Zur Reinigung der Fresken kam im Kloster Reutberg eine innovative Technik zum Einsatz, die in unseren Breiten bisher kaum angewandt wurde. Das Ergebnis ist verblüffend.
Sachsenkam – Die Fresken in der Klosterkirche Reutberg erstrahlen in neuem Glanz. Wie Spiritual Markus Gottswinter berichtet, wurde die aufwendige Reinigung der Malereien mittels moderner Lasertechnik vor wenigen Tagen abgeschlossen. Wenn die Kirche nach der Innensanierung im Frühjahr 2025 wieder öffnet, werde sich für die Schwestern und die Besucher somit wieder ein „ursprünglicher Blick in den Himmel des 18. Jahrhunderts“ auftun, freut sich der Geistliche. „Die spirituelle Heiterkeit und Freude dieser Malereien wird uns auch wieder zeigen, dass reiche Vergangenheit und modernste Technik in unseren Landen zusammengehören, besonders auch auf dem Reutberg“, sagt er.
Rußschicht auf Fresken der Klosterkirche Reutberg
Bei der Freskenmalerei werde Farbe auf feuchtem Putz aufgetragen, erklärt Gottswinter. Das sei „eine seit Jahrhunderten bewährte Maltechnik“, bei der die Farben über lange Zeiträume ihre Frische und einen besonderen Glanz bewahren. „In Bayern erlebte die Freskomalerei im 18. Jahrhundert ihren Höhepunkt“, so der Spiritual. Auch als in den 1720er-Jahren die Klosterkirche auf dem Reutberg neu gebaut wurde, habe man sich dieser Technik bedient. „Die gesamte Decke der Kirche ist mit Bildern gestaltet, sogar der Stuck samt seinen Schattenlinien ist ,nur‘ gemalt.“
Über viele Jahrzehnte hinweg habe sich aber eine Rußschicht über den Malereien gebildet, verursacht zum Beispiel durch das Abbrennen von Wachskerzen, durch Weihrauch und die Beheizung des Kirchenraums. Immerhin handle es sich bei der Kirche um kein Museum, sondern sie sei bis zu siebenmal am Tag Ort des Gebets der Schwestern, zudem werde hier Gottesdienst gefeiert.
Laser-Technik kam auch in Vatikanischen Museem zum Einsatz
Um die ursprüngliche Intention der Raumschale wieder sichtbar zu machen, sei nun eine Reinigung der Fresken notwendig gewesen. Das große Problem dabei: „Jede Reinigung bringt die Gefahr mit sich, dass Teile des originalen Bildes verloren gehen“, so Gottsweiler. „Je größer der Grad der Verschmutzung, desto gravierender können die herkömmlichen Techniken der Reinigung für die Originalsubstanz sein.“
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Am Reutberg hätten alle Beteiligten beschlossen, „eine Technik der Reinigung zu wagen, die bei uns bisher eher weniger bekannt war, in Italien aber schon mehrfach angewendet worden ist, auch in den Vatikanischen Museen, nämlich eine Reinigung der Fresken mit einem Laserstrahl“, berichtet der Pfarrer. Durch diese neue Art der Reinigung werde die ursprüngliche Malschicht nicht berührt. „Der Laser entfernt den Schmutz auf der Farbschicht, und dieser löst sich im wahrsten Sinne in Rauch auf, welcher einfach abgesaugt werden kann.“
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Spezial-Firma am Reutberg im Einsatz
In Deutschland gibt es laut Gottsweiler derzeit nur eine Firma, die diese komplexe Art der Reinigung anbietet: die Weißenhorner Restaurierungswerkstätte Amann aus dem schwäbischen Landkreis Neu-Ulm. Diese verfüge über das neuste Gerät für eine Reinigung ohne mechanische oder chemische Belastung. Seit dem Frühjahr sei diese Firma nun auf dem Reutberg tätig gewesen. Mit dem Ergebnis ist Gottsweiler hochzufrieden. „Die Ausmalung der Klosterkirche ist wieder so zu sehen wie in der Zeit, als sie geschaffen wurde.“ Wie der Spiritual betont, sei die Technik in Reutberg „zum ersten Mal in unseren Breiten großflächig zum Einsatz“ gekommen.
Vor Ort ein Bild machte sich kürzlich der Bundestags-Abgeordnete Karl Bär (Grüne) aus Holzkirchen. Kurz vor Abschluss der Maßnahmen führte ihm Restauratorin Denise Nistor die Reinigungstechnik vor. Bär hatte sich laut Gottsweiler für eine finanzielle Förderung der Sanierung eingesetzt. (ast)