Wie wird man die lästigen Saatkrähen am besten los? Indem man ihre Nester zerstört? Sie mit einem Wüstenbussard erschreckt? Oder einzelne Vögel abschießt? Ein Forschungsprojekt will dies gerade herausfinden. Ein Tierschützer ging nun juristisch gegen das Projekt vor und erstattete Anzeige. Ohne Erfolg.
Wenig erhitzt die Gemüter vieler Dachauer derzeit so wie das vor wenigen Wochen gestartete Modellprojekt zur sogenannten letalen Vergrämung von Saatkrähen. Das Projekt wird, wie mehrfach berichtet, in den oberbayerischen Städten Dachau, Erding und Bad Aibling umgesetzt. Sein Auftraggeber ist das Bayerische Umwelt- und Verbraucherschutzministerium. Federführend umgesetzt wird es vom Bayerischen Landesamt für Umwelt. Sein hochoffizielles Ziel: „die Wirksamkeit von letalen Einzelmaßnahmen als Managementmaßnahme im Vergleich zu nicht-letalen Maßnahmen“ zu ermitteln. Gänzlich unwissenschaftlich formuliert, geht es schlicht um die Frage, wie man die lästigen Saatkrähen am wirksamsten aus der Stadt vertreibt.
Vielen Dachauern, die die Maßnahmen aktuell aus nächster Nähe verfolgen können, geht das Projekt nicht weit genug. Bei der Stadt, bei der Heimatzeitung oder beim zuständigen Landtagsabgeordneten Bernhard Seidenath gehen regelmäßig Fragen ein, warum die Nestentfernung, der Abschuss und der Einsatz des Bussards nur in ausgewählten Straßen stattfindet? Tilman Reinhardt etwa, dessen Lebensgefährtin in Dachau-Ost wohnt, klagte erst gestern gegenüber den Dachauer Nachrichten, dass der ausgewählte Projekt-Bereich „viel zu klein“ und das Projekt damit „ungerecht“ sei!
Doch es gibt auch – wenige – andere Stimmen. Bergkirchner Gemeinderäte hatten zuletzt öffentlich ihrer Befürchtung Ausdruck verliehen, dass die Krähen vielleicht erfolgreich aus der Stadt Dachau vertrieben werden – um sich dann in den Nachbargemeinden anzusiedeln.
Und es gibt überzeugte Tierschützer, die die Sichtweise der EU-Behörden teilen und Krähen für schützenswert halten. Der entschlossenste unter ihnen: der Dachauer Michael Krämer. Der 65-Jährige engagiert sich seit Jahrzehnten im Tierschutz, gehört seit gut zehn Jahren der Partei „Mensch Umwelt Tierschutz“ an und trat zuletzt auch zur Bundestagswahl an. Er wohnt im Stadtteil Augustenfeld und hat offiziell eine „Anzeige gegen Unbekannt“ erstattet. Er will, wie er gegenüber der Heimatzeitung betont, „dass diejenigen, die das Projekt angeordnet haben, und alle die, die direkt oder indirekt an dessen Umsetzung beteiligt sind, zur Rechenschaft gezogen werden“.
Krämer begründet die Anzeige mit dem Bundesnaturschutz- sowie dem Tierschutzgesetz. Letzteres schreibe grundsätzlich nämlich vor, dass „niemand einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen darf“. Klar, räumt Krämer ein, könne er verstehen, dass Menschen „sich gestört fühlen von Tieren wie Krähen, Zecken, Wespen, Ratten oder Tauben“. Allerdings ist seine tiefe Überzeugung, dass es „Dinge gibt, die man als Mensch einfach hinnehmen muss“. Der Mensch dürfe nicht „alles zerstören, was sich ihm in den Weg stellt“. Das Argument, dass Krähen mittlerweile nicht nur für den Menschen, sondern auch für andere Tiere zum Problem werden, wischt er beiseite: „Wir sollten die Natur in Ruhe lassen. Der Mensch muss sich als Teil der Natur sehen!“
Zumindest rechtlich aber wird er das nicht durchsetzen können. Wie Luisa Schlager, Sprecherin der Dachauer Polizei auf Nachfrage erklärt, sei Krämers Anzeige eingegangen und vom zuständigen Sachbearbeiter auch schon geprüft worden. Das Ergebnis der Prüfung sei eindeutig: „Das Krähen-Projekt ist rechtens.“
Tierschützer Krämer erklärt, diese Ansicht zu akzeptieren. Schließlich sei er kein Jurist. Als Tierfreund aber, das stellt er klar, „werde ich nie damit einverstanden sein“!