Arnzells gute Stube: der „Wackerl“

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Maria Wackerl und ihr Mann Lorenz betreiben seit 2019 die beliebte Dorfwirtschaft in Arnzell, und auch die Kinder Michael und Marlena arbeiten schon ein bisschen mit. © ost

Das Gasthaus Wackerl ist seit über 100 Jahren ein Treffpunkt der Dorfgemeinschaft. Wie kann die Wirtschaft überleben?

Laut dem Hotel- und Gaststättenverband Dehoga könnten mehr als 2000 Betriebe in Bayern dieses Jahr schließen. Gerade auf dem Land klagen Wirte über die Rückkehr zum höheren Mehrwertsteuersatz, explodierende Energiepreise und Fachkräftemangel.

Gegen den Trend des Wirtshaussterbens

Auch der Landkreis Dachau ist vom Wirtshaussterben bedroht. Umso erfreulicher ist es, dass es dennoch kleinere Orte gibt, die Wirtshäuser haben, deren Wirte sich gegen den Trend stemmen, und deren Gastronomie mit Leben gefüllt ist. Dazu zählt das Zwölf-Häuser-Dorf Arnzell, wo der traditionsreiche Wackerl-Wirt von Gästen aus nah und fern geschätzt wird.

Den Familiennamen Wackerl gibt es in Arnzell schon seit 1788. Ein Blick in alte Aufzeichnungen zeigt, dass es auf dem Wackerl-Hof neben der Landwirtschaft schon seit 1903 die Gastwirtschaft gibt. Mittlerweile werden dort in vierter Generation Gäste bewirtet.

Johann Wackerl und dessen Frau Katharina, die aus dem nahen Eichhofen kam, waren die ersten Wirtsleut. Sie hatten acht Kinder, doch das Familienglück endete, als das Familienoberhaupt 1920 seinen Verletzungen aus dem Ersten Weltkrieg erlag. Sohn Josef Wackerl, den viele ältere Gäste noch kennen, führte daraufhin Landwirtschaft und Gastwirtschaft zusammen mit seiner Frau Maria fort.

Neffe übernimmt 1973 den Betrieb

Diese Ehe blieb aber kinderlos, sodass Neffe Michael Wackerl aus Ried 1973 den Betrieb übernahm und in Hildegard Baumann aus Niederroth im Jahre 1979 eine tüchtige Wirtin fand. Michael Wackerl, der leidenschaftlich gerne Bauer und Gastwirt war, verstarb allerdings auch schon sehr früh, im Jahr 2014. Den Leuten am Stammtisch zuzuhören, war sein Leben. „Er brauchte keinen Urlaub, daheim in der Gaststube mit den Gästen ins Gespräch zu kommen, war ihm viel lieber“, erinnert sich Tochter Maria, die den Betrieb im Gasthaus 2015 übernahm und seit 2019 mit Ehemann Lorenz Hecht stetig ausbaut.

Johann Wackerl und Gattin Katharina hatten 1903 mit der Gastronomie in Arnzell begonnen.
Johann Wackerl und Gattin Katharina hatten 1903 mit der Gastronomie in Arnzell begonnen. © mm-archiv

Ackerbau wird nach wie vor betrieben, doch Vieh gibt es auf dem Wackerl-Hof nicht mehr. Der Schwerpunkt liegt eindeutig auf der Gastronomie. Bereits 1969 war an das Wirtshaus ein Saal angebaut worden, der 150 Gästen Platz bietet und sich für Familienfeiern, Hochzeiten und die alljährlichen Theateraufführungen der Langenpettenbacher Jugend bestens eignet. Zudem finden dort viele Versammlungen, etwa von Landwirtschaft- oder Waldbauernverbänden in Arnzell statt. Schon in den 70er-Jahren gab es alle 14 Tage im Wackerl-Saal Tanzveranstaltungen, wo die damals weitum bekannte Band „Tromsa Combo“ aufspielte und auch in der Kellerbar Hochbetrieb herrschte.

Vereine freuen sich über Veranstaltungssaal

Das mit den Tanzveranstaltungen hörte sich allerdings mit der Zeit der Discos nach und nach auf. Aber nicht zuletzt wegen des Schützenvereins Schützenlust Wagenried-Arnzell, der beim Wackerl seine Heimat hat, ist immer was los in dem kleinen Arnzell. Auch die Feuerwehr Eichhofen nennt den Wackerl-Wirt ihre gastronomische Heimat und die Arnzeller Sänger halten all ihre Veranstaltungen mit Volksmusikgruppen beim Wackerl-Wirt ab. Seit die Wirtschaft im nahen Westerholzhausen geschlossen hat, schießen die dortigen Hochland-Schützen in Arnzell. „Ganz wichtig ist uns, dass wir uns hier gut bewirtet wissen“, unterstreicht Schützenmeister Helmut Czech.

Michael Wackerl war von 1973 bis zu seinem Tod im Jahr 2014 Gastwirt mit Leib und Seele.
Michael Wackerl war von 1973 bis zu seinem Tod im Jahr 2014 Gastwirt mit Leib und Seele. © ost

Großen Zuspruch in der Sommerzeit finden auch Biergartenfeste vor dem Wirtshaus. Die junge Wirtin führt Regie in der Küche und der Wirt hat seinen Arbeitsplatz an der Schenke. Das scheint auch das Geheimnis des Erfolgs zu sein: Beim Wackerl handelt es sich um einen reinen Familienbetrieb, der bei größeren Veranstaltungen mit Leuten aus der Verwandtschaft und Bekannten unterstützt wird. „Ohne sie würde es nicht gehen, für deren Mithilfe sind wir dankbar“, so die Wirtin. Der Stammtisch, der immer sonntags und mittwochs stattfindet, wird übrigens von der Oma betreut. Und auch die legendären Arnzeller Schanzenfeste wollen die Wirtsleute fortführen. 

Apropos, fortführen: Die fünfte Generation Wackerl steht schon in den Startlöchern. Die Kinder von Maria und Lorenz, der fünfjährige Michael und die dreijährige Marlena, wachsen in und mit der Gastronomie auf. Der kleine Michael hat sich von seinem Papa schon das Wichtigste abgeschaut, wie er stolz erklärt: „Eischenga konn i scho!“

ost

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