Lukas Wolf hat einen vor Jahren gefassten Plan in die Tat umgesetzt und ein Iglu gebaut. Kürzlich folgte dann gleich die Krönung – und dann die Ernüchterung.
Kriegenbrunn – Zwei Jahre lang musste der Franke Lukas Wolf (26) auf die richtigen Wetterbedingungen warten. In dieser Zeit des Wartens nervte er seine Freunde regelmäßig mit seiner Idee, ein Iglu zu bauen – zur Not auch in den Bergen beim Skifahren. Sie lehnten dankend ab: „Wir sind zum Skifahren hier, Lukas“, erinnert sich der Iglu-Bauer rückblickend im Gespräch mit unserer Redaktion. Jetzt, Anfang 2026, war es aber endlich so weit: In Bayern sorgten tiefe Temperaturen dafür, dass Lukas seinen Traum wahr werden lassen konnte.
„Es war sau kalt“: Iglu-Bauer berichtet von harter Arbeit – doch das Ergebnis kann sich sehen lassen
Vor drei Jahren zog Lukas Wolf nach Kriegenbrunn, einem Gemeindeteil Erlangens in Mittelfranken. Als der gelernte Baumpfleger damals an einem zugefrorenen, örtlichen Weiher mit der Motorsäge einen Eisblock heraussägte, war er fasziniert, wie schön sich die Sonne in dem sauberen Eis spiegelte. Damit müsste man doch ein fantastisches Iglu bauen können, dachte er sich. Die Idee war geboren.
Schnitt. Januar 2026. Der Winter hat Bayern fest im Griff, kalt ist es im Freistaat. Endlich, denkt sich Wolf, und trommelt seine Freunde Luana, Teresa, Alex und Fred zusammen. Zwischen sechs- und siebenhundert Eisblöcke wurden aus dem Kriegenbrunner Weiher herausgesägt und mühsam zu einem Iglu zusammengebaut. „Es war echt viel zu tun, und sau kalt“, so Lukas. Aber die Arbeit hat sich gelohnt. Am Ende stand ein Iglu in Mittelfranken, 1,90 Meter hoch, 2,40 Meter breit. Für Lukas Wolf die Erfüllung eines Traums.
Zur Feier des Iglus spornten seine Freunde – die selbst aber dankend ablehnten, berichtet der Kriegenbrunner lachend – Lukas an, in dem Iglu zu übernachten. Und er zog es durch. „Es war unfassbar kalt, aber auch unfassbar schön“, berichtet er. Mit vielen Lagen Decken, Bettlaken und Bettlaken hielt er sich so warm, dass er zwischendurch sogar aufwachte, weil „mir zu heiß wurde“, lacht er. Besonders beeindruckend findet er auch die Fotos, die das Iglu bei Nacht zeigen. „Absolut unfassbar“. Kaum jemand hätte ihm geglaubt, dass das Iglu in Bayern stehe. Doch dabei sollte es nicht bleiben.
„Wir wollen einfach Freude bereiten“: Besucher pilgern zum Iglu – kommt auch Markus Söder?
Ein weiteres Highlight für die Freundesgruppe: die Freude, die sie mit dem Iglu vielen, vielen Leuten bereiten. Denn mit ihrem eisigen Bauwerk lösten sie einen echten Besucheransturm aus. Die Rede vom Iglu habe sich verbreitet „wie ein Lauffeuer“, in so einem kleinen Ort wie Kriegenbrunn bleibe es sowieso nicht lange unbemerkt, wenn jemand „mit einer Kettensäge am Weiher zu Werke ist“.
Binnen kürzester Zeit berichteten Radio und Fernsehen von dem Iglu, Besucher pilgerten laut Wolf förmlich an den Weiher, was ihn und seine Freunde riesig freut. Sie räumten anschließend ein Feld frei, auf dem Leute Schlittschuh liefen, und legten eine kleine Schlittenbahn an. Sogar Erlangens Bürgermeister Florian Janik schaute vorbei, wischte die Bedenken einer fehlenden Baugenehmigung kurzerhand weg und erklärte, es handle sich um einen „fliegenden Bau“, wodurch alles in Ordnung sei. „Natürlich“ müsse niemand etwas bezahlen, um das Iglu zu sehen. „Wir wollten einfach Freude bereiten“, erklärt Wolf. Er werde aber noch ein Schild aufstellen, dass das Betreten auf eigene Gefahr erfolge – nur zur Sicherheit.
Die Rückmeldung auf eine besondere Einladung steht derweil noch aus. Wie Wolf abschließend erzählt, habe er auch Markus Söder eingeladen, im Rahmen seiner Instagram-Serie „Söderisst“ das besondere Wildgulasch seiner Mutter in dem Iglu zu genießen. Er „fände es schon sehr cool“, wenn der Ministerpräsident vorbeischaue. Doch wie in einem Drama folgt noch ein dritter Akt – ohne Happy End.
„Hat mir weh getan“: Lukas muss Iglu wieder abreißen – zum Schutz der Natur
Am Freitagmorgen, 9. Januar, steht das Iglu nicht mehr. Lukas hat es abgerissen, wie er unserer Redaktion mitteilte. Der Hype um das Iglu wurde ihm schließlich zum Verhängnis – denn es kamen schlicht zu viele Besucher. „Uns liegt die Natur sehr am Herzen“, erklärt Lukas. Und um diese vor den vielen Menschen zu schützen, entschieden sie sich, das Iglu abzubauen. Was trotzdem „super schade“ sei. Aber der Lärm und die Abgase der Autos sowie die mögliche Müllverschmutzung seien einfach zu viel.
Nun blickt der 26-Jährige „mit einem lachenden und einem weinenden Auge“ auf das Iglu zurück. Einerseits ist er glücklich, dass das Iglu so vielen Menschen eine Freude gemacht hätte, andererseits sei die Realität nunmal, dass die Besucher eine Belastung für die Natur darstellen, besonders, da sich der Bereich in einem Landschaftsschutzgebiet befindet. Er bittet daher, auf künftige Besuche zu verzichten. Somit hat das Iglu zwar nur kurz, dafür aber für sehr viel Freude gesorgt. (Quelle: Interview mit Lukas Wolf), (fhz)