Solar-Boom im Landkreis: Manchmal müssen sogar Anlagen abgeschaltet werden

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Nach wie vor werden im Landkreis täglich neue PV-Anlagen errichtet. © IMAGO/Christian Ender

Der Ausbau der erneuerbaren Energien im Landkreis nimmt weiter an Tempo zu. Binnen eines Jahres wurden rund 25 Prozent mehr Solarstrom produziert als zuvor. Das sorgt auch für Probleme.

Bad Tölz-Wolfratshausen – „Da ist gerade reichlich Dynamik drin“, sagt Andreas Scharli, Energieberater bei der Energiewende Oberland, im Gespräch mit der Heimatzeitung. Allein 2024 seien 1787 Photovoltaik (PV)-Anlagen im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen neu ans Netz gegangen. Die tatsächliche Zahl dürfte wohl noch um einiges höher liegen, weil die Daten nur für die Anlagen, die einspeisen können, vorliegen – also für Dachanlagen oder Freiflächen-PV-Anlagen. Dazu kommen noch unzählige Balkonkraftwerke im Landkreis.

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Preise für neue Anlagen sind stark gefallen

Kein Wunder, dass die sogenannte „installierte Leistung“, also die Menge, die unter Idealbedingungen von allen PV-Anlagen erzeugt werden kann, drastisch angestiegen ist. Waren es 2023 noch rund 83 Megawatt (83 000 Kilowatt), verzeichnete man 2024 einen Anstieg um über ein Viertel auf 106 Megawatt. Das liege an den sich stetig verbessernden Voraussetzungen, so Scharli. Im Vergleich zu 2022/2023, als aufgrund der Energiekrise Lieferprobleme und extrem hohe Preise bei den Komponenten von PV-Anlagen zu verzeichnen waren, sind in diesem und dem vergangenen Jahr die Preise stark gefallen. Solarpaneele, Wechselrichter und Speicher sind deutlich günstiger zu bekommen als in den Vorjahren. Dazu kommt, dass diese Produkte nach wie vor von der Mehrwertsteuer befreit sind, so Scharli. Das motiviere viele, Anlagen neu zu bauen oder bestehende zu erweitern.

Solarstrom-Erzeugung bringt auch Probleme mit sich

Gleichwohl bringt der sprunghafte Ausbau der Solarstromerzeugung im Landkreis auch Probleme mit sich, so Scharli. Denn die Netzkapazitäten wachsen nicht im gleichen Tempo an wie die Stromerzeugung. „Gerade an Sonntagen, wenn die Sonne scheint“, könnne es passieren, „dass einige Freiflächen-PV-Anlagen in der Region abgeschaltet werden müssen“, so Scharli. Das liege daran, dass dann sehr viel produziert, aber deutlich weniger als an Wochentagen abgenommen wird, weil die meisten Betriebe nicht arbeiten.

Scharli plädiert deswegen für flexible Lösungen – im Großen wie im Kleinen. So müsse darüber nachgedacht werden, ob man direkt neben Umspannwerken Anlagen installiere, in denen durch Elektrolyse mit überschüssigem Solarstrom grüner Wasserstoff erzeugt werden kann. Zudem würden die Großbatteriespeicher derzeit wie Pilze aus dem Boden schießen und zu solchen Spitzenproduktionszeiten regional erzeugten Strom in der Region speichern.

Flexible Stromtarife und Eigenverbrauch

Auch Verbraucher und Privatleute hätten verschiedene Möglichkeiten, das Problem der Überkapazitäten zu lösen. „Jeder Energieanbieter ist verpflichtet, seit Anfang des Jahres mindestens einen flexiblen Stromtarif anzubieten“, so Scharli. Habe man einen solchen Tarif, sei – nicht nur, aber auch – gerade an besagten sonnigen Sonntagen der Strom extrem günstig. Und wenn man dann das Auto auflade, den Geschirrspüler und den Wäschetrockner einschalte, spare man nicht nur bares Geld, sondern helfe auch noch, die Strommengen abzunehmen.

Gleiches gelte auch für die Besitzer eigener PV-Anlagen. Alles, was man selbst verbrauche, schone den Geldbeutel und entlaste das Netz. Es geht also um intelligente Lösungen. Auch bei der Beratung der Energiewende Oberland. „Wir beantworten derzeit viele Fragen zur Kombination von PV-Anlagen mit E-Autos und/oder Wärmepumpen“, so Scharli.

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