Vor einer Urlaubsregion ist in der Adria ein mysteriöser Meeresbewohner aufgetaucht. Menschen bekommen den Hai nur äußerst selten zu Gesicht.
Vlora – Kaum einer kennt den Tiefseefisch, der jetzt von Forschern in der südlichen Adria entdeckt wurde. Dabei ist er nicht nur äußerst selten zu sehen – auch, weil er vom Aussterben bedroht ist. Bei dem jüngsten Fund handelte es sich dazu noch um ein einzigartiges Exemplar.
Hai im Netz verfangen: Forscher machen einzigartigen Fund in der Adria
Dabei geht es um die gefleckte Meersau (Oxynotus centrina), die vor der Küste der albanischen Hafenstadt Vlora entdeckt wurde. Eine Haiart aus der Gattung der Schweinshaie. Im Englischen ist sie auch als „roughshark“ (dt.: „rauer Hai“) bekannt. Das Tier hatte sich im Schleppnetz eines Trawlers – ein Schiff für die Hochseefischerei – verfangen, teilte Elias Neuman, Meeresbiologe und Fotograf, in einem Instagram-Post mit.
Auf dem dazugehörigen Bild war die gefleckte Meersau zu sehen. Doch sie wirkte ganz anders als ihre Artgenossen. Das Forschungsteam um den Haiexperten Andrej Gajić konnte erstmals eine Pigmentstörung bei diesem Raubfisch feststellen. Damit handelt es sich um die erste Defektmutation in der Gattung. Die Ergebnisse wurden im Journal of Fish Biology veröffentlicht. „Der Hai wies eine teilweise Verringerung der Pigmentierung auf, was zu einem insgesamt blassen Erscheinungsbild mit weiß-gräulichen Flecken führte“, so die Forscher. In der Regel ist der Hai dunkelgrau bis braun.
| Merkmale des entdeckten Hais | |
|---|---|
| Färbung | blass mit weiß-gräulichen Flecken; Schwanz, Rückenflosse und Rumpf waren fast weiß |
| Geschlecht | männlich |
| Länge | 64,5 Zentimenter |
| Gewicht | 2,4 Kilogramm |
Da die Augen des Tiefseebewohners normal pigmentiert waren, wurde er als leuzistisch eingestuft – also nur ein teilweiser Pigmentverlust. „Dies ist der erste dokumentierte Fall von Leuzismus bei dieser Art“, hieß es weiter. Eine besondere Erkenntnis: Die Pigmentstörung scheint das Überleben und Wachstum von Tiefseehaien nicht zu beeinträchtigen. Zum Glück, denn durch die mangelnde Pigmentierung können Lebewesen in der Tiefsee leichter als Beute erkannt werden.
Mensch bekommt ihn nur selten zu Gesicht: Forscher entdecken außergewöhnlichen Hai in der Adria
Die meisten Pigmentstörungen seien genetisch bedingt, erklärte Gajić dem kroatischen Nachrichtenportal Morski.hr. Die besondere Färbung könnte jedoch auch durch hormonelle Veränderungen oder Umweltfaktoren beeinflusst werden. „Der Einfluss von anthropogenem Stress, erhöhter Temperatur und Inzucht in isolierten Populationen“ sei diesbezüglich noch nicht ausreichend untersucht.
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Obwohl diese Art auch im Mittelmeer vorkommt, bekommt der Mensch die gefleckte Meersau nur selten zu Gesicht. Sie bevorzugt tiefe Gewässer zwischen 50 und 600 Metern. Auch in Italien wurde die gefleckte Meersau bereits entdeckt. Da noch nicht viel über diesen Raubfisch bekannt ist, gilt er als einer der mysteriösesten Haie überhaupt. Mit einer Körperlänge von bis zu 1,50 Meter ist er im Vergleich zu anderen Hai-Arten eher klein. Er ist vom Aussterben bedroht und steht daher auf der „Roten Liste“ gefährdeter Arten.
Dagegen entdeckte kürzlich eine Kroatien-Urlauberin gleich zwei Haie an einem Adria-Strand. Haiangriffe kommen zwar selten vor. Im Sommer starb allerdings eine Touristin aus Deutschland durch einen Haiangriff vor den Kanaren. (kas)