Um die Rezertifizierung zur fahrradfreundlichen Kommune zu erhalten, muss die bereits 2018 ausgezeichnete Stadt Wolfratshausen viele Vorgaben erfüllen. Jüngst erfolgte eine erneute Bereisung.
Wolfratshausen – Die Schaffung und Erhaltung von guten Rahmenbedingungen für den Radverkehr bleibt eine permanente Herausforderung. Dies stellten jüngst Vertreter der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen (AGFK), des Staatsministeriums für Wohnen, Bau und Verkehr, ADFC, Stadträte und Rathausmitarbeiter nach ihrer Bereisung durch das Stadtgebiet fest.
Bevor die Prüfungskommission in die Pedale trat, informierten die städtische Mobilitätsmanagerin Anna Graf und Bürgermeister Klaus Heilinglechner die auswärtigen Gäste im Sitzungsaal des Rathauses über bereits umgesetzte Maßnahmen und künftige Pläne. Dazu gehören der Ausbau der „Bike-and-Ride-und-Sammelschließanlage“ am S-Bahnhof, Reparaturstationen, Lademöglichkeiten sowie die Einrichtung von Schutzstreifen und Mobilitätsstationen.
„Wir tun unser Bestes für den Radverkehr“, versprach Heilinglechner. Gleichwohl räumte der Rathauschef ein, dass die Umsetzung gerade auf Staatsstraßen herausfordernd sei. Simon Neubert vom Staatlichen Bauamt Weilheim bestätigte zahlreiche Anfragen der Wolfratshauser Stadtverwaltung. Mobilitätsmanagerin Anna Graf verwies darauf, dass im diesjährigen Haushalt rund 190 000 Euro für die Verbesserung des Radverkehrs eingeplant sind.
Erstellung eines Mobilitätskonzepts für Wolfratshausen
Die in diesem März begonnene Erstellung eines Mobilitätskonzepts mit umfassender Bürgerbefragung soll im Juni des kommenden Jahres abgeschlossen sein. Ab 2027 rechnet sie mit einer Beteiligung der Stadt am MVV-Bike-Sharing, das sowohl mechanische Rädern als auch Pedelecs betrifft.
Während der anschließenden Radtour sah die Prüfungskommission an einigen Stellen jedoch Nachbesserungsbedarf. So bemängelte der Unterschleißheimer ADFC Ortsgruppensprecher Robert Burschik eine unzureichende Beschilderung an der viel befahrenen Sauerlacher Straße auf Höhe des Bahnhofs. Das Aufeinandertreffen von Schülern, erwachsenen Fußgängern, Radlern, Autofahrern und wartenden XBus-Fahrgästen bewertete er als unübersichtlich. ADFC-Kreisverbandvorstandsmitglied Bernhard Lorenz und Grünen-Stadtrat Dr. Hans Schmidt bemängelten die Engstelle vor der Fußgängerampel an der Schranke.
„Da bleibt für Radfahrer keine Aufstellfläche“, bemerkte Lorenz. Bürgermeister Klaus Heilinglechner und Wolfgang Mucha vom Ressort Tiefbau und verkehrsrechtliche Angelegenheiten gaben zu bedenken, dass die angrenzende Fläche im Besitz der Bahn sein und Flächenabtretungen daher schwer zu verwirklichen sind. Birgit Zehetmaier vom Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr glaubt dennoch fest daran, dass durch die Kooperation der Stadt mit dem Staatlichen Bauamt Weilheim und der Polizei im Umfeld des Bahnhofs „gute Lösungen gefunden werden können“.
Car- und Bikesharing-Station der Baugenossenschaft vor den Neubauten „Am Waldrand“
Einen Versuch wert sei nach Ansicht der Stadträte Manfred Menke (SPD) und Dr. Hans Schmidt die Verlängerung der roten markierten Radspur stadteinwärts bis zur Schranke. Weil sie derzeit auf Höhe der Edeka-Tiefgarage endet, treffen Radfahrer und Fußgänger auf dem schmaler werdenden Gehweg vor der Schranke zusammen. Lobende Worte hatte die Kommission für die Car- und Bikesharing-Station der Baugenossenschaft vor den Neubauten „Am Waldrand“.
Auch die enge Kurve mit angrenzendem Eisengeländer auf dem Radweg vor der B11-Unterführung am südlichen Wolfratshauser Ortseingang hielt jeder für sinnvoll. „Sie zwingt die Radler zum Langsamfahren“, betonte Robert Burschik. An der Königsdorfer Straße endete die Bereisung. „Dort planen wir einen gemeinsamen Geh- und Radweg“, kündigte Heilinglechner an.
Nach der Tour zog sich die Kommission zur Beratung zurück und kam zu einem weitgehend erfreulichen Ergebnis. Demnach empfiehlt die AGFK eine erneute Auszeichnung zur „fahrradfreundlichen Kommune“, die im Frühjahr 2026 erfolgen soll. Dennoch bleibe die Förderung des Radverkehrs eine Daueraufgabe.
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