Reform des Jagdgesetztes: „Aiwanger muss gebremst werden“

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Gemeinsame Front gegen Aiwangers neues Jagdgesetz: Bund-Naturschutz-Kreisvorsitzender Roderich Zauscher, Jagdberater und Waldbesitzer Clemens von Trebra-Lindenau, Jagdbeirat Georg Rottmeir sowie BBV-Kreisobmann Simon Sedlmair (v.l.). © hab

Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger will das bayerische Jagdgesetz reformieren. Im Landkreis Dachau erntet er dafür Gegenwind – und zwar von einer Allianz aus Bauern, Waldbesitzern und Naturschützern. Während Aiwanger nämlich auf mehr Eigenverantwortung setzt, fordern seine Kritiker genau das Gegenteil.

Jäger, so lautet das gängige Klischee, sind Männer, die Waffen lieben, die gern Trophäen sammeln und gar nicht genug davon bekommen können, Tiere abzuschießen. Dieses Klischee, so klärte gestern Clemens von Trebra-Lindenau, auf, ist falsch. Vielmehr sei das Gegenteil richtig: Der Jäger wolle gar nicht jagen! Als gut situierter Mann – beispielsweise Anwalt – genieße er seine freie Zeit in seinem teuer gepachteten Revier und „ergötzt sich am Wild in seinem Wald“.

Klar, so von Trebra-Lindenau, ist dies „böse formuliert“. Aber diese kleine Bosheit erklärt, warum gestern der Hebertshauser Waldbesitzer und Jagdberater gemeinsam mit Roderich Zauscher als Kreisvorsitzendem des Bund Naturschutz, Simon Sedlmair als Kreisvorsitzendem des Bauernverbands und Jagdbeirat Georg Rottmeir ins Gasthaus Drei Rosen zum Pressegespräch geladen hatte. Die geplanten Änderungen des bestehenden bayerischen Jagdgesetzes hin zu mehr Eigenverantwortung für die Jäger sei absolut schädlich für den Wald und den Naturschutz im Landkreis Dachau!

Wie berichtet, plant der für die Jagd in Bayern verantwortliche Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger eine Novellierung des Jagdgesetzes. Ein wesentlicher Punkt darin ist, dass Jägern bei der Jagd auf Rehe „mehr Eigenverantwortung“ gegeben wird. Die strengen staatlichen Abschusspläne für Rehe sollen damit entfallen können, wenn der Verbissschaden bei jungen Bäumen „tragbar“ ist. Dafür müssen in dem Jagdrevier allerdings genügend junge Bäume, ohne einen Schutz-Zaun gegen hungrige Rehe, aufwachsen können.

Das Problem, das die Vertreter von Land- und Forstwirtschaft sowie Naturschutz sehen: Die Jäger, zu denen übrigens auch der Minister selbst gehört, würden dann noch weniger schießen als sie es eh schon tun. Und dabei sollte gerade im Landkreis Dachau eher mehr geschossen werden. Wie Jagdbeirat Rottmeir erklärte, liegen im Landkreis von 102 Jagdrevieren 47 Prozent im roten Bereich, das heißt, dass dort die Verbissbelastung vor allem durch Schalenwild als „zu hoch“ bewertet wird. 47 Prozent im roten Bereich, „das ist erschreckend“! Von Trebra fürchtet daher: „Die Gesetzesreform wird den Zustand des Waldes weiter verschlechtern!“ Den Rehwildbestand wirksam zu reduzieren, sei „harte Arbeit“, die ein Jäger – zumindest freiwillig – nicht erledigen wird.

Warum sich die Zahl der roten, also stark verbissenen Bereiche in den Wäldern des Landkreises in den vergangenen Jahren so rasant erhöht und die Untere Jagdbehörde im Landratsamt nicht mehr Einfluss auf die Jäger genommen hat, können die vier Experten nicht recht erklären. Was sie aber wissen: Das geltende Jagdrecht mit seinem Grundsatz „Wald vor Wild“ müsse erhalten und endlich konsequent umgesetzt werden! „Wir wollen eher mehr Druck als weniger“, fasst es BBV-Obmann Sedlmair zusammen. Naturschützer Zauscher findet: „Der Jäger muss Wolf, Lux und Bär ersetzen!“ Ohne eine erfolgreiche Verjüngung der Wälder werde die Region dem Klimawandel nichts entgegensetzen können.

Apropos Klimawandel: Dieser sorgt bekanntlich dafür, dass das Frühjahr mittlerweile früher beginnt. Von Trebra und seine Kollegen fordern daher eine Flexibilisierung der Jagdzeiten. Schalenwild sollte daher bereits einen Monat früher als bisher, nämlich ab 1. April, bejagt werden dürfen. Später, so von Trebra, sei es „fast unmöglich“, das Wild noch ausreichend von den jungen Trieben fernzuhalten. Wenn Aiwanger also wirklich eine Deregulierung oder Entbürokratisierung wolle, könne er gern hier ansetzen: „Wenn man heute außerhalb der Jagdzeit schießen will, ist das ein irrer Aufwand!“

Das Fazit Zauschers, von Trebras, Sedlmairs und Rottmeirs ist klar: „Aiwanger muss gebremst werden!“ Der Minister dürfe für Nachfragen gern anrufen. Bislang, so vermuten die Vier, habe er nämlich lediglich mit dem Präsidenten des Jagdverbands gesprochen.

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