Eine Lobby für die Alten: Dr. Klaus Wagner zieht sich aus Seniorenbeirat zurück

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Schluss nach 13 Jahren: Vorsitzender Dr. Klaus Wagner kandidiert nicht mehr für den Gautinger Seniorenbeirat. Die ehrenamtliche Nachbarschaftshilfe „Gauting hilft“ geht auf seine Initiative zurück. © Christine Cless-Wesle

Mehr als ein Jahrzehnt hat sich Dr. Klaus Wagner im Seniorenbeirat für die Belange älterer Mitmenschen eingesetzt. Im Gespräch blickt er zurück.

Gauting – Vor wenigen Tagen hat Gautings Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger die sieben amtierenden Seniorenbeirätinnen und -beiräte feierlich im Rathaus verabschiedet. Die Amtsperiode neigt sich dem Ende zu. Der Vorsitzende des Gremiums, Dr. Klaus Wagner, wird dem neuen Seniorenbeirat nicht mehr angehören. Der 75-jährige Rechtsanwalt hat sich nicht mehr aufstellen lassen. Unsere Mitarbeiterin Christine Cless-Wesle sprach mit ihm über erreichte Ziele und seine Wünsche für den nächsten Seniorenbeirat.

Herr Dr. Wagner, wie kamen Sie eigentlich zum Gautinger Seniorenbeirat?

Durch Zufall. Ich wusste nicht einmal, dass es in Gauting einen Seniorenbeirat gibt. Doch 2013 hat mich der inzwischen verstorbene Wolfgang Schrader, Gründer der Gautinger Stiftung LiA (Leben im Alter, Anm. d. Red.), in der Christuskirche angesprochen und als Kandidaten geworben.

Wer waren damals Ihre Mitstreiter für die Belange der Senioren?

Wir waren von Anfang an ein sehr gutes Team. Der frühere Grünen-Gemeinderat Prof. Jürgen Schade, Ulla Ottmar aus Stockdorf und Ute Brack waren damals dabei. Später kamen Hans Herde, Sebastian Fuchsberger, Dr. Hans-Jürgen Bruer, die Unterbrunnerin Barbara Weisser und in der letzten Wahlperiode Traudl Gschwendtner dazu. Und wir haben uns alle sehr gut verstanden.

Was sind oder waren die zentralen Themen der Generation 60 plus in der Gemeinde Gauting?

Von Anfang an haben wir uns im Seniorenbeirat um die wesentlichen Seniorenthemen wie Pflege, Wohnen im Alter, Verkehr und Mobilität, Barrierefreiheit, Grundsicherung im Alter und Schutz gegen Betrugskriminalität gekümmert. Weil es in Gauting keine Nachbarschaftshilfe gab, habe ich im Oktober 2018 als Initiative des Seniorenbeirats zusammen mit meinem Co-Koordinator Dr. Johannes Schmoeckel „Gauting hilft“ aus der Taufe gehoben. Hilfreich war auch die Beteiligung des damaligen BRK-Kreisgeschäftsführers Jan Lang, unter dem Dach des BRK konnten wir nämlich gleich loslegen. Moralischen Rückhalt hatten wir sofort durch die Gemeinde Gauting, die Insel, die Christuskirche, später auch St. Benedikt, die Caritas, die Diakonie Fürstenfeldbruck. Vor allem erwähnen möchte ich aber die 60 Helferinnen und Helfer, die unentgeltlich und ehrenamtlich im Einsatz sind.

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Die Gründung von „Gauting hilft“ ist also das Kernstück Ihrer zwölfjährigen Amtszeit?

Über „Gauting hilft“ haben wir während der Pandemie Digitalisierungskurse für Senioren angeboten. Viele Alte haben wir aus der Vereinsamung durch Besuche, Vorlesen, Begleitung bei Spaziergängen, Einkaufshilfen geholt, auch durch unsere Gesprächskreise zu „Themen der Zeit.“ Zeit zu schenken, wenn die sozialen Kontakte im Alter abnehmen, ist für uns ganz wichtig. Deshalb haben wir auch den „Dialog der Generationen“ veranstaltet, damit Großeltern, die mittlere und Enkel-Generation miteinander reden.

„Wohnen für Hilfe“ hatte der Seniorenbeirat ebenfalls auf der Agenda?

Leider hat es mit „Wohnen für Hilfe“ in Gauting nie geklappt. Denn eine so persönliche Sache kann nicht verordnet werden. Letztlich bräuchte man dafür eine unentgeltliche Maklerin, die Alt und Jung zusammenbringt.

Als Koordinator von „Gauting hilft“ leben Sie vor, wie tätige Nachbarschaftshilfe funktioniert. Können Sie uns ein Beispiel nennen?

Wir gehen in die Haushalte rein, um die Alten, die zum Beispiel unsere Mobilitätshilfe wie unentgeltliche Fahrdienste brauchen, erst einmal kennenzulernen. Dabei erfahren wir, wie der alte Mensch lebt, wie sehr seine Mobilität eingeschränkt ist und welche Helferin oder Helfer zu ihm passt. Wir haben auch die in der Pandemie eingestellten „Sonnenfahrten“ von St. Benedikt mit Busausflug reaktiviert und auf diese Weise neue Kontakte zum Katholischen Frauenbund gefunden. So kam ich ins Gespräch mit einer Seniorin, die keinen Führerschein mehr hat, sich aber nicht getraut hat, uns um Mobilitätshilfe zu bitten.

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Als Großvater lag Ihnen der Dialog der Generationen besonders am Herzen?

Ja. Im Kleinen sehen wir, dass auch Gauting immer älter wird. Wir haben deshalb den „Dialog der Generationen“ eingeführt, mit Gesprächen zu „Klimaschutz und Ökonomie“ oder zum Thema „Was erwarten wir von der Zukunft?“. Problem dabei: Es waren nur Ältere da, aber keine Jungen. Beim kommenden Gautinger Kulturspektakel hofft „Gauting hilft“ deshalb, erstmals mit einem eigenen Stand präsent zu sein.

Was ist in Ihren Augen das größte Verdienst von „Gauting hilft“?

Unsere unentgeltlichen Fahrdienste, die über eine App vermittelt werden. Inzwischen sind von den 60 Helferinnen und Helfern über die Hälfte mit eigenem Pkw als Fahrer im Einsatz. Dabei sind auch Altbürgermeister Dr. Ekkehard Knobloch oder CSU-Gemeinderat Stephan Ebner. Wer am Stock geht oder auf einen Rollator angewiesen ist und keinen Führerschein mehr hat, kommt mit unseren Ehrenamtlichen problemlos vom Buchendorfer Berg etwa zur Physiotherapie unten am August-Hörmann-Platz und wieder zurück.

Im Gegensatz zu früher war Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger bei den Seniorenbeiratssitzungen zuletzt nicht mehr präsent. Welche Wünsche haben Sie an Ihre Nachfolger?

Ich wünsche mir eine Verbesserung des Dialogs mit dem neuen Seniorenbeirat durch die Präsenz der Bürgermeisterin, aber auch eines Vertreters des Gemeinderats bei den Sitzungen. Seit Sommer 2022 war die Bürgermeisterin nämlich nicht mehr dabei, und die Gemeinderäte bekommen so gar nicht mit, was wir machen. Ich höre nur permanent: Es ist kein Geld da, wir brauchen ein Gewerbegebiet und müssen Kindergärten bauen. Aber die Themen der Älteren kommen im Gemeinderat viel weniger vor. Deshalb wünsche ich mir mehr Präsenz der Kommunalpolitik. Und im Organigramm der Gemeinde Gauting sollte der Seniorenbeirat ganz oben bei Soziales und Familie angedockt werden. Von 15 bis 16 000 Wahlberechtigten in Gauting sind die mehr als 6000 Senioren schließlich die größte Wählergruppe.

Warum hören Sie im Seniorenbeirat auf und kandidieren nicht mehr?

Ich war jetzt 13 Jahre lang im Gremium vertreten. Mit 75 Jahren ist das genug. Und ich brauche sehr viel Zeit für „Gauting hilft“. Die Koordination und Organisation und der persönliche Einsatz als Helfer nehmen mich sehr in Anspruch. Wir haben inzwischen 100 Klientinnen und Klienten in Gauting, um die wir uns kümmern. Christine Cless-Wesle

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