57,1 Prozent der Wähler haben sich für die für Errichtung einer Flüchtlingsunterkunft am Wirthsfeld in Baierbrunn entschieden. Die Wahlbeteiligung lag bei 68,5 Prozent.
Baierbrunn - Mit halbwegs klarer Mehrheit haben die Baierbrunner am Sonntag beim Ratsentscheid dafür gestimmt, dass auf dem sogenannten Wirthsfeld Unterkünfte für Geflüchtete gebaut werden können. 57,1 Prozent der Wähler votierten für den Standort, der während der letzten Wochen und Monate hochumstritten gewesen ist. Die Wahlbeteiligung lag bei 68,5 Prozent, wobei die allermeisten die Möglichkeit genutzt haben, per Briefwahl abzustimmen – 1270 von 2512 Wahlberechtigten.
„Am Ende ist das Ergebnis doch recht deutlich“, sagte gestern gegen halb acht Bürgermeister Patrick Ott (ÜWG), dem man die Erleichterung über den Ausgang des Entscheids auch durchs Telefon anhörte. Es gehe jetzt darum, auch mit den 40 Prozent der Bürger, die sich gegen das Vorhaben ausgesprochen haben, „Gespräche zu führen“, unter Umständen könne man ja auch erreichen, dass die geplanten drei Feel-Home-Häuser nicht 15 Jahre stehen bleiben, wie es immer hieß, sondern weniger lang.
Bürgermeister Ott will Gräben schließen
Hinter dem Rathauschef, der als unerschütterlicher Optimist gilt und eigentlich von 60 Prozent für die Bebauung des Wirthsfelds ausgegangen war, lagen durchaus spannende eineinhalb Stunden; die Auszählung des ersten Wahlbezirks im Rathaus, wo all die abgestimmt hatten, die keine Briefwahl gemacht hatten, hatte eine wirklich hauchdünne Mehrheit für den Ratsentscheid von nur vier Stimmen ergeben – 50,7 Prozent der Baierbrunner, die ihre Stimme persönlich abgegeben hatten, waren für das Wirthsfeld als Geflüchtetenadresse, 49,3 Prozent dagegen.
Die Briefwähler waren dann jedoch eindeutiger in ihrem Abstimmungsverhalten; in den beiden Bezirken votierten 57,8 beziehungsweise 58,9 Prozent der Wähler für das Vorhaben, mit dem Baierbrunn nun endlich seine Quote zur Flüchtlingsunterbringung erfüllen will.
Aufreibende Wochen und Monate enden jetzt
In Baierbrunn gehen mit der Abstimmung aufreibende Wochen und Monate zu Ende; vermutlich ist selten im Vorfeld eines Bürger- oder Ratsentscheids soviel Wahlkampf gemacht worden. Die kleine Gemeinde brachte letztlich zwei Bürgerinitiativen hervor, eine, die den Standort erbittert bekämpfte auf wirklich allen Kanälen und sich „Gemeinsam in Baierbrunn“ nannte. Von der Gruppierung meinte gestern Martina Fellermeier, die auch CSU-Gemeinderätin ist und sich allerdings eher immer im Hintergrund gehalten hatte: „Wir haben jetzt ein Ergebnis, und wir können damit weitermachen. Wie die Häuser dann aussehen auf dem Wirthsfeld, wird sich zeigen.“
Auf der anderen Seite hatte die Gruppierung „Miteinander in Baierbrunn“ vor allem versucht, den Ton zu versachlichen, den Beteiligten ging es darum, kursierende Falschinformationen richtig zu stellen. Sie meinten gestern: „Wir freuen uns sehr, dass sich die Mehrheit der Baierbrunner für Offenheit und Toleranz gegenüber geflüchteten Menschen ausgesprochen hat.“ Man wolle sich im neuen Jahr „auf das Ankommen der Geflüchteten und den Aufbau eines Helferkreis“ konzentrieren.
Meine news
68 Plätze für Menschen in Not sollen auf dem Wirthsfeld entstehen, Patrick Ott geht davon aus, dass die drei Gebäude in Holzständerweise bis Herbst 2025 fertiggestellt werden können. Das Landratsamt hat zugesagt, vornehmlich Familien in die Isartalgemeinde zu entsenden.
Er freue sich, meinte der Bürgermeister auch, über die recht hohe Wahlbeteiligung. Und er werde, das hatte er im Vorfeld angekündigt, alles tun, um die Gräben, die das Thema aufgerissen hat, wieder zu befüllen.