Ein Fest für die Demokratie: Hunderte Menschen bekennen sich in Hebertshausen zu Frieden und Toleranz
Mehrere hundert Menschen haben sich am Samstagabend zu einer Lichterkette durch den Ort versammelt, um für Toleranz, Frieden und Demokratie einzustehen. Die Auftaktveranstaltung war wetterbedingt in die Schulturnhalle verlegt worden.
Hebertshausen – Den Weg dorthin wies lautstark die Münchner Trommelgruppe Ruhestörung. „Setzen wir ein Zeichen des Zusammenhalts aller Menschen gleich welcher Herkunft, schaffen wir für unsere Kinder eine lebenswerte Zukunft!“ Dieser Appell an die gut 500 Menschen in der Halle kam zu Beginn von Hubertus Schulz vom Demokratiebündnis Dachauer Land, gemeinsam mit der Gemeinde sowie Autor Norbert Göttler und Ortshistoriker Thomas Schlichenmayer Ideengeber und Mitorganisator der Veranstaltung. Gekommen waren viele Hebertshauser, aber auch Teilnehmer aus Dachau und dem Landkreis, darunter Vertreter der Vereine, der Politik, des Runden Tischs gegen Rassismus sowie der Gruppe „Omas gegen Rechts“.
Das einstündige Programm bot durchaus Überraschendes. Anstelle von Reden präsentierten Künstler und Hebertshauser Bürger ihren persönlichen Blick auf die Themen Toleranz, Demokratie und Menschlichkeit. Einfühlsame Songs, vorgetragen vom Dachauer Chor A Capella Company, und heiter-kritische Gstanzl von Hans Well gaben dem ernsten Thema eine zuversichtliche, fast heitere Note – ganz bewusst, wie Norbert Göttler als Moderator erklärte. „Es soll heute ein freudiges Fest sein!“ Schließlich stünden nach wie vor zwei Drittel der Bürger überzeugt hinter der Demokratie.
Einen Blick zurück in Zeiten, in denen es „bei uns keine Demokratie gab“, richtete der Moderator dann im Gespräch mit Irmgard Engelhardt. Die 95-jährige Prittlbacherin hatte den Zweiten Weltkrieg als Kind in München miterlebt, mit Schrecken erinnert sie sich an die Luftangriffe, „ich hatte Todesangst“. Und obwohl noch Schülerin, „hab‘ ich auch schnell gemerkt, wie gefährlich es ist, wenn man sich verplappert“. Die ganze Halle applaudierte bei ihrem Aufruf: „Wir müssen die Demokratie verteidigen, die Freiheit ist das wichtigste Gut!“
Musiker Hans Well, der mit seinen Kindern Jonas und Sarah auf der Bühne stand, zeigte sich erst einmal erstaunt über die große Resonanz im kleinen Hebertshausen. „Respekt, was ihr auf die Füße stellt, so viele Leute!“ Nach einem launig-witzigen Song über alle möglichen Arten von „Leuten“ sagte Well, ein Blick in die USA reiche, um zu sehen, „wie schnell die Demokratie gefährdet sein kann“.
Ein Element einer toleranten Gesellschaft ist Inklusion, die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderung. „Inklusion ist keine Utopie, Inklusion ist Menschenrecht“, betonte daher Tanja Patti, die mit einigen Hebertshausern mit Handicap auf die Bühne gekommen war. Sie alle wünschten sich „keine Barrieren in den Köpfen“.
Einen jungen Blick auf die großen Probleme richteten Philomena Reischl, Lilo Riedlberger und Lilou Varga. An kleinen Facetten ihres Alltags illustrierten die drei Zwölf- und 13-Jährigen wichtige Erkenntnisse: Wo sie sich beispielsweise mal ärgern, wenn keine Cornflakes im Schrank sind, müssten weltweit Millionen Menschen hungern. Und statt Angst vor der nächsten Schulaufgabe haben Menschen in anderen Regionen der Welt Angst vor Krieg. Ihr Fazit daher: „Im Kleinen anfangen, Menschen helfen und alle gleichbehandeln!“
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Angeführt von den Schönbrunner Bläsern ging es schließlich zum Rathaus. Auf dem Weg stießen viele weitere Teilnehmer dazu, Anwohner reihten sich mit Laternen ein. Um 19.32 Uhr ertönten dann die Kirchenglocken – die Lichterkette stand. Zum Ziel, eine Kette bis zum Mahnmal auf dem SS-Schießplatz zu bilden, fehlte am Ende noch ein kurzes Stück. Dem Erfolg aber tue dies keinen Abbruch, betonte Bürgermeister Richard Reischl. Wichtig sei allein gewesen, „dass die Leute sich positionieren und für etwas einstehen“!