Kräuterbuschen: Oberbayerin gibt Tipps – Alte Tradition mit viel Magie

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Kräuterpädagogin Anneliese Stockinger mit einer Königskerze. © Arndt Pröhl

Zum Fest Mariä Himmelfahrt gehört der Brauch, Kräuterbuschen zu binden und weihen zu lassen. Kräuterpädagogin Anneliese Stockinger aus Bad Heilbrunn erklärt, woher die Tradition stammt und worauf sie beim Binden der Kräuter achtet.

Mariä Himmelfahrt steht vor der Tür. Aber was muss man beim Kräuterbuschen-Binden beachten? Der Buschen müsse aus mindestens sieben Hauptkräutern bestehen, so Stockinger: Königskerze, Wermut, Kamille, Johanniskraut, Salbei, Spitzwegerich und Arnika. „Das Wichtigste ist die Königskerze. Man beginnt mit ihr in der Mitte und bindet die anderen Kräuter um sie herum.“

Sieben Hauptkräuter für Buschen

Die sieben Hauptkräuter können beliebig erweitert werden, etwa um sogenannte Marienpflanzen, wie Gänseblümchen, Veilchen, Rosen oder Lilien. Jede Pflanze hat eine eigene Bedeutung. Die weiße Lilie symbolisiere zum Beispiel die Reinheit und Unschuld. Doch auch beliebige Kräuter aus dem Garten dürfen laut Stockinger in den Buschen. „Wichtig ist nur, dass es eine magische Zahl ist. Das sind zum Beispiel 7, 9, 12, 15 oder 19.“

Tradition führt zurück ins 10. Jahrhundert

Bereits seit dem 10. Jahrhundert gibt es die Kräuterweihe an Mariä Himmelfahrt. Einer Legende zufolge soll ein wundersamer Kräuterduft das Grab Marias erfüllt haben. Die Tradition sei über die Jahre weitgehend gleichgeblieben, sagt die Kräuterpädagogin, „aber heutzutage interessieren sich viele für Kräuter und haben selbst welche im Garten, deshalb werden die Buschen bunter und vielfältiger.“ Früher kamen zudem noch Rohrkolben hinein, die mittlerweile aber unter Naturschutz stehen. Deshalb darf man sie nur aus dem eigenen Garten pflücken. Teils gebe es regionale Unterschiede. „In Kochel am See werden viel längere Buschen gebunden, die sehen schon fast aus wie Bouquets. Hier bei uns sind sie eher kürzer. Auch die Bindeart kann unterschiedlich sein“, erklärt Stockinger.

Verschiedene Kräuter aus Stockingers Garten werden in die Kräuterbuschen gebunden.
Verschiedene Kräuter aus Stockingers Garten werden in die Kräuterbuschen gebunden. © Arndt Pröhl

Nach der Weihe werden die Kräuterbuschen kopfüber in den Herrgottswinkel oder unter die Dachbalken gesteckt oder gehängt. „Die geweihten Kräuterbuschen sollen die Bewohner des Hauses vor Krankheiten, Unwetter und anderen Katastrophen beschützen. Früher hat man auch noch bei Gewittern die Kräuter ins offene Feuer geworfen, um Blitze abzuwehren. Auch den kranken Tieren hat man die Kräuter ins Futter gemischt“, erzählt Stockinger.

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Ihre eigene Verbindung zu den Kräuterbuschen besteht seit ihrer Kindheit: „Mein Interesse an Kräutern kam von meiner Oma, mit der wir immer zusammen Kräuter für den Tee gesammelt haben.“ Beruflich ging die Heilbrunnerin ihrer Leidenschaft aber erst mit über 50 nach, nachdem sie 35 Jahre im Pfarrbüro gearbeitet hatte. „Meine Familie hat mich sehr darin bestärkt, die Ausbildung zur Kräuterpädagogin zu machen. Jetzt bin ich damit sehr glücklich“, betont Stockinger. „Man nimmt die Natur ganz anders wahr. Da lernt man nie aus.“

Weitergabe des Wissens wichtig

Was ihr besonders am Herzen liegt, ist die Weitergabe ihres Wissens. Auch zu Mariä Himmelfahrt bietet sie sowohl für Erwachsene als auch für Kinder Workshops und Kurse zum Sammeln und Binden der Kräuterbuschen im Kräuter-Erlebnis-Park in Bad Heilbrunn an.

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