China kürzt Rohstoffe: Japan testet Abbau seltener Erden in 6.000 Metern Tiefe

China schickt eine klare Botschaft: Peking schränkt Exporte ein, die sowohl militärisch als auch zivil genutzt werden können - dazu könnten auch seltene Erden gehören, so „New York Times“. Diese Metalle sind für viele Schlüsseltechnologien unverzichtbar – sie werden unter anderem in Elektroautos, Smartphones und Raketen eingesetzt. Entsprechend groß ist ihre wirtschaftliche Bedeutung.

Für Japan ist das ein sensibles Thema. Schon 2010 stoppte China vorübergehend Lieferungen seltener Erden nach Tokio – mitten in einem Streit um Inseln im Ostchinesischen Meer. Das traf Japans Industrie hart und wirkt bis heute nach. 

Forschungs-Schiff „Chikyu“ startet zu einzigartiger Tiefsee-Mission

Jetzt reagiert Japan mit einem großen Projekt auf hoher See. Das Forschungsschiff „Chikyu“ ist zu einem abgelegenen Korallen-Atoll bei Minamitori aufgebrochen, rund 1.900 Kilometer südöstlich von Tokio, so „Reuters“. Dort liegt in etwa 6.000 Metern Tiefe Schlamm auf dem Meeresboden, der reich an seltenen Erden ist.

Die Mission soll rund einen Monat dauern, 130 Menschen sind an Bord. Es ist der erste Versuch weltweit, diesen Schlamm kontinuierlich aus so großer Tiefe an die Oberfläche zu pumpen.

Projektleiter Shoichi Ishii sagt: „Nach sieben Jahren stetiger Vorbereitung können wir endlich mit den Bestätigungstests beginnen. Es ist tief bewegend“, so „Reuters“. Gelingt das Vorhaben, könnte es ein wichtiger Schritt sein, um Japans Rohstoffversorgung breiter aufzustellen.

Das japanische Forschungsschiff Chikyu
Das japanische Forschungsschiff Chikyu Jamstec

Japans Industrie ist verwundbar – trotz aller Vorsorge

Japan hat in den vergangenen 15 Jahren viel getan, um weniger abhängig von China zu werden. Der Anteil chinesischer seltener Erden an den japanischen Importen ist von 90 auf etwa 60 bis 70 Prozent gesunken, so „New York Times“. Die Regierung und Unternehmen haben zudem Lager aufgebaut, auch wenn sie keine genauen Mengen nennen.

Trotzdem bleibt die Abhängigkeit groß. Vor allem bei schweren seltenen Erden, die etwa für Elektromotoren in E- und Hybridautos gebraucht werden, ist Japan fast vollständig auf China angewiesen, warnen Analysten laut „Reuters“.

Das Nomura Research Institute schätzt, dass ein dreimonatiger Exportstopp aus China Produktionsausfälle in Japan von rund 4,3 Milliarden Dollar verursachen würde – und bei einem Jahr sogar etwa 17 Milliarden Dollar, so „New York Times“.

Tiefsee-Schlamm als Wette auf die Zukunft

Seit 2018 hat Japan rund 40 Milliarden Yen, also etwa 250 Millionen Dollar, in das Tiefsee-Projekt bei Minamitori gesteckt. Noch ist unklar, wie groß die Vorkommen genau sind. Wenn die aktuellen Tests erfolgreich sind, soll 2027 ein größerer Abbauversuch starten, so „Reuters“.