Mit Regenbogenfahnen, Transparenten und lauter Partymusik zog am Samstagvormittag ein gut gelaunter Demonstrationszug durch die Innenstadt. Davor und danach lobten Redner die Sichtbarkeit und den Mut der queeren Gemeinschaft.
Wolfratshausen – „Ich bin überwältigt, dass trotz Regens so viele gekommen sind“, freute sich Leo Köppl. Er stellte sich selbst als queer, autistisch und chronisch krank vor. „Wir gehen heute für mehr Sichtbarkeit auf die Straßen“, betonte Köppl. Der junge Aktivist erinnerte in seiner kurzen Rede an die Anfänge des Christopher Street Days, der erstmals 1970 in New York stattfand. Damals lehnten sich Homosexuelle und andere queere Minderheiten gegen die Polizeiwillkür im Stadtteil Greenwich Village auf.
Erster Christopher Street Day (CSD) in Wolfratshausen trotzt Regen und Vorurteilen
Mittlerweile gibt es den Christopher Street Day in vielen Ländern. „In unserer Kleinstadt ist das aber keine Selbstverständlichkeit“, bemerkte Köppl. Er erinnerte an die homophoben Nazi-Schmierereien, die im Januar an die Hauswand des Cafés eines homosexuellen Ehepaars in der Wolfratshauser Marktstraße gesprüht wurden. „Das hat mir Angst gemacht: Niemand sollte sich verstecken müssen“, erklärte Köppl.
Sebastian Roloff, Bundestagsabgeordneter der SPD, sieht das genauso. „Die Gewalt gegen queere Minderheiten nimmt zu, deshalb ist dieser Tag heute ein tolles Signal“, stellte er fest. In scharfen Tönen kritisierte Roloff, dass vor dem Bundestag in Berlin nicht die Regenbogenfahne gehisst werden darf und ein „rechter Kulturkampf“ entstehe.
Demo-Initiator Raffael Joos (SPD) bedankte sich bei der Unterstützung durch das Bündnis „Für Demokratie und Vielfalt“, „WOR for Future“, DGB-Jugend, SPD, Grüne, Linke, Bürgervereinigung Wolfratshausen und FDP. „Was wir heute feiern, ist mehr als Toleranz: Es ist Zusammenhalt“, befand FDP-Stadtrat Dr. Patrick Lechner. Während die Polizei die Teilnehmerzahl auf rund 150 schätzte, zählten die Veranstalter 350 Demonstranten.
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