Er ist 36 Jahre alt, hat drei Kinder, arbeitet als Ingenieur – und wohnt in seinem Kinderzimmer in Oberbayern. Die absurde Geschichte eines Vaters, bei dem vieles schiefging.
Kirchweidach – 2018 blickte Christian Kloner noch in eine sichere Zukunft. Eine Zukunft, auf die er sich freuen konnte. Gemeinsam mit seiner Frau baute er ein Haus, in das das Paar mit seinen drei Kindern – heute sechs, sechs und acht Jahre alt – einzog. Doch nun, knapp acht Jahre später, läuft die Scheidung. Und der 36-jährige Ingenieur verliert auf einen Schlag diese vielversprechende Zukunft.
Eigene Haushälfte mieten war zu teuer – Ingenieur zieht zurück ins Elternhaus
Schon vor zwei Jahren zog Kloner aus dem gemeinsamen Haus aus. Erst mietete er sich eine Haushälfte in der Nähe an. „Ich wollte genug Platz haben, wenn mich die Kinder besuchen“, erzählt der Vater im Gespräch mit unserer Redaktion. Doch dafür hat er 1700 Euro Miete im Monat gezahlt – und der Unterhalt für seine Kinder von 2000 Euro kommt noch obendrauf. Selbst ein Ingenieur kann sich das auf Dauer nicht leisten. Deswegen hat er die Haushälfte aufgegeben und wohnt nun bei seinen Eltern in Kirchweidach im Landkreis Altötting (Oberbayern).
„Ich hätte eine neue Wohnung gesucht“, erklärt sich Kloner schon fast etwas verzweifelt, „aber mit dem Geld, das mir im Monat übrig bleibt, nimmt mich keiner.“ Sein Kinderzimmer war für ihn die einzige Option. „Wenn meine Eltern nicht wären, müsste ich auf der Straße leben“, ist ihm klar.
„Will endlich wieder flüssig sein“: 36-jähriger Vater kämpft mit finanzieller Notlage
Doch wie konnte es überhaupt so weit kommen? Viele Streitereien mit seiner Noch-Frau seien der Grund. „Sie hat die Kommunikation größtenteils eingestellt und macht mir vor Gericht noch alles schwerer“, erzählt Kloner aus seiner Sicht. Sie zögere auch die Scheidung hinaus – das habe für sie finanzielle Vorteile. Bis die Scheidung nicht durch ist, könne ihr Haus nicht zwangsversteigert werden. „Und darin steckt das meiste meines Geldes“, klagt der Vater. Das Haus sei rund eine Dreiviertelmillion Euro wert, den Großteil davon habe das Ehepaar bereits abbezahlt. Kloner seufzt ins Telefon: „Ich will endlich wieder flüssig sein.“ Ihm bleibt nichts anderes übrig, als abzuwarten, bis die Scheidung gültig ist – doch mit allem Drum und Dran kann das drei bis fünf Jahre dauern.
Eingeschränkter Kontakt zu Kindern: „Fühle mich von meiner Vaterrolle verdrängt“
Wären die finanziellen Probleme nicht schon Druck genug, erschwert ihm seine Frau den Kontakt zu seinen Kindern. Vor Gericht hat sie das Sorgerecht gewonnen. Das bedeutet für den Vater, dass er die Sprösslinge nur jedes zweite Wochenende und in der Hälfte der Ferien sehen darf. „Ich hätte die Kinder gerne zu 50 Prozent betreut, aber meine Frau wollte das nicht“, erzählt der Ingenieur. „Eigentlich haben wir uns die Arbeit immer aufgeteilt und ich war sehr engagiert.“ Er habe die Kinder zum Beispiel vom Kindergarten abgeholt und sei im Elternbeirat gewesen. Kloners Stimme klingt traurig, als er sein Fazit zu diesem Gerichtsurteil schließt: „Ich fühle mich von meiner Vaterrolle verdrängt.“
Von seinem Elternhaus bis zu seinem bisherigen Wohnort fährt er ungefähr anderthalb Stunden – die Kinder einfach mal wo abzuholen, ist deutlich komplizierter, Zeit und Spritkosten gehen drauf. Trotzdem wurde er von seinem Umfeld schon öfter als schlechter Vater abgestempelt. „Sie sehen nur, dass ich seltener da bin, kennen die Hintergründe aber gar nicht“, ärgert sich der 36-Jährige. Für ihn sei das ein gesellschaftliches Problem. „Jeder urteilt.“
Große Umstellung zurück im Kinderzimmer – es hat auch positive Aspekte
Der Umzug ins Kinderzimmer ist ein harter Rückschlag für Kloner. Doch er sieht auch die positiven Aspekte daran. „Es ist schön, wieder mehr Zeit mit meinen Eltern zu verbringen“, findet er. „Ich habe gelernt, die Zeit zu schätzen, die mir mit der älteren Generation noch bleibt.“ Die Familie hilft zusammen, sie teilen sich den Haushalt auf. Sein Papa ist in Rente, er kocht deswegen oft.
Nichtsdestotrotz: Es gibt Probleme. Möchte er Gäste einladen, muss er zuerst die Eltern fragen. Da komme er sich wie in der Zeit zurückversetzt vor. Wenn ihn seine Kinder besuchen, können zwar auch Oma und Opa auf sie aufpassen – doch mit zunehmendem Alter wird das anstrengender für sie. Besonders in den Sommerferien, wenn die Sprösslinge dann mal drei Wochen am Stück bei den Großeltern sind.
Kloner hat Rat für andere Betroffene – „Gibt viel schlimmere Schicksale“
Letztendlich will Kloner positiv denken und sieht seine Situation als „first world problem“. „Wir sind alle gesund und es gibt viel schlimmere Schicksale“, ist ihm bewusst. Man müsse die kleinen Dinge im Leben schätzen. Einen Tipp für andere Betroffene hat der Vater auch: Es gebe viele Beratungsstellen für solche Lagen, auch er habe diese aufgesucht. Man dürfe seine Trauer auch nicht in Alkohol ertränken. Und: „Immer nach vorne blicken!“ (Quelle: eigene Recherche) (res)
Auch Lars aus Bayern musste nach seiner Trennung zurück ins Kinderzimmer ziehen und erzählt von seinen Erfahrungen.