Kurioser Backhaus-Diebstahl wirft Fragen auf: Unverständnis bei Betreibern – „Kann man nirgends sonst verwenden“
Lange fieberten die Ortler auf die Eröffnung ihres Backhäusls hin. Doch beim ersten Backtag musste improvisiert werden: Diebe hatten das teure Thermometer gestohlen. Die Tat beschäftigt die Betreiber bis heute.
Puchheim - Das Puchheimer Backhäusl entwickelt sich zur Erfolgsgeschichte. Auch der zweite Backtag im sogenannten „Ortler Bachhaisl“ im Dezember kam gut an. Was die ehrenamtlichen Betreiber aber auch nach Wochen immer noch nicht verstehen, ist die Geschichte mit dem Diebstahl des teuren Spezialthermometers.
Mit ihm wird die Temperatur im Inneren des Backofens gemessen. Für den ersten Backtag blieb das nicht ohne Folgen: Beim Anheizen mussten die Betreiber ohne das Gerät improvisieren und nach Gefühl vorgehen.
Kein Tatverdächtiger ermittelt
Entdeckt worden war die Tat, wie berichtet, kurz vor der Backhäusl-Einweihung Ende Oktober 2025. Dadurch konnten die ehrenamtlich Engagierten den mutmaßlichen Zeitrahmen des Diebstahls auf zwischen dem 10. und 16. Oktober eingrenzen. „So haben wir es auch gegenüber der Polizei angegeben“, erzählt Sergius Ruppaner. Er ist einer der Ehrenamtlichen.
Herausgekommen ist in dem Fall bislang allerdings nichts. „Wir konnten leider keinen Tatverdächtigen ermitteln. Der Vorgang wurde mittlerweile an die Staatsanwaltschaft abgegeben. Eine Einstellungsmitteilung haben wir noch nicht erhalten“, teilt die für Puchheim zuständige Polizeiinspektion Germering auf Tagblatt-Nachfrage mit.
Man gehe jedoch nicht von Vandalismus im Sinne von Sachbeschädigung, sondern von einem Diebstahl aus. Ähnliche Vorgänge seien in Puchheim-Ort in den vergangenen Wochen ebenso wenig beobachtet worden, berichtet die Polizei.
Für die Betreiber des „Ortler Bachhaisl“ ist dies unbefriedigend – das Ganze bleibt für sie vor allem unverständlich. „Bei dem Thermometer handelt es sich um eine Spezialanfertigung. Nirgends sonst kann man das verwenden“, erklärt Ruppaner. Zudem müsse der Dieb eine gewisse Energie für seine Tat aufgewendet haben: Denn das Thermometer war mit dem sogenannten Fühler im Inneren des Ofens verbunden.
Maßnahmen scheitern am Datenschutz
Aus dem Vorfall hat man im Brotbackhaus Lehren gezogen: Das neue Thermometer ist zusätzlich gesichert. Möglich war die Anschaffung des neuen Geräts dank des Kulturvereins Puchheim. Er übernahm laut Ruppaner die Kosten von knapp 450 Euro.
Über weitere Schutzmaßnahmen haben die Backhäusl-Betreiber ebenso nachgedacht. Doch sie scheitern etwa am Datenschutz. Das Backhäusl liegt auf öffentlichem Grund, weswegen das Anbringen einer Kamera nicht zulässig ist. Eine sogenannte Scherengittertüre, mit der man den Zugang zum Ofen zumindest abschließen könnte, würde laut dem Angebot einer Spezialfirma rund 300 Euro kosten.
Von einem Antrag an die Stadt, diesen Betrag zu übernehmen, sprechen die Betreiber nicht. Sie lassen aber schon durchblicken, dass das Backhäusl eine Art Prestigeobjekt für das ehrenamtliche Engagement in Puchheim ist. Das Gemeinschaftsbackhaus war durch das erste Puchheimer Bürgerbudget finanziert worden. Für die Umsetzung hatten die Ideengeber, wie berichtet, 15 000 Euro von der Stadt erhalten.