Brotbacken als Gemeinschaftsprojekt: Das kommt gut an in Puchheim-Ort. Für das Backhaus gab es eine Finanzspritze, das sogenannte Bürgerbudget. Ein Erfolgsmodell, das nun in die Verlängerung gehen soll.
Und es ist, wie es sein sollte: Alle packen mit an, Neugierige schauen vorbei und helfen. Ziegel für Ziegel wird in Puchheim-Ort aufeinander gesetzt, die kleine Mauer wächst, der Brotbackofen nimmt immer mehr Formen an.
Gerade bauen die Ortler ihr Gemeinschaftsprojekt, wie Sergius Ruppaner, Vorsitzender der Puchheimer Bulldogfreunde, in einer Mitteilung berichtet. Helfer seien in ihrer Freizeit vorbeigekommen und schafften Mörtelsäcke, Ziegel, Werkzeuge und verschiedene Gerätschaften herbei. Angeleitet wurden sie von einem Maurermeister, „der weder den zeitlichen Aufwand noch eine Anfahrt von 80 Kilometern gescheut hatte“. Helfende Hände kann es nie genug geben: Wer das Team noch unterstützen will, kann sich unter der Telefonnummer (0172) 8 21 18 35 melden.
Angefangen hat alles mit einem Pilotprojekt 2022, aus dem das Puchheimer Gemeinschaftsbackhaus hervorging. Im Sozialausschuss der Stadt Puchheim warb das Sozialreferat nun dafür, das sogenannte Bürgerbudget weiterzuführen - mit Erfolg. Das Gremium zeigte sich überzeugt von dem Vorhaben.
Damals gewährte die Stadt ein Budget von 15 000 Euro, um „Projekte aus der Bürgerschaft für die Bürgerschaft“ umzusetzen, wie Marie Grenzdörfer berichtete. Die Puchheimer konnten dafür Ideen einreichen, zumindest diejenigen aus Puchheim-Ort, denn der Pilotversuch war lokal beschränkt.
Die Ortler jedenfalls taten das eifrig, sodass eine „Vielzahl verschiedener Vorschläge“ die Verwaltung erreichte. Eine Arbeitsgruppe sortierte diejenigen aus, die nicht den Förderkriterien entsprachen. Übrig blieben 19 Ideen, über die die Bürger abstimmen konnten. Das Backhaus erhielt die meisten Stimmen. Die Umsetzung zog sich ein wenig, aber es wird aktuell errichtet und soll im Spätsommer oder Herbst in Betrieb gehen.
Man habe wirklich viel positives Feedback erhalten, erklärte auch Grenzdörfer in dem Ausschuss und würde das Projekt gerne fortführen. In einem Zwei-Jahres-Rhythmus sollen zunächst Bahnhof-Süd, dann Bahnhof-Nord folgen. Wenn jeder Stadtteil einmal zum Zug kam, könne man darüber beraten, das Projekt künftig auf das gesamte Stadtgebiet auszuweiten.
Michaela von Hagen, Fraktionssprecherin der Freien Wähler, betonte in ihrem Redebeitrag, dass das Backhaus natürlich trotzdem für die ganze Stadt da sei. „Das sollte öfter nach außen getragen werden“, regte von Hagen an.
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Auch die Verwaltung selbst hatte in Sachen Kommunikation Feedback. So wolle man künftig klarer vermitteln, dass den eingereichten Ideen auch eine kleine Beschreibung und eine grobe Kostenschätzung beigefügt sein müssen. Zudem sollten die Projektideen dergestalt sein, dass die Bürger sie auch weitestgehend selbst umsetzen können. Beim Backhaus habe die Verwaltung sich nämlich um den Entwurf und Bauantrag gekümmert.
Thomas Salcher von der UBP berichtete, dass er das Projekt Backhaus mit begleitet habe. Sein Resümee: „Ich fand’s super!“ Bezüglich der langen Umsetzungsdauer zeigt er sich entspannt. Die Vorarbeit habe damals sehr lange gedauert, aber die entfalle ja nun beim nächsten Durchgang. Außerdem habe auch Corona eine Rolle gespielt.
Er regte an, künftig einen festen Ansprechpartner beim Bauhof zu benennen, „wenn zum Beispiel mal was zugeschnitten werden muss.“ Bürgermeister Norbert Seidl (SPD) sprach sich ebenfalls dafür aus, das Bürgerbudget fortzuführen, zumal es „monetär kein großer Invest ist“.
Mit der Zustimmung des Sozialausschusses kann das Projekt weitergehen. Und die Puchheimer können aktiv an der Gestaltung ihrer Stadt teilhaben.
Patrick Tietz