Erwin Weis kocht leidenschaftlich für das THW Fürstenfeldbruck. Seine Karriere begann jedoch auf hoher See. Heute ist er ein unverzichtbarer Teil des Teams.
Fürstenfeldbruck – Auf der Arbeitsfläche ist gerade Platz für ein paar Salat- und Kohlköpfe, Gurken, ein Schneidbrett, eine Schüssel. Doch Erwin Weis ist zufrieden, hier werkelt er nach Herzenslust. Bis vor ein paar Jahren war der Platz noch begrenzter. Er kochte in einer kleinen Teeküche der THW-Unterkunft in der Hasenheide. „Das hat auch funktioniert, aber es war sportlich“, erzählt der 61-Jährige. Nach einem Wasserschaden wurde die Küche erweitert.
Die Anzahl der Esser schwankt – mal sind es 20, mal über 100. Erwin Weis ist auf alles vorbereitet, hat immer Vorräte auf Lager und kann schnell reagieren. Wenn die THW-Einsatzkräfte stundenlang gegen die Folgen von Unwettern kämpfen oder bei Großschadenslagen eingesetzt sind, ist eine ausreichende Verpflegung essenziell. Die Mahlzeiten werden in isolierten Transportbehältern zu den Einsatzstellen gebracht.
Zu seinem kulinarischen Ehrenamt kam Weis, als eine seiner beiden Töchter beim THW eine Grundausbildung machte. Zehn Jahre ist das her. Der gebürtige Franke war die Idealbesetzung für den Posten, denn er hat Koch gelernt. Nach der Ausbildung fand er lediglich Saisonarbeitsplätze. Niemand wollte ihn damals, Anfang der 1980er-Jahre, dauerhaft einstellen, weil er seinen Wehrdienst noch vor sich hatte. Weil ihm das Warten auf die Einberufung irgendwann zu blöd wurde, ging Weis schließlich freiwillig zur Bundeswehr.
Er schulte um auf Navigator und kreuzte fünf Jahre lang im U-Boot durch Nord- und Ostsee. Kochen musste er trotzdem ab und zu – einmal sogar für den damaligen Bundesverteidigungsminister Manfred Wörner, als dieser zu einem Truppenbesuch kam. Weis‘ gefüllter Schweinerücken schmeckte ihm gut.
Später ließ sich der 61-Jährige zum Wettertechniker weiterbilden. Einer seiner Lehrer war der legendäre fliegetragende ZDF-Wettermann Uwe Wesp. Weis ist bis heute beim Bund, und bald wird er jede Woche nach Euskirchen bei Köln pendeln müssen. „Da werde ich nur am Wochenende beim THW kochen können“, sagt er. „Und im Urlaub.“
Der sympathische 61-Jährige ist einer jener geborenen Ehrenamtlichen, die einfach anpacken, ohne sich und andere groß zu fragen, warum. Früher hat er in der Kirche auf dem Fliegerhorst Kinderkino-Vorstellungen organisiert und sich beim Arbeiter-Samariter-Bund engagiert.
Bis heute ist er zudem im Landesverband der Deutschen Vereinigung Morbus Bechterew tätig, unter anderem als Sprecher der Brucker Selbsthilfegruppe. Weis leidet selbst unter der chronisch entzündlich-rheumatischen Erkrankung mit Schmerzen und Versteifung von Gelenken. Anmerken tut man ihm davon nichts. „Hab mich noch gut gehalten“, sagt er lakonisch.
Und was isst der leidenschaftliche Koch selbst am liebsten? „Schöne Würstel und guten Käse.“ Weis probiert gern neue Rezepte aus, experimentiert mit Soßen, stellt eigene Gewürzmischungen her. Seine Familie freut’s. Die beiden Töchter wohnen nicht mehr zu Hause. „Aber wenn ich koche, sind sie da.“