnik gereinigt. © Arndt Pröhl

Hackschnitzel aus dem klostereigenen Forst

Die bewegliche Ausstattung der Kirche, die Beichtstühle, die Einhausung von Orgel, Kanzel, Gestühl und Altären wurden eingelagert. Die Heizung wurde vollkommen neu konzipiert. Die großen Heizkörper, die unter anderem im Altarraum standen, sind verschwunden. Die Idee einer Fußbodenheizung wurde verworfen, „weil der Fußboden noch den historischen Belag aufweist“, sagt Dennemarck. Stattdessen setzt man auf eine sogenannte Bauteiltemperierung. An den Außenwänden laufen Leitungen entlang, die die Wand temperieren. Auch im Winter gelingt es so, die Raumtemperatur bei etwa zehn Grad zu halten. Geheizt wird übrigens nachhaltig mit Hackschnitzeln aus der klostereigenen Forstwirtschaft.

Wand- und Deckengemälde mit Lasertechnik gereinigt

Neue Wege beschritt man bei der Reinigung der Wand- und Deckengemälde. Sie wurden mittels Lasertechnik von der Rußschicht befreit, die sich in den vergangenen Jahrzehnten wie eine dunkle Decke über die Malereien gelegt hatte. Auch Ausstattung und Gemälde wurden gereinigt und konserviert. Dabei kam das eine oder andere Unerwartete ans Licht. Beispielsweise wurde der kaputte Drehmechanismus an einem Seitenaltar wieder gangbar gemacht, wie Spiritual Gottswinter berichtet. Zum Vorschein kam eine Kopie des Schweißtuches der heiligen Veronika. Das Original befindet sich im Petersdom. Die Kopie sei sehr gut erhalten, „weil sie sich wegen des kaputten Drehmechanismus‘ die letzten 100 Jahre in Dunkelheit befand“, so Gottswinter. Am anderen Seitenaltar kümmerte sich beim Pressetermin gerade Restauratorin Johanna Kreil um die letzten Arbeiten an einem Perlmuttrahmen. Den wird man später allerdings nicht mehr sehen, er liegt versteckt unter dem Altartuch.

Spiritual Markus Gottswinter zeigt den Drehmechanismus, der bei der Sanierung wieder gangbar gemacht wurde.
Spiritual Markus Gottswinter zeigt den Drehmechanismus, der bei der Sanierung wieder gangbar gemacht wurde. © Arndt Pröhl

Zurück zur barocken Originalfassung

Im Zuge der Renovierung mussten viele Entscheidungen getroffen werden. Das letzte Wort hatten stets die Schwestern. „Wir haben ihnen einiges abverlangt“, sagt Dennemarck. Die gravierendste Entscheidung stand mit Blick auf das Presbyterium an. Sollte die Gestaltung des Altarraums in der Fassung der letzten Renovierung von 1961 erhalten werden oder wollte man zurückkehren zur barocken Originalfassung? Die Schwestern entschieden sich für Letzteres. Statt der grauen Natursteinimitation gibt es nun rötliches, ziegelimitierendes gemaltes Mauerwerk. Darüber wölbt sich der dunkelblaue Himmel mit seinen 67 Sternen. Ergänzt worden sei hier ein Sternenkranz über dem Altar, erklärt Architekt Thurner.

Veranstaltungen

Freitag, 13. Juni, 19 Uhr: Mariensingen in der Klosterkirche mit dem Sagschneider Dreigsang, der Geigenmusi Hoib & Hoib, der Gaißacher Zithermusi und den Wackersberger Bläsern; Sprecher: Martin Wieland;

Samstag, 14. Juni, 10 Uhr: Festgottesdienst mit Kardinal Reinhard Marx; anschließend Mittagessen für alle im Klosterhof; 15 und 16 Uhr: Kirchenführungen;

Samstag, 21. Juni, 15 Uhr: Kirchenführung; 19 Uhr: Orgelvesper zu Ehren von Schwester Fidelis Weiß mit der Uraufführung der „Sonatina über das Fidelis-Lied“ von Luigi Mengoni; Organist: Heinrich Wimmer

Lampen sind eine Spezialanfertigung

Neu ist auch die Beleuchtung mit LED. Die Lampen sind eine Spezialanfertigung für den Reutberg und wurden von der Tölzer Firma Späth entworfen. „Sie sind sehr reduziert und fügen sich gut ein“, sagt Thurner.

Die Gesamtkosten der Sanierung liegen bei knapp unter 3 Millionen Euro. Zwei Drittel kommen aus kirchlichen Mitteln, privaten Spenden und klostereigenen Finanzmitteln. Der Rest wurde über Zuschüsse gedeckt. Unterstützung für die Maßnahme gab es von der Erzdiözese München und Freising, aus dem Denkmalschutz-Sonderprogramm des Bunds und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Aber auch die Bayerische Landesstiftung, Bezirk, die Meitinger- und die Messerschmitt-Stiftung, die Gemeinde Sachsenkam und der Förderverein des Klosters trugen zur Finanzierung bei.

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